Der Optimismus der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai etwas eingetrübt - aber weniger stark als erwartet. Die rund 7000 vom Ifo befragten Firmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage trotz des starken Euro positiv.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 105,6 Punkte, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte. Damit fiel das Stimmungsbarometer erstmals seit sechs Monaten wieder, nach dem es im April mit 105,9 Punkten auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren gelegen hatte.
Weiterhin insgesamt positive Aussichten
Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Situation noch einmal besser als im Vormonat: Der Lageindex stieg auf 107,3 von 106,4 Punkten. Ihre künftigen Geschäfte beurteilten die Firmen dagegen etwas weniger optimistisch, der Erwartungsindex ging auf 104,0 von 105,5 Punkten zurück.
„An den insgesamt positiven Konjunkturaussichten hat sich damit nichts geändert“, erklärte das Ifo-Institut. “Wir sind derzeit im Zenit des Aufschwungs, das zweite Quartal wird das stärkste“, sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank.
Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt damit gerechnet, daß der Ifo-Index auf 105,0 Punkte sinkt.
Experten bleiben optimistisch
Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe kühlte sich leicht ab, dabei beurteilte dieser Bereich aber seine Geschäftslage erneut besser. Die Exportchancen hätten sich ebenfalls verbessert. Im Großhandel verbesserte sich der Geschäftsklimaindex, im Bauhauptgewerbe und im Einzelhandel blieb er fast stabil.
Heinrich Bayer von der Postbank sprach wegen dieser soliden Branchenentwicklung von einem Aufschwung mit einer breiten Wachstumsbasis. Bei den Erwartungen der Firmen scheine der Höchststand überschritten zu sein. „Das ist aber kein Alarmsignal angesichts des hohen Niveaus“, betonte Bayer: „Es bestätigt unsere Auffassung, daß das erste Halbjahr der Hochpunkt der Konjunktur ist, und es in der zweiten Jahreshälfte eine leichte Abschwächung gibt.“
Positiv äußerte sich auch Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Daß die Erwartungen sich abschwächen, ist nicht verwunderlich bei den hohen Ölpreisen und dem Wechselkurs“, sagte er. „Es sieht nach einem lehrbuchhaften Wendepunkt aus.“ Üblicherweise schwächten sich die Erwartungen zuerst ab, und mit einer Verzögerung von zwei, drei Monaten dann auch die Lageeinschätzung.
