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Konjunktur Die Rezession hat Europas Arbeitsmärkte im Griff

02.03.2009 ·  In Spanien, Irland und den baltischen Staaten sind die Arbeitslosenzahlen innerhalb eines Jahres sprunghaft gestiegen. Verlierer sind vor allem junge Leute.

Von Sven Astheimer
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Die globale Wirtschaftskrise schlägt sich immer mehr auf den Arbeitsmärkten einzelner Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) nieder. Vor allem in den ost- und mitteleuropäischen Ländern sowie in Irland, die von der Bankenkrise besonders betroffen sind, sowie in Spanien, das unter dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes leidet, sind die Folgen deutlich aus der Arbeitsmarktstatistik ablesbar. Im Januar waren in der gesamten EU rund 18,5 Millionen Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, knapp 400.000 als vor Jahresfrist, meldet die Statistikbehörde Eurostat.

Am schlechtesten stellt sich die Situation in Spanien dar. Dort kletterte die saisonbereinigte Arbeitslosenquote innerhalb eines Jahres von 9 auf fast 15 Prozent im Januar. Damit bilden die Iberer das Schlusslicht auf dem Kontinent. Noch schlimmer sieht es in Sachen Jugendarbeitslosigkeit aus. Fast jeder dritte Spanier unter 25 Jahren ist als erwerbslos gemeldet. Besserung ist derzeit nicht in Sicht, im Gegenteil: Der Tourismus, neben dem Bau in der Vergangenheit der wichtigste Arbeitgeber, vermeldete laut spanischen Medienberichten im Februar einen Auftragseinbruch um fast 50 Prozent. Mittlerweile ergreift die Regierung ungewöhnliche Maßnahmen. Arbeitsminister Celestino Corbacho schlug in der Tageszeitung „El Mundo“ vor, die Löhne für rund eine Million Staatsdiener, die mehr als 30000 Euro im Jahr verdienen, einzufrieren.

In 19 der 27 EU-Länder stieg die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr

Auch die baltischen Staaten bekommen die Wirtschaftskrise in rapide steigenden Arbeitslosenzahlen zu spüren. Lettlands Quote hat sich innerhalb eines Jahres auf 12,3 Prozent verdoppelt, in Litauen war der Anstieg noch stärker, und in Estland legte sie um knapp 6 Punkte auf fast 15 Prozent zu. In Ungarn, das nur mit Mitteln des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Staatsbankrott abwenden konnte, verloren ebenfalls deutlich mehr Menschen ihre Arbeit.

Im Durchschnitt aller 27 EU-Mitgliedsländer stieg die Arbeitslosenquote innerhalb eines Jahres um einen Prozentpunkt auf 7,6 Prozent. Für die 16 Staaten des Euro-Raums betrug der Mittelwert 8,2 Prozent (Vorjahr: 7,3 Prozent).

In sechs Ländern sank allerdings während des Betrachtungszeitraums die Arbeitslosigkeit. Zu dieser Gruppe gehört auch Deutschland mit einem Rückgang von 0,4 Punkten auf 7,3 Prozent. Dieser Wert weicht deutlich von den 8,3 Prozent ab, welche die Bundesagentur für Arbeit für den Januar ausgewiesen hat. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Methodik: Während die deutsche Bundesbehörde registrierte Arbeitslose zählt, dabei aber etwa Rentner oder Studenten ausblendet (stille Reserve), erhebt Eurostat die Zahlen nach einem normierten Berechnungsverfahren durch die nationalen Statistikämter, um eine vergleichbare Basis zu haben. In Deutschland führt das Statistische Bundesamt monatlich eine Umfrage durch, auf deren Basis dann die Erwerbslosigkeit auf das Land hochgerechnet wird. Die beste Entwicklung weist in Europa der einstige Problemfall Polen auf, das sich mittlerweile mit einer Quote von nur noch 6,7 Prozent weit nach vorne gearbeitet hat.

In 19 Ländern stieg die Arbeitslosigkeit dagegen. Auch ein Vollbeschäftigungsland wie Dänemark musste einen deutlichen Zuwachs auf 4,3 Prozent hinnehmen. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Skandinavier den Kündigungsschutz abgeschafft haben. Anpassungsprozesse an einen plötzlichen Auftragsrückgang finden dort ähnlich wie in den Vereinigten Staaten von Amerika relativ schnell statt. Auch in Irland, das für seinen jahrelangen wirtschaftlichen Aufstieg als „keltischer Tiger“ bezeichnet wurde, machte sich der Zusammenbruch von Banken und Immobilienmarkt bemerkbar. Die Arbeitlosigkeit verdoppelte sich nahezu auf 8,8 Prozent, fast jeder fünfte Jugendliche ist betroffen. Eine ähnliche Entwicklung ist für Großbritannien zu erwarten, allerdings liegen hier erst Zahlen für den November vor (6,2 Prozent). Italien und Rumänien erheben die Arbeitslosenzahlen sogar nur vierteljährlich, derzeit sind nur die Daten für das dritte Quartal 2008 aufbereitet.

Subventionierte Arbeitszeitreduzierung

Die Niederlande, neben Dänemark in den vergangenen Monaten stets mit Bestnoten, konnten mit 2,8 Prozent ihren Spitzenplatz behaupten. Niederländische Arbeitnehmer sind noch stärker als ihre deutschen Kollegen durch ein restriktives Arbeitsrecht vor Kündigungen geschützt. Überhaupt verzerren Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik die Statistik. In Deutschland werden derzeit Hunderttausende durch eine subventionierte Arbeitszeitreduzierung in Form der Kurzarbeit vor dem Gang zur Arbeitsagentur bewahrt. Allein für den Februar werden bis zu 670.000 Anmeldungen zur Kurzarbeit erwartet. Ähnliche Instrumente, die helfen sollen, die Personalkosten rasch zu reduzieren, sind auch in einigen europäischen Nachbarländern vorhanden, wie aus einer Aufstellung der international tätigen Wirtschaftsberatung und Steuerkanzlei Rödl und Partner hervorgeht.

In Frankreich unterliegt Kurzarbeit ähnlichen Voraussetzungen wie in Deutschland. Allerdings erfolgt der Lohnausgleich durch den Staat nicht anteilig am Lohn, sondern nach einem festgelegten Stundensatz. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte vor kurzem erst eine Erhöhung angekündigt. In Spanien können Arbeitsverträge befristet ausgesetzt werden, die Geldleistungen werden jedoch eventuell später mit dem Arbeitslosengeld verrechnet. Das „short-time working“ in Großbritannien sieht ebenfalls gesetzlich garantierte Ausfallzahlungen vor.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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