25.10.2006 · Dreimal trübte es sich ein, nun hellt es sich auf: das Konjunkturklima der deutschen Wirtschaft. Auch andere Euro-Staaten melden gute Umfragedaten. Die Wahrscheinlichkeit steigt, daß die EZB auch 2007 die Zinsen anheben wird.
Das Konjunkturklima in den deutschen Unternehmen hat sich aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft sei im Oktober von 104,9 auf 105,3 Punkte gestiegen, teilte das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München am Mittwoch in München mit. Es war der erste Anstieg seit Juli. Volkswirte und Analysten hatten mehrheitlich einen leichten Rückgang erwartet.
Die vom Ifo-Institut befragten rund 7000 Unternehmen schätzten die aktuelle Wirtschaftslage abermals etwas besser ein als zuvor. Zum ersten Mal seit Juli werteten sie auch die Zukunftsaussichten wieder günstiger. Nach Einschätzung von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sprechen die Ergebnisse der Umfrage dafür, daß der Konjunkturaufschwung sich trotz der Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr fortsetzen werde.
Die Kurse für zehnjährige deutsche Staatsanleihen gaben nach der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex deutlich nach. Zugleich gewichteten die Händler am europäischen Geldmarkt die Wahrscheinlichkeit höher, daß die Europäische Zentralbank (EZB) auch im ersten Quartal des kommenden Jahres den Leitzins im Euro-Raum anheben wird.
Gute Umfragewerte aus anderen Euro-Staaten
Dazu trug bei, daß in anderen wichtigen Staaten der Währungsunion die Umfrageindikatoren im Oktober ein positives Konjunkturbild zeichneten. In Frankreich, dem nach Deutschland zweitgrößten Staat im Euro-Raum, stieg der Klimaindikator für das verarbeitende Gewerbe; vor allem verbesserten sich hier die Produktionserwartungen der Unternehmen. In den Niederlanden verbesserte das Geschäftsklima sich abermals und erreichte den höchsten Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1985. In Italien und in Belgien gab das Geschäftsklima in der Industrie dagegen nach.
In Deutschland hellte sich im Oktober die Stimmung vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel auf, wie die Branchendetails der Ifo-Umfrage zeigen. Zusammen mit den gut gefüllten Auftragsbüchern im verarbeitenden Gewerbe und den abermals besseren Exporterwartungen deutet dies darauf hin, daß der Aufschwung nach wie vor überwiegend von der Industrie getragen wird. Im Baugewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima leicht.
Die Stimmung der Einzelhändler - und in der separaten Ifo-Umfrage - auch der Dienstleister dagegen verschlechterte sich, als Folge vor allem deutlich eingetrübter Zukunftsaussichten für die kommenden sechs Monate. Der Teilindex für den Einzelhandel liegt mittlerweile wieder so niedrig wie im Januar 2006. Offensichtlich fürchten die Händler die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresbeginn 2007, während sie über ein aktuell besser laufendes Geschäft berichteten. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts spielen bei dem derzeit besseren Einzelhandelsgeschäft auch vorgezogene Käufe eine Rolle, weil die Konsumenten der Mehrwertsteuererhöhung entgehen wollen.
Weber dringt auf Zinserhöhung 2007
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigte sich erfreut über das gestiegene Geschäftsklima. Der Zuwachs zeige, „daß die dämpfenden Effekte der Umsatzsteuererhöhung Anfang 2007 weniger stark sein werden als von einigen Seiten erwartet wird“, erklärte Glos in Berlin. Ifo-Volkswirte sprachen von einem „robusten Aufschwung“. Die deutsche Wirtschaft werde mit viel Schwung in das kommende Jahr gehen. Sie empfahlen der EZB, nach der allseits erwarteten Zinserhöhung von 3,25 auf 3,5 Prozent im Dezember eine Pause einzulegen. Bundesbankpräsident Axel Weber deutete indes in einem Gespräch mit der Zeitung „Tagesspiegel“ an, daß weitere Zinserhöhungen 2007 möglich sind. Die Konjunktur stehe zunehmend auf eigenen Beinen, sagte Weber. „Wir müssen uns deshalb fragen: Ist die derzeitige Stimulierung der Konjunktur durch die Geldpolitik 2007 noch notwendig?“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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