21.02.2005 · Die Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal unterzeichnet nach Analyse der Bundesbank die wirtschaftliche Dynamik. Es gebe keinen Grund zum Pessimismus. Volkswirte stimmen nur zögerlich zu.
Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Die für das vierte Quartal 2004 ausgewiesene Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stelle die Konjunktur aber schlechter dar, als sie es verdient, vermutet die Deutsche Bundesbank im Monatsbericht für Februar.
Das Statistische Bundesamt hatte vergangene Woche in einer ersten Schnellmeldung berechnet, daß das BIP zwischen Oktober und Dezember um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist (Die deutsche Wirtschaft schrumpft). Dabei ist berücksichtigt, daß im vierten Quartal 2004 zweieinhalb Arbeitstage mehr zur Verfügung standen als üblich. In der herkömmlichen Rechnung wird deshalb das saison- und kalenderbereinigte Quartalswachstum niedriger als der Originalwert ausgewiesen.
Die Bundesbank vermutet nun, daß die übliche durchschnittliche Kalenderbereinigung das Wachstum in diesem Fall unterzeichnet. Die zusätzlichen Arbeitstage fielen vor allem in die herkömmliche Urlaubszeit um Weihnachten und Neujahr. Wurden sie für Urlaub genutzt, sei das BIP-Wachstum in konjunktureller Hinsicht zu niedrig ausgewiesen, argumentiert die Bundesbank. Die Kalenderbereinigung wiese den - negativen - Arbeitstageeffekt insoweit zu hoch aus. Ohne Kalenderbereinigung sei das BIP um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, heißt es.
Wer arbeitete zwischen Weihnachten und Neujahr?
Manche Volkswirte von Geschäftsbanken mutmaßen hinter vorgehaltener Hand, daß die Bundesbank sich mit diesem Argument für ihre zu optimistische Prognose für das Wachstum im vierten Quartal von 0,2 bis 0,3 Prozent rechtfertigen wolle. Ausschließen will aber niemand, daß die Bundesbank recht habe.
"Entscheidend ist, ob die Unternehmen in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiteten oder nicht", sagt Ralph Solveen von der Commerzbank. Viele Unternehmen hätten ihm bestätigt, daß sie wie üblich die Tore geschlossen hatten. Dafür spricht auch, daß der Export im Dezember außergewöhnlich niedrig ausfiel. Dies würde die These der Bundesbank stützen. "Das Wachstum wurde vielleicht um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte zu niedrig ausgewiesen", sagt Solveen. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank vermutet, daß die Bundesbank von der Tendenz her richtigliege, wenn auch das Argument "mit Vorsicht zu genießen" sei.
„Wir stochern im Nebel“
Teils widersprechen die Bankökonomen sich freilich selbst. Viele Geschäftsbanken hatten den sehr guten Auftragseingang der Industrie im Dezember auch damit begründet, daß die Unternehmen zwischen Weihnachten und Neujahr anders als üblich geöffnet waren. "Letztlich stochern wir hier im Nebel", sagt Solveen.
Unabhängig von diesen statistischen Schwierigkeiten zeichnet die Bundesbank ein verhaltenes Konjunkturbild. Im Jahresschlußquartal habe sich die Investitionsnachfrage nach dem kräftigen Anstieg im dritten Quartal wohl wieder abgeschwächt. Der private Verbrauch habe leicht zugelegt, was die vergleichsweise guten Autoverkäufe bestätigten. Eine nachhaltige Verbesserung der Konsumneigung lasse sich daraus aber nicht ableiten. Weil der Binnenkonjunktur der Durchbruch bisher nicht gelungen sei, befinde sich die Wirtschaft auch nach eineinhalb Jahren noch in der Anfangsphase einer konjunkturellen Erholung, heißt es.
Wettbewerbsfähigkeit wächst
Gleichwohl bestehe für das laufende Jahr kein Anlaß zu Pessimismus. Durch Kostendisziplin auf der Lohnseite und durch die Verlagerung bestimmter Produktionsprozesse ins Ausland habe die Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit seit dem Start der Währungsunion um 7 Prozent gegenüber den anderen Euro-Staaten verbessert. Auch als Folge der Aufwertung des Euro ist dagegen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Staaten außerhalb des Währungsgebietes 2004 gesunken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,79 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 105,77 $ | −1,01% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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