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Konjunktur Die Deutschen sparen mehr, aber immer noch weniger als früher

28.10.2004 ·  Von „Angstsparen“ sprechen manche und klagen über den schwachen Konsum. Die DZ Bank hat die hohe „gefühlte Sparquote“ untersucht. Danach sparen die Deutschen weniger als in früheren Jahrzehnten.

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Von „Angstsparen“ sprechen manche Politiker und klagen über den schwachen Konsum der privaten Haushalte. Die meisten Ökonomen verweisen dagegen darauf, daß die Deutschen bewußt und rational ihren Verbrauch einschränken, um für schlechte Zeiten vorzusorgen. Tatsache ist, daß die Sparquote der Deutschen von 9,7 Prozent im Jahr 1999 stetig gestiegen ist und in diesem Jahr 11 Prozent erreichen könnte. Die Volkswirte der DZ Bank machen nun aus Anlaß des Weltspartags an diesem Freitag in einer Studie darauf aufmerksam, daß eine Sparquote von 11 Prozent im historischen Vergleich ausgesprochen niedrig ist.

Anfang der neunziger Jahre sparten die Deutschen 13 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. In den siebziger und achtziger Jahren schwankte die westdeutsche Sparquote um 14 Prozent und erreichte 1976 ihren Höhepunkt mit 16,2 Prozent. Aus statistischen Gründen liegen diese Werte im Niveau ein wenig höher als die Werte von 1990 an. Das ändere aber an der Grundaussage nichts, erklärt Michael Stappel von der DZ Bank. Nur in den fünfziger und frühen sechziger Jahren hätten die Westdeutschen weniger als derzeit zurückgelegt - und dennoch breite sich der Eindruck einer hohen „gefühlten Sparquote“ aus.

Die Sparleidenschaft folgt den Zinsen

Auf der Suche nach Erklärungen stellt Stappel fest, daß die Entwicklung der Sparquote seit Mitte der sechziger Jahre eng mit der Entwicklung der Zinssätze zusammenhängt, mißt man diese an der Umlaufsrendite festverzinslicher Wertpapiere. In den frühen Jahrzehnten der Bundesrepublik sei dieser Zusammenhang schwach gewesen, weil die Einkommen der privaten Haushalte damals noch relativ niedrig waren und zur Abdeckung der Grundbedürfnisse benötigt wurden. So konnte kaum gespart werden. Seither aber sind die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte stark gestiegen und liegen heute bei knapp 4 Billionen Euro. Ein Renditeplus um einen Prozentpunkt bringe ein zusätzliches Vermögenseinkommen von fast 40 Milliarden Euro im Jahr oder 26 Prozent der letztjährigen Ersparnis der privaten Haushalte von 151,3 Milliarden Euro. Die DZ Bank nimmt das als ein Indiz, daß Sparentscheidungen weitgehend vom Zinsniveau abhängen. Das seit Mitte der neunziger Jahre niedrige Zinsniveau erkläre die im historischen Vergleich niedrige Sparquote.

Sparen aus Vermögenseinkommen ...

In Zeiten eines normalen Zinsniveaus könnten die Deutschen ihre Ersparnis sogar fast vollständig mit Einkommen aus Geldvermögen bestreiten, heißt es. Dazu verweist die DZ Bank auf 1994. Damals lag das Zinsniveau mit 6,7 Prozent fast auf dem Durchschnitt der vergangenen 49 Jahre. Die Vermögenseinkommen erreichten 10,2 Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte und lagen kaum unter der damaligen Sparquote von 11,6 Prozent.

... oder dem Arbeitseinkommen

Seit dem Jahr 2000 ist das Zinsniveau indes von 5,4 auf rund 3,8 Prozent im ersten Halbjahr 2004 gefallen; die Vermögenseinkommen sanken und die Sparquote stieg dennoch. Offensichtlich sparten die Deutschen aus Sorge um den Arbeitsplatz und zur Absicherung unter anderem der Altersvorsorge vermehrt aus Arbeitseinkommen, folgert die DZ Bank. Der Unterschied zwischen der tatsächlich niedrigen und der hohen „gefühlten Sparquote“ erkläre sich wohl damit, daß die Ersparnis aus laufendem Einkommen stärker als Einschränkung empfunden werde als die Ersparnis aus Vermögenseinkommen.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2004, Nr. 253 / Seite 14
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