11.09.2007 · Die Finanzmarktkrise kratzt den soliden Wirtschaftsaufschwung in Europa an. Auch für Deutschland hat die EU ihre Prognosen leicht nach unten korrigiert. Bundesfinanzminister Steinbrück warnte aber davor, die Lage zu „dramatisieren“.
Die Finanzmarktkrise kratzt den soliden Wirtschaftsaufschwung in Europa an: Die EU-Kommission korrigierte ihre Konjunkturvorhersage für 2007 leicht nach unten und erwartet Auswirkungen für die Wirtschaft besonders im kommenden Jahr. Während Deutschland im laufenden Jahr einigermaßen unbeschadet davonkommt, wächst die französische Wirtschaft viel langsamer als erwartet, sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia am Dienstag in Brüssel. „Wir halten uns in einer Umgebung steigender Unsicherheit auf“, warnte der Spanier.
Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die gegenwärtigen Turbulenzen an den weltweiten
Finanzmärkten als ernst eingestuft. „Dennoch sollten wir die Lage nicht dramatisieren“, schränkte Steinbrück am Dienstag zum Auftakt der Haushaltsberatungen im Deutschen Bundestag ein. Die deutsche Volkswirtschaft sei weiter in guter Verfassung. Auch die deutsche Exportwirtschaft sieht die derzeitige Kreditkrise gelassen.
Prognose für Deutschland nach unten korrigiert
Almunia sagte für Deutschland ein Wachstum von 2,4 Prozent vorher, das sind 0,1 Punkte weniger als noch im vergangenen Mai angenommen. Die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn habe nicht dauerhaft auf das Wachstum gedrückt. Für Frankreich erwartet er nur noch ein Plus von 1,9 Prozent statt 2,4 Prozent. „Das ist ein negativer Schock“, bilanzierte Almunia. Frankreich habe im zweiten Quartal sehr schlecht abgeschnitten. Die Vorhersage dürfte für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein Schlag ins Gesicht sein - er wollte mit neuen Gesetzen einen neuen Wirtschafts-„Schock“ in seiner Heimat entfachen.
Für den Euro-Raum erwartet Brüssel für 2007 Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, für die gesamte EU von 2,8 Prozent. Das sind jeweils 0,1 Punkte weniger als bisher prognostiziert. Almunia will sich erst im November trauen, einen bezifferten Ausblick für das kommende Jahr zu geben. „Das Ganze ist relativ unsicher.“ Es ließ aber durchblicken, dass die bisherigen Annahmen (Euro-Raum: plus 2,5 Prozent; EU plus 2,7 Prozent) wohl nicht mehr zu halten sind. Die Inflation soll im laufenden Jahr in der Euro-Raum bei 2,0 Prozent liegen - etwas höher als bisher erwartet.
Die wirtschaftlichen Grunddaten seien in Europa trotz der Krise aber weiterhin in Ordnung, versicherte der Kommissar. Die EU-Finanzminister wollen an diesem Freitag und Samstag in Porto (Portugal) gemeinsam auf die Krise reagieren, um das Vertrauen der Marktteilnehmer zu stärken. Almunia unterstützte die Forderung von Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach mehr Transparenz der Finanzmärkte: „Wir müssen wissen, wo die Risiken liegen und wer bezahlen muss.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?