11.05.2006 · Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres wieder gewachsen. Die 0,4 Prozent erfüllen die Erwartungen indes nicht. Im Euro-Raum verbreitert sich die Wachstumsbasis.
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres gewachsen und wird offensichtlich zunehmend von der Binnenwirtschaft angetrieben.
Nach der Stagnation im Jahresschlußquartal 2005 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Januar und März um saisonale Effekte bereinigt knapp 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das zeigt eine Schnellschätzung des Statistischen Bundesamts. In der Europäischen Währungsunion beschleunigte das Wachstum sich im ersten Quartal von 0,3 auf 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Wirtschaftsleistung lag 2 Prozent höher als vor einem Jahr.
Investitionen und Konsum
In Deutschland trugen neben dem Außenhandel auch die binnenwirtschaftlichen Aufschwungkräfte wie Investitionen und der private Konsum zum Wachstum bei, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Wirtschaftsleistung wurde von 38,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht, 55000 oder 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Detailangaben zu den Wachstumskomponenten werden die Statistiker erst am 23. Mai veröffentlichen.
Die wirtschaftliche Beschleunigung in Deutschland fiel mit 0,4 Prozent schwächer aus als von Bankvolkswirten mehrheitlich mit 0,6 Prozent erwartet. Manche Volkswirte verwiesen darauf, daß die moderate Wirtschaftsenwicklung mit den zuletzt extrem guten Ergebnissen von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklimaindex nicht Schritt halte. Im ersten Quartal hatte der kalte und lange Winter die Bauwirtschaft spürbar beeinträchtigt. Viele Volkswirte erwarten, daß diese Verluste im zweiten Quartal aufgeholt werden, so daß das Wachstum sich weiter beschleunigen dürfte.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, dämpfte indes im Gespräch mit dieser Zeitung übertriebene Erwartungen: "ANTWORT: Ich persönlich wäre froh, wenn wir am Ende des Jahres die von der Regierung prognostizierten 1,6 Prozent erreichen." Manche Volkswirte hatten in den vergangenen Wochen ihre Wachstumsprognosen auf 2 Prozent und mehr heraufgesetzt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte, die Daten stützten die Wachstumsprognose der Regierung. Der Einstieg in das Jahr 2006 sei gut gelungen. "Die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird zunehmend durch positive Daten untermauert", sagte Glos.
Euro-Wirtschaft wächst 0,6 Prozent
Im Euro-Raum scheint sich derweil die Wachstumsbasis zu verbreitern. Stärker noch als die deutsche Wirtschaft belebte sich zum Jahresbeginn die italienische Wirtschaft. Nach der Stagnation im vierten Quartal 2005 meldeten die Statistiker nun einen Zuwachs von 0,6 Prozent. Unter den kleineren Euro-Staaten, für die schon Angaben vorliegen, schwächte das Wachstum sich in den Niederlanden, in Österreich und in Finnland deutlich ab. Im gesamten Euro-Raum wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal stärker als die derzeitigen Schätzungen des mittelfristigen Produktionspotentials.
Die Europäische Zentralbank bekräftigte im Monatsbericht für Mai ihre Zuversicht eines andauernden Wirtschaftswachstums. Erstmals veröffentlichte die Bank eine Untersuchung zum Kapitalstock im Euro-Raum. Danach haben seit dem Jahr 2003 die Investitionen in Kapazitätserweiterungen moderat zugenommen. Dies unterstütze den positiven Konjunkturausblick für den Euro-Raum, hieß es.
Die deutsche Wirtschaftsleistung lag zum Jahresbeginn 2,9 Prozent höher als vor einem Jahr. Der außergewöhnlich kräftige Zuwachs gründet darin, daß drei Arbeitstage mehr zur Verfügung standen als vor einem Jahr. Um diese Kalendereffekte bereinigt, lag das BIP 1,4 Prozent höher. Nach leichten Revisionen setzten die Statistiker zudem die Wachstumsrate für das vergangene Jahr von 0,9 auf 1 Prozent herauf.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,79 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 105,77 $ | −1,01% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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