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Konjunktur Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt

07.02.2006 ·  Die Lage der Unternehmen in Deutschland scheint sich zu stabilisieren. Das legt die sinkende Zahl von Insolvenzen nahe. Die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen 2005 explodiert dagegen geradezu.

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Immer mehr Unternehmen in Deutschland profitieren vom beginnenden Konjunkturaufschwung: Die Zahl der Firmenpleiten sank im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent auf 37.900. Auch 2006 wird sich die positive Entwicklung nach einer Prognose der Wirtschaftsauskunftei Creditreform fortsetzen. Die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche könne auf bis zu 36.000 sinken, prognostizierten die Experten am Dienstag in Düsseldorf.

An den Verbrauchern geht die Entwicklung allerdings bislang vorbei. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit ließ die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen 2005 geradezu explodieren. Sie stieg um 24,6 Prozent auf 98.400. Im laufenden Jahr könnten nach Schätzungen von Creditreform sogar 110.000 Bundesbürger ihren persönlichen Offenbarungseid leisten.

Entwicklung in Ost und West gegenläufig

Rund 563.000 Arbeitsplätze seien 2005 in Deutschland durch die Firmeninsolvenzen bedroht oder vernichtet worden - 6,9 Prozent weniger als im Vorjahr, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Doch war die Entwicklung in Ost und West gegenläufig. Während die Zahl der Firmenkonkurse in den alten Bundesländern um 4,6 Prozent zurückging, nahm sie in Ostdeutschland - nach zwei Jahren des Rückgangs - nun wieder leicht um 0,1 Prozent zu.

Der Rückgang der Unternehmensinsolvenzen gebe Anlaß zur Hoffnung. Doch sei die Situation noch „sehr instabil“, sagte Creditreform-Vorstand Rödl. Vor allem im Einzelhandel sei die Situation nach wie vor schwierig. Doch könnten hier Vorzieheffekte angesichts der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung in diesem Jahr zusätzlichen Schwung bringen.

Vorbild Irland

Keine Besserung sieht die Wirtschaftsauskunftei weiterhin bei den Privatinsolvenzen. „Geht man davon aus, daß mindestens 3,1 Millionen Haushalte in Deutschland als überschuldet gelten, ist ein Ende der Privatpersoneninsolvenzen auch in Zukunft nicht absehbar“, meinte Rödl.

Schuld an dieser Entwicklung sei nicht zuletzt die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, aber auch die Unfähigkeit mancher Verbraucher, mit dem vorhandenen Geld richtig umzugehen. „Es wäre sicher eine Hilfe, wann man sich schon in der Schule über Betriebswirtschaft eines Haushalts Gedanken machen würde“, meinte Rödl.

Frankreich negativer Spitzenreiter

Im Europavergleich liegt Deutschland mit der Zahl seiner Firmenpleiten im unteren Mittelfeld. Österreich, Frankreich und auch die Schweiz registrierten deutlich mehr Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Belgien, Großbritannien und vor allem Irland deutlich weniger.

Den größten Anteil am europäischen Insolvenzgeschehen hatte im vergangenen Jahr Frankreich mit fast 43.000 Firmenpleiten. Den größten Anstieg der Insolvenzen meldete mit einem Plus von 15,3 Prozent Österreich, den deutlichsten Rückgang Irland. Auf der von einem anhaltenden Wirtschaftsaufschwung verwöhnten, grünen Insel sank die Zahl der Firmenpleiten um 21,5 Prozent auf nur noch 252. Zum Vergleich: Allein die Stadt Mühlheim an der Ruhr verzeichnete im Jahr 2005 insgesamt 240 Unternehmensinsolvenzen.

Bei der Zahl der Privatinsolvenzen, die allerdings nur in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden und der Schweiz erhoben wird, lag Deutschland 2005 europaweit an der Spitze. An zweiter Stelle rangierte Großbritannien. Hier stieg die Zahl der Privatkonkurse um 34,2 Prozent auf knapp 65.000.

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