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Konjunktur Die Stimmung in der Wirtschaft verschlechtert sich spürbar

25.11.2004 ·  Das Geschäftsklima in der Wirtschaft hat sich im November deutlich eingetrübt. Schuld seien unter anderem der Ölpreis, aber auch die Aufwertung des Euro. Der zuletzt sinkende Ölpreis hat die Inflationsrate fallen lassen.

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Das Geschäftsklima in der deutschen gewerblichen Wirtschaft hat sich deutlich eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts fiel von 95,3 Punkten im Oktober auf 94,1 Punkte im November. Der Rückgang war doppelt so stark wie von Analysten erwartet. Zum ersten Mal seit Juni blickten die befragten 7000 Unternehmen nicht nur weniger zuversichtlich in die Zukunft, sondern werteten auch die aktuelle Geschäftslage schlechter. Die Stimmungseintrübung zog sich im November quer durch Europa. Auch in Italien und in Belgien sind die Stimmungsindikatoren der Unternehmen gefallen.

„Das ist noch nicht das Ende des Aufschwungs in Deutschland“, sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb dieser Zeitung. Der Rückgang des Ifo-Index zeige aber, daß die erhoffte Verstärkung des Wachstums „auf wackeligen Füßen“ stehe. Nerb sieht noch keine Notwendigkeit, die Prognose eines Wachstums von 1,5 Prozent im kommenden Jahr herunterzunehmen. Auf kurze Sicht jedoch „sieht es ziemlich schlecht aus“, sagte Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteilung am Kieler Institut für Weltwirtschaft. „Ob das vierte Quartal ein höheres Wirtschaftswachstum bringen wird als das dritte, ist nicht sicher.“ Der sehr hohe Ölpreis im Oktober könne die Auftragsentwicklung verhageln. Im dritten Quartal hatte das Bruttoinlandsprodukt mit einem Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal faktisch stagniert.

Standortprobleme, Ölpreis, Euro

Die Bundesregierung rechnet dennoch mit einem Konjunkturaufschwung. „Die Stagnation ist vorbei. Wir sind auf dem Weg, die Wachstumsschwäche zu durchbrechen. Es geht aufwärts, und es wird weiter aufwärts gehen“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in der Haushaltsdebatte des Bundestages.

Das Ifo-Institut erklärte die eingetrübte Stimmung mit den Standortproblemen, zu denen sich der hohe Ölpreis und die Euro-Aufwertung als Belastungsfaktoren gesellten. Der Außenwert des Euro stieg am Donnerstag erstmals über 1,32 Dollar. Zeitweise wurde die Währung mit 1,3237 Dollar je Euro gehandelt. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn plädierte dafür, daß die Europäische Zentralbank jetzt an den Devisenmärkten interveniere, um die Aufwertung des Euro zu stoppen. „Mit 1,30 Dollar ist eine gewisse Schmerzgrenze erreicht, weil viele Unternehmen ihr Exportgeschäft nicht oder nicht in diesen Kursregionen abgesichert haben“, sagte Nerb.

Wechselkurs kein Grund für Panikmache

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Währungsentwicklung sei derzeit „kein Grund für Panik oder Hysterie“. Doch rechne er mit einem schwächeren Wachstum des deutschen Exports im nächsten Jahr als bislang erwartet. Nach Ifo-Angaben stagnierten die Exporterwartungen der Unternehmen zuletzt. Nerb sagte, in vielen Branchen sehe man schon Bremsspuren.

Ein kleiner Lichtblick in der Ifo-Umfrage ist, daß die Industrieunternehmen ihre Geschäftslage einen Hauch besser einschätzten als zuvor. Ansonsten aber zog sich die Verschlechterung vor allem der Erwartungen durch alle Branchen, mit Ausnahme des Baugewerbes. Besonders im Einzelhandel kühlte das Konjunkturklima nach einer Erholung im Oktober deutlich ab. Das Ifo-Institut erwartet, daß der Einzelhandelsumsatz das dritte Jahr nacheinander sinken wird. Als Folge des Ölpreisanstiegs müssen die Verbraucher nach Berechnung des Statistischen Bundesamts für Heizen und Tanken in diesem Jahr 2,4 Milliarden Euro mehr ausgeben.

Der im Novemberdurchschnitt fallende Ölpreis ließ indes die Teuerungsrate wieder sinken. Nach vorläufigen Angaben des Bundesamts fiel die Inflationsrate im November von 2 auf 1,8 Prozent. Heizöl und Kraftstoffe verbilligten sich nach Berechnungen der Commerzbank gegenüber dem Vormonat um 15 beziehungsweise 5 Prozent.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2004, Nr. 277 / Seite 15
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