24.02.2004 · Das Konjunkturklima hat sich erstmals seit neun Monaten wieder eingetrübt. Der starke Euro und die Reformmüdigkeit belasten. „Ein Warnschuß für die Konjunktur“, kommentiert Ifo-Präsident Sinn.
Das Konjunkturklima in der deutschen Wirtschaft hat sich erstmals seit neun Monaten wieder eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland sank im Februar von 97,5 auf 96,4 Punkte.
Ausschlaggebend war eine schlechtere Einschätzung der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. Dagegen bewerteten die befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage einen Hauch besser als noch im Januar. Erstmals veröffentlichte das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung den Index für Gesamtdeutschland. Der deutsche Aktienindex Dax gab nach Veröffentlichung der Daten nach; der Euro-Wechselkurs reagierte kaum.
Sinn: Ein Warnschuß
Der Rückgang des Index kam für Konjunkturbeobachter überraschend; sie hatten laut Umfragen mit einem kleinen Plus gerechnet. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte, der Aufschwung setze sich "mit achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit" fort. Er sprach von einem "Warnschuß für die Konjunkturentwicklung" und bezeichnete es als "um so wichtiger, den Investoren Vertrauen in die Fortführung der Reformen zu geben und den Wechselkurs unter Kontrolle zu halten". Gegebenenfalls müsse die Europäische Zentralbank (EZB) an den Devisenmärkten intervenieren, um eine übertriebene Aufwertung des Euro zu verhindern.
Clement mahnt EZB
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) warnte davor, durch Diskussionen etwa über Reformrücknahmen das „aufkeimende Konjunkturpflänzchen“ zu gefährden. Clement sagte, der Dämpfer bei den Geschäftserwartungen sei eine klare Aufforderung an die EZB, "der Konsequenz ihrer Währungspolitik höchste Aufmerksamkeit zu widmen".
Nach Angaben des Ifo-Instituts hat der starke Euro wie schon im Januar in den Exporterwartungen Spuren hinterlassen. Es überwögen aber noch deutlich die positiven Meldungen, hieß es.
Volkswirte von privaten Banken erklärten den Rückgang der Erwartungen auch mit der Diskussion um eine Reformmüdigkeit der Bundesregierung. Schon der ZEW-Konjunkturerwartungsindex für Februar hatte gezeigt, daß der angekündigte Rücktritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder vom Parteivorsitz der SPD die Konjunkturhoffnungen belastet hat.
Volkswirte: Korrektur übertriebener Erwartungen
Überwiegend bewerteten Bankvolkswirte den Fall der Ifo-Geschäftserwartungen von 102,9 auf 100,4 Punkte als Korrektur einer übertrieben optimistischen Stimmung, die Rekordhöhen erreicht hatte. Noch zeige sich die konjunkturelle Entwicklung stabil, lautete der Tenor. Der Rückgang sei aber eine Warnung, daß der Erholung der Dampf ausgehen könnte, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, forderte die Politik auf, den Reformkurs unbeirrt und konsequent fortzusetzen.
Die rund 7000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen benoteten die aktuelle Lage marginal besser. Die Lagekomponente stieg von 97,5 auf 97,6 Punkte. Sie fällt nach Meinung von Ifo-Chef Sinn "noch unbefriedigend" aus. Die Ökonomen der Commerzbank betonten, angesichts der guten Daten zu den Neuaufträgen und zur Produktion sei es erstaunlich, daß die Lage nicht besser bewertet würde.
Das Geschäftsklima verschlechterte sich im Februar leicht im Bauhauptgewerbe, stärker im Verarbeitenden Gewerbe und stark im Großhandel. Der Einzelhandel verzeichnete dagegen gegenüber Januar eine Verbesserung, gestützt durch eine bessere Beurteilung der Lage.
Das Ifo-Institut hat den Geschäftsklimaindex erstmals für Gesamtdeutschland veröffentlicht. Die Konjunkturschwankungen zwischen und neuen Ländern seien dafür nun gleichartig genug, heißt es. Der gesamtdeutsche Index zeigt kaum Abweichungen von der Reihe für Westdeutschland, die bisher von den Finanzmärkten stark beachtet wurde. Das Ifo-Institut erstellt aber nach wie vor mit Verspätung auch Reihen für West und Ost. Von Februar an berechnet das Institut zudem die Geschäftsklimaindizes auf Basis des Jahrs 2000 statt bisher 1991.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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