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Konjunktur Die deutsche Wirtschaft wächst so stark wie zuletzt vor vier Jahren

12.05.2005 ·  Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten 2005 so kräftig gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Außenhandel läuft gut, die Binnennachfrage schrumpft. Ökonomen erwarten eine Abschwächung.

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Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres so kräftig gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorquartal um ein Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mit. Im Jahresschlußquartal 2004 war die gesamtwirtschaftliche Erzeugung noch um 0,1 Prozent geschrumpft.

Volkswirte privater Banken waren vom Ausmaß des Wachstums, das doppelt so hoch ausfiel wie allgemein erwartet, völlig überrascht. Einhellig warnten sie aber, daß in den kommenden Monaten eine deutliche Verlangsamung des Wachstums bevorstünde.

Leben vom Außenhandel

Nach Angaben der Statistiker lebte die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal ausschließlich vom Außenhandel. Der Export sei kräftig gestiegen, während der Import fiel. Der Außenbeitrag habe so ein deutliches Plus aufgewiesen. Dagegen schrumpfte die Binnennachfrage das zweite Quartal nacheinander. Nur die Investitionen in Ausrüstungen und sonstige Anlagen hätten zugenommen, teilte das Bundesamt mit.

Im Vergleich zum Vorjahr stagnierte die deutsche Wirtschaft nach den Angaben. Im ersten Quartal 2005 standen indessen zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung als vor einem Jahr. Rechnet man diesen Kalendereffekt heraus, wäre das BIP auch gegenüber dem Vorjahresquartal um gut ein Prozent gewachsen, erklärten die Statistiker. Detaillierte Angaben zu den Wachstumskomponenten veröffentlicht das Amt erst am 24. Mai.

Clement: Es geht klar aufwärts

Die Bundesregierung zeigte sich über den guten Jahresauftakt hoch erfreut. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Berlin: "Es geht klar aufwärts." Er sprach von einer Ermutigung auf dem Wege der wirtschaftlichen Erholung, die langsam, aber sicher an Breite und Tiefe gewinne. Die Wachstumsprojektion der Regierung, nach der die Wirtschaft in diesem Jahr "spitz gerechnet" um ein Prozent wachsen soll, werde gestützt. Nach Einschätzung von Bankvolkswirten wird die gute Ausgangsbasis des ersten Quartals dazu führen, daß die Wachstumsprognosen, die zuletzt überwiegend gesenkt wurden, nun wieder nach oben revidiert würden. Die Dresdner Bank machte am Donnerstag den Anfang und setzte ihre Erwartung von 0,8 auf ein Prozent herauf.

Einhellig aber urteilten Volkswirte, daß das gute Wachstum zu Jahresbeginn die konjunkturelle Dynamik wegen statistischer Besonderheiten überzeichne. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex für das zweite Vierteljahr wiesen auf eine deutliche Verlangsamung hin. Bundesbankpräsident Axel Weber sagte in Bonn, die Wachstumsdaten seien ein "Lichtschimmer am Horizont". Es gebe aber keine Entwarnung auf der konjunkturellen Seite. Eine negative Überraschung seitens der Konjunktur sei nicht auszuschließen. Die globale Wirtschaftsdynamik kühle sich ab, sagte Weber.

Italien rutscht in die Rezession

Die kräftige Erholung in Deutschland zum Jahresauftakt schlägt auch auf den Euro-Raum durch. Nach einer Schnellschätzung des europäischen Statistikamts wuchs das BIP in der Währungsunion im ersten Quartal um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Europäische Kommission setzte ihre Wachstumserwartung für die Sommerquartale auf durchschnittlich 0,4 Prozent herauf. Nach den bislang vorliegenden Daten ist Deutschland im ersten Vierteljahr Spitzenreiter unter den Euro-Staaten. Italien rutschte mit einer BIP-Schrumpfung von 0,5 Prozent in die Rezession. Schon zum Jahresschluß 2004 war das italienische BIP um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 13.05.2005, Nr. 110 / Seite 9
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