19.12.2005 · Der Boom der Weltwirtschaft kommt 2006 auch in Deutschland an. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rechnet mit 1,7 Prozent Wachstum. Keine Entwarnung gibt es am Arbeitsmarkt.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Ansicht des Münchner Ifo-Instituts derzeit im Aufschwung und wird im kommenden Jahr um 1,7 Prozent wachsen.
„Die Konjunktur zieht nun tatsächlich an. Nach fünf Jahren gibt es klare Signale, daß die konjunkturelle Flaute überwunden ist“, sagte der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, am Montag bei der Vorlage der neuen Konjunkturprognose. „Die deutsche Wirtschaft ist im konjunkturellen Aufschwung. Zugpferd ist die Auslandsnachfrage“, heißt es in dem Bericht. „Auch der Investitionsmotor ist nach etlichen Fehlzündungen endlich angesprungen.“
Beim privaten Konsum noch keine durchgreifende Erholung
Im kommenden Jahr werden die Firmen dem Ifo zufolge auch wegen der verbesserten Abschreibungsbedingungen deutlich mehr investieren. Die Aussicht auf die 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung werde zudem den privaten Konsum vorübergehend beleben, auch wenn die Forscher hier noch keine durchgreifende Erholung sehen. „Bei alledem wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nur zögernd bessern, in den Wintermonaten wird die Arbeitslosenzahl voraussichtlich erneut die Fünf-Millionen-Marke überschreiten“, warnen die Forscher.
Vor allem die Investitionen haben angezogen
Noch vor zwei Monaten hatten die sechs führenden Institute in ihrem gemeinsamen Gutachten prognostiziert, daß sich das Wachstum von knapp ein Prozent in diesem Jahr auf lediglich 1,2 Prozent 2006 erhöht. Im Vergleich zur Herbstprognose hätten insbesondere die Investitionen angezogen, sagte Ifo-Chef Sinn. Zudem habe sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutlich verbessert. Das Ifo ist mit seiner neuen Prognose bislang das optimistischste der Institute. Das Kieler IfW erhöhte seine Prognose zuletzt auf 1,5 Prozent, das Essener RWI auf 1,6 Prozent. Das Ifo geht davon aus, daß die Wirtschaft bereits in den letzten drei Monaten 2005 gegenüber dem Vorquartal mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent gewachsen ist.
Vor einem Jahr habe er noch berichten müssen, daß der Boom der Weltwirtschaft weitgehend an Deutschland vorbeigehe, sagte Sinn. „Aber mit einem Jahr Verzögerung überträgt er sich jetzt doch tatsächlich auch auf Europa und Deutschland“. Dank der robusten Weltkonjunktur werde der deutsche Export 2006 um 7,4 Prozent zulegen nach gut sechs Prozent in diesem Jahr. Dadurch dürften die Ausrüstungsinvestitionen um sechs Prozent zunehmen nach fünf Prozent in diesem Jahr.
Keine nachhaltige Besserung auf dem Arbeitsmarkt
Angesichts der schwachen Entwicklung der realen Einkommen werde der private Konsum 2006 jedoch lediglich um 0,3 Prozent zunehmen und damit erneut kaum zum Wachstum beitragen. “Die strukturellen Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt wirken aber weiterhin als Bremsklotz, so daß die günstigere Wirtschaftsentwicklung nicht zu einer nachhaltigen Besserung auf dem Arbeitsmarkt führt“, heißt es in dem Bericht.
Die staatliche Defizitquote wird 2006 den Berechnungen zufolge auf 3,2 von 3,6 Prozent in diesem Jahr sinken. Die Bundesregierung forderte Sinn auf, angesichts der Konjunkturentwicklung noch stärker zu sparen: „Die Situation würde eigentlich eine Tilgung verlangen, mindestens eine deutliche Unterschreitung der Grenze von drei Prozent.“
Die EZB werde erst Mitte 2006 die nächste Zinserhöhung vornehmen. Bei seiner Prognose nimmt das Ifo zudem an, daß der Ölpreis im Jahresschnitt bei 60 Dollar liegt und ein Euro 1,20 Dollar kostet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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