20.07.2005 · Die Elektroindustrie hat ihre Wachstumsprognose deutlich von drei auf ein Prozent zurückgeschraubt. Hauptgründe: die Flaute im Inland, nachlassende Dynamik im Ausland und der anhaltende Preisverfall.
Nach einem schwachen ersten Halbjahr erwartet die deutsche Elektroindustrie 2005 nur noch ein kleines Umsatzplus und will weiter Stellen abbauen. „Der Konjunkturzug in unserer Branche hat erneut deutlich an Schwung verloren“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Gotthard Graß, am Mittwoch in Frankfurt.
Wegen des Preisverfalls und der Flaute im Inland senkte der Verband seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von drei auf ein Prozent und rechnet mit 165 Milliarden Euro Umsatz. 2004 war die Elektroindustrie nach drei Jahren Minus erstmals wieder um 5,5 Prozent gewachsen. Nach ZVEI-Einschätzung wird die zweitgrößte deutsche Industriebranche bis zum Jahresende bis zu 7000 Stellen streichen.
Zahl der Mitarbeiter auf niedrigstem Stand seit 1959
Bereits jetzt ist die Mitarbeiterzahl auf den niedrigsten Stand seit 1959 gesunken. Ende 2004 zählte die Elektroindustrie noch 807 000 Beschäftigte, im Mai 2005 waren es nur noch knapp 800 000. Betroffen seien vor allem einfache Tätigkeiten, während qualifizierte Fachkräfte fehlten. „Der Investitionsstau bei der Hochtechnologie- Infrastruktur muss rasch abgebaut werden. Mehrere 10.000 Arbeitsplätze ließen sich so schaffen“, sagte Graß. Die Verlagerung von Produktion ins Ausland spiele dabei nur eine kleine Rolle - dort arbeiten für die deutsche Elektrofirmen rund 450.000 Menschen.
Grund für die schlechte Lage ist nach Verbandsangaben die schwache heimische Nachfrage, aber auch die nachlassende Dynamik im Ausland. Die Umsätze mit inländischen Kunden lagen in den ersten fünf Monaten ein Prozent unter dem Vorjahr und sollen im Gesamtjahr stagnieren. Flachbildschirme, digitale Kameras oder MP3-Player seien gefragt. „Das kann über die allgemeine Tristesse bei den Verbrauchern, über Angstsparen und Geiz-ist-Geil-Mentalität aber nicht hinwegtäuschen“, sagte Graß.
Etwas günstiger im Ausland
Etwas günstiger ist den Angabe zufolge das Bild abermals im Ausland, wo die Orders in den ersten fünf Monaten des Jahres um ein Prozent über dem hohen Vorjahresniveau lagen. Doch nachdem die Hersteller 2004 im Ausland noch zehn Prozent mehr Umsatz gemacht hatten, betrug das Plus in den ersten fünf Monaten nur noch zwei Prozent. Dennoch sei die weltweite Nachfrage nach deutscher Spitzentechnologie sei ungebrochen. Der Weltmarkt für die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie wachse nach wie vor kontinuierlich und werde sich innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln, sagte Graß. Immer mehr Unternehmen der Branche nutzten diese Chancen durch ein entsprechendes Engagement im Ausland. So seien inzwischen knapp 450.000 Mitarbeiter bei Unternehmen der deutschen Elektroindustrie im Ausland beschäftigt.
Nicht zufrieden ist die Branche mit der Ertragslage. „Die hohen Rohstoffpreise belegen die Dramatik der Situation“, sagte der ZVEI- Hauptgeschäftsführer. Bei Hausgeräten seien die Materialpreise binnen Jahresfrist um 20 Prozent gestiegen. Die Hersteller könnten die Kosten aber nicht an die Kunden weitergeben und Preiserhöhungen nur schwer durchsetzen. 2004 erreichte die Umsatzrendite nur noch 2,2 Prozent nach 3,1 Prozent im Vorjahr.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,50 | −0,76% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 105,74 $ | −1,04% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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