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Konjunktur EU-Osterweiterung: "Halb so wild"

 ·  Billiglohnkonkurrenz, erhöhter Wettbewerbsdruck, Zwang zur Verlagerung der Produktion: Als vor gut einem Jahr zehn neue Staaten der EU beitraten, befürchteten viele das Schlimmste - doch es kam anders.

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Billiglohnkonkurrenz, erhöhter Wettbewerbsdruck, Zwang zur Verlagerung der Produktion nach Osten: Als vor gut einem Jahr zehn neue Staaten der Europäischen Union beitraten, befürchteten nicht nur viele Arbeitnehmervertreter, sondern auch Teile der deutschen Wirtschaft das Schlimmste.

Wer die derzeitige deutsche Diskussion über die angeblichen Folgen der Erweiterung verfolgt, muß den Eindruck bekommen, die damaligen Befürchtungen hätten sich mehr als bestätigt. Doch in Wirklichkeit ist offenbar das Gegenteil der Fall: Die deutschen Unternehmen jedenfalls sehen die Folgen der Erweiterung mittlerweile deutlich gelassener als vor einem Jahr.

Auswirkungen auf Wettbewerb weniger stark als erwartet

Zu diesem Befund kommt das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einer Sonderauswertung von zwei seiner Konjunkturumfragen in diesem Frühjahr. Das IW hat darin über 1.000 Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit der Erweiterung befragt.

Das zentrale Ergebnis lautet: Die Erweiterung hat sich - im Positiven wie im Negativen - weniger stark auf die Wettbewerbsposition der Unternehmen ausgewirkt als erwartet. Viele damals gehegte Befürchtungen waren unberechtigt. "Die populistischen Argumente gegen eine Öffnung der EU, die derzeit gerade in Deutschland beliebt sind, stehen auf einem wackeligen empirischen Fundament", sagt IW-Direktor Michael Hüther. "Wir täten deshalb gut daran, die wirtschaftlichen Folgen der Erweiterung etwas nüchterner zu betrachten." Hüther räumt indes ein, daß nicht nur die deutsche Wirtschaft die Gefahren der Erweiterung überschätzt habe. "Die Ergebnisse haben uns selbst überrascht."

Rationalisierungsdruck geringer als befürchtet

Besonders deutlich hat sich in den Unternehmen die Einschätzung des Rationalisierungsdrucks geändert, der von der Erweiterung ausgeht. Hatte vor einem Jahr noch ein rundes Drittel einen stärkeren Druck erwartet, berichten jetzt nur knapp 20 Prozent davon, daß sich der Rationalisierungsdruck erhöht hat. Fast die Hälfte der Unternehmen sagt dagegen, sie seien durch die Erweiterung nicht zu Rationalisierungen gezwungen.

Ähnlich berichten die Firmen über ihre Erfahrungen mit dem Konkurrenzdruck durch den Import von Gütern aus Mittel- und Osteuropa. Vor einem Jahr sprach ein rundes Drittel der Unternehmen davon, dieser Druck werde stark zunehmen. Auch diese Befürchtung hat sich relativiert. Nur 15 Prozent der befragten Firmen berichten von gestiegenem Konkurrenzdruck durch Importe, mehr als die Hälfte berichtet, dieser habe sich seit der Ost-Erweiterung nicht verändert.

Nur geringer Teil profitiert von Nachfrage aus neuen EU-Ländern

Dieses Ergebnis scheint einer anderen, ebenfalls in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu widersprechen. Die DIW-Ökonomen berichten von einem deutlichen Zuwachs des Imports der "alten" EU-Staaten aus den beigetretenen Ländern. Das DIW fügt indes hinzu, daß dies vor allem Ausdruck der bereits seit längerem wachsenden realwirtschaftlichen Verflechtung von "alten" und "neuen" EU-Staaten ist. Auch die Ausfuhr aus den 15 bisherigen Mitgliedstaaten in die zehn neuen ist gestiegen.

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Eine Kurzfassung der IW-Ergebnisse ist abrufbar unter http://www.iwkoeln.de/Publikationen/frs_publikationen.htm.

Quelle: wmu., F.A.Z., 24.05.2005, Nr. 118 / Seite 27
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