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Konjunktur F.A.Z.-Konjunkturindikator steigt kräftig

07.09.2005 ·  Die Zeichen für eine Erholung der deutschen Konjunktur mehren sich. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator ist im Juli um 1,6 Prozent auf 105,2 Punkte gestiegen. Die Industrieunternehmen produzierten deutlich mehr.

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Die Zeichen für eine Erholung der deutschen Konjunktur mehren sich. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator ist im Juli um 1,6 Prozent auf 105,2 Punkte gestiegen. Das ist der größte Anstieg in einem Monat seit mehr als viereinhalb Jahren. Das Niveau im Vorjahr übertraf der Indikator um 2,9 Prozent.

Auch das produzierende Gewerbe hat sich im Juli gut entwickelt. Nach vorläufigen Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums stieg die Produktion, um saisonale Effekte und um die Inflation bereinigt, spürbar um 1,2 Prozent, nach einem Plus von 1,6 Prozent im Juni.

Kieler Institut setzt Prognose für 2006 herab

Doch bestehen angesichts des hohen Ölpreises Zweifel, wie lange die Erholung andauert und wie stark sie sich entfalten wird. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) setzte am Mittwoch seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von 1,3 auf 1,1 Prozent herab. Für dieses Jahr behielt das Institut seine Prognose von 0,7 Prozent bei. Das IfW unterstellt einen dauerhaft hohen Ölpreis von 65 Dollar je Barrel (159 Liter).

Investitionsgüterproduktion steigt

Maßgeblich für den Zuwachs der Produktion im Juli war ein Plus von 1,2 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe. Im Bauhauptgewerbe und im Energiebereich veränderte die Produktion sich nur minimal. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Juni/Juli gegenüber April/Mai zeigt sich, daß die Aufwärtsentwicklung alle Industriebereiche erfaßt hat. Die Hersteller von Investitionsgütern meldeten den höchsten Zuwachs von 3 Prozent. Arbeitstäglich bereinigt, erzeugte das produzierende Gewerbe im Juli 3,2 Prozent mehr Waren als vor einem Jahr. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, der Aufwärtstrend in der Industrieproduktion werde sich im Jahresverlauf fortsetzen.

„Nicht in Euphorie verfallen“

Der kräftige Anstieg des F.A.Z.-Indikators gründet vor allem im starken Auftragsplus im Juli (Industrieaufträge auf Rekordniveau). Zudem hatte die Stimmung in der Wirtschaft sich verbessert; die Aktienkurse zogen an. Dies deutet nach Einschätzung des IfW, das den Indikator für diese Zeitung berechnet, darauf hin, daß die Konjunktur sich im zweiten Halbjahr aufwärts bewegen werde. "Man darf wegen des Indikatoranstiegs aber nicht in Euphorie verfallen", sagte IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. Der Ölpreisanstieg nach dem Wirbelsturm Katrina und das zuletzt wieder eingetrübte Konjunkturklima seien von dem Indikator noch nicht erfaßt.

In seiner aktualisierten Konjunkturprognose erwartet das Institut, daß das deutsche Wirtschaftswachstum nach der Stagnation im zweiten Quartal 2005 sich bis in den Sommer 2006 hinein beschleunigen und dann nachlassen werde. Das exportlastige Wachstum dürfte von der Erholung im Rest des Euro-Raums profitieren. Die Binnenwirtschaft komme kaum voran. Doch rechnen die Ökonomen mit einer Erholung der Ausrüstungsinvestitionen.

Unionspläne helfen Beschäftigung nicht

Das Institut unterstellt bei der Prognose, daß nach der Bundestagswahl eine schwarz-gelbe Koalition regieren werde. Auf Basis der Programmaussagen der Parteien ziehen die Ökonomen den Schluß, daß unter anderen Koalitionen die Konjunktur bis 2006 nur wenig schwächer ausfallen werde. Die von der Union geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten niedrigerer Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werde kaum zu mehr Beschäftigung führen, weil die Steuer auf den Arbeitseinsatz entgegen der verbreiteten Meinung kaum verringert werde. Doch sollte eine solche Reform die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportunternehmen stärken (Zweifel an Unionsplänen: Höhere Preise und weniger Kaufkraft).

Quelle: pwe. / F.A.Z., 08.09.2005, Nr. 209 / Seite 11
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