20.10.2008 · Das chinesische Wirtschaftswachstum hat sich auch im dritten Quartal und damit zum fünften Mal in Serie abgeschwächt. Seit Anfang des Jahres summiert sich das Wachstum auf lediglich 9,9 Prozent. Damit steuert die Wirtschaft der Volksrepublik auf das schwächste Jahr seit 2002 zu.
Die chinesische Regierung hat nach einer weiteren Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik wachstumsfreundliche Maßnahmen im Sinne einer „aktiven“ makroökonomischen Politik angedeutet. Damit soll den Folgen der weltweiten Finanzkrise begegnet werden, die für einen überraschend starken Rückgang der Wachstumsrate im dritten Quartal gesorgt hat.
Die Regierung veröffentlichte am Montag die Daten zum dritten Quartal. Demnach ist das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum fünften Mal in Folge zurückgegangen. Die Wirtschaftsleistung Chinas wuchs von Juli bis September um 9,0 Prozent im Vergleich
zum Vorjahr. Im zweiten Quartal war ein Anstieg von 10,1 Prozent ermittelt worden. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten für das dritte Quartal mit einem Plus von 9,5 Prozent gerechnet. Bis September erwirtschaftete das Land einen Zuwachs von 9,9 Prozent im Vergleich mit den ersten neun Monaten 2007.
Geldpolitische Maßnahmen angekündigt
„China muss eine aktive und umsichtige makroökonomische Politik betreiben“, sagte Li Xiaochao, Sprecher der nationalen Statistikbehörde. „Wir haben immer noch Raum für Anpassungen, seien sie steuerlicher, geldpolitischer oder industriepolitischer Natur“, fügte Li hinzu.
Die Einlassungen des Beamten scheinen die Haltung der Regierung zu konkretisieren, die seit Juli von einer „flexiblen“ Politik spricht, nachdem die Finanzkrise zunehmend Auswirkungen auf das weltweite Wachstum zeigte. Das bisher letzte Mal, als China eine „aktive“ Wirtschaftspolitik unternahm, war zu Zeiten der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre.
Chinas von schwachem Außenhandel getroffen
herman Chan, Volkswirt bei Moody's Economy.com, erwartet ein schwieriges Jahr für die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. „Die nächsten zwölf Monate werden nicht leichter. Das Schlimmste kommt noch, da noch mehr Länder den Vereinigten Staaten in die Rezession
folgen werden“, prognostiziert er.
Auch Jing Ulrich, Direktorin bei J.P. Morgan, rechnet wegen der Schwäche der Industrienationen mit Auswirkungen auf das chinesische Wachstum. „Das BIP-Wachstum wird sich auf eine Spanne von 8 Prozent bis 9 Prozent statt 11 Prozent bis 12 Prozent ermäßigen“, sagt sie und erwartet stimulierende Maßnahmen der Regierung. „China wird sich zunehmend auf die Ankurbelung der Inlandsnachfrage konzentrieren, da der Beitrag des Außenhandels zum Wachstum schwindet.“
Wang Yingfeng, Analyst bei Shanghai Securities, kalkuliert bereits mit einer Zinssenkung. „China ist in einen Zinssenkungszyklus eingetreten. Die heutigen Daten könnten die Erwartung für weitere geldpolitische Erleichterungen verstärken“, sagte Wang. Zumal der Inflationsdruck nachlasse. Die Verbraucherpreise lagen im September 4,6 Prozent über dem Vorjahresniveau, was den fünften Monat in Folge einen Rückgang der Teuerungsrate bedeutet. Die Produzentenpreise erhöhten sich um 9,1 Prozent und verzeichneten damit zum ersten Mal seit 13 Monaten ein Verlangsamung des Anstiegs.
Anreizprogramm und Steuernachlässe
Die Regierung in Peking hat bereits am Sonntagabend ein Anreizprogramm für die Immobilienwirtschaft im vierten Quartal angekündigt sowie weitere Steuernachlässe für die Ausfuhren von Schlüsselindustrien. Der Sprecher der Statistikbehörde wiederholte am
Montag das Bekenntnis der Regierung zur Ausweitung heimischer Investitionen, vor allem in den Ausbau der Infrastruktur.
Für 2008 erwartet China ein Wachstum von 9,5 Prozent, das sich 2009 auf über acht Prozent weiter reduzieren dürfte. 2007 lag der Zuwachs noch bei 11,9 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung Chinas in diesem Jahr erstmals das deutsche Bruttoinlandsprodukt übertreffen wird.
War das nicht immer ihr Ziel?
Chan Fei Yung (smileface)
- 20.10.2008, 15:03 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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