15.08.2006 · Obwohl die deutschen Großhändler im ersten Halbjahr einen überdurchschnittlich hohen Umsatz erzielt haben, warnen sie vor einem Einbruch der Konjunktur.
Die deutschen Großhändler rechnen in den kommenden Monaten mit einem geringeren Wachstum. Nach einem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum im ersten Halbjahr werde sich die Großhandelskonjunktur nun abschwächen, erklärte der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) am Dienstag in Berlin.
Insgesamt werde jedoch in diesem Jahr der Umsatz um nominal 6,6 Prozent und preisbereinigt um 3,6 steigen. Damit hat der BGA seine Prognose erhöht. Zuvor hatten die Großhändler nur einen Anstieg um 4,5 Prozent erwartet. Der Großhandel profitiere von der gegenwärtigen Wachstumsdynamik in Deutschland. Die Branche habe im ersten Halbjahr ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum von nominal 7,8 Prozent und preisbereinigt 4,6 Prozent verzeichnet. Die Branche werde rund 8.000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Kritik an Wirtschafts- und Steuerpolitik
Harsche Kritik übte BGA-Präsident Anton Börner an der Wirtschafts- und Steuerpolitik der Bundesregierung. Vor allem die Mehrwertsteuererhöhung werde 2007 die gerade wieder aufkeimende private Nachfrage in Deutschland abwürgen. „Der Aufschwung reißt 2007 ab“, sagte er.
Auch mit der geplanten Unternehmenssteuerreform ging er hart ins Gericht: „Es ist ökonomisch nicht nachvollziehbar, wenn man in einem Land mit anhaltend niedrigen Wachstumsraten Investitionen verteuert“, sagte Börner mit Blick auf die diskutierte Besteuerung von Kosten wie Zinsen, Mieten und Leasingraten im Zuge der Unternehmenssteuerreform.
Binnennachfrage gibt wieder Impulse
Die Zahlen belegten, daß nach drei Jahren, in denen allein der Außenhandel Impulsgeber für das Wachstum der deutschen Wirtschaft gewesen sei, nun auch die Binnennachfrage dazu beitrage. Erstmals seit langer Zeit haben laut Börner die Beschäftigtenzahlen im Großhandel wieder zugenommen. Im ersten Halbjahr seien 3.600 neue Stellen im Großhandel geschaffen worden, 2.400 davon seien sozialversicherungspflichtig, berichtete Börner.
Insgesamt rechnet der Verband 2006 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent. Im März war der BGA noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent ausgegangen, hatte eine Revision nach oben aber bereits in den vergangenen Monaten angedeutet. Ein Wachstum von 1,8 Prozent im laufenden Jahr sei „ein Aufschwung auf niedrigem Niveau“, so Börner. Er geht davon aus, daß dieser bereits 2007 wieder enden wird: „Wir erwarten nur noch einen BIP-Zuwachs von maximal 1,2 Prozent.“
Export-Prognose für das kommende Jahr schwächer
Die deutschen Exporte werden nach Einschätzung des Branchenverbandes in diesem Jahr um deutlich mehr als zehn Prozent zulegen. Börner, sagte weiter, im kommenden Jahr würden die Ausfuhren dann deutlich unter dieser Marke liegen.
Er erwarte, daß die Leitzinsen in der Euro-Zone bis Ende 2007 um 100 Basispunkte auf vier Prozent steigen würden. Der Euro werde nach seiner Einschätzung bis dahin auf 1,40 bis1,44 Dollar klettern. Der Rohölpreis werde in diesem Jahr kurzfristig sinken und im kommenden Jahr dann wieder deutlich zulegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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