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Konjunktur Deutschland zieht Europa aus der Rezession

13.11.2009 ·  Die deutsche Wirtschaft erholt sich schneller als gedacht. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal real um 0,7 Prozent zu. Heute übergeben die „Wirtschaftsweisen“ der Regierung ihr kritisches Gutachten. Für 2010 sind sie optimistisch.

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Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal deutlich gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. „Nach dem Einbruch im Winterhalbjahr scheint sich der Aufwärtstrend der Wirtschaft fortzusetzen“, sagte ein Statistiker. Dazu trugen auch höhere Investitionen der Unternehmen bei, die mehr Geld in Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und Bauten steckten.

Im Frühjahr war die Wirtschaft nach einem Jahr Rezession erstmals wieder gewachsen: Das Plus wurde nachträglich von 0,3 auf 0,4 Prozent angehoben. Zu Jahresbeginn hatte es mit minus 3,5 Prozent noch den stärksten Einbruch seit Einführung der Quartalsvergleiche 1970 gegeben.

Auch die Eurozone hat den Sprung aus der Rezession geschafft. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt in den 16 Ländern des Währungsraums im dritten Quartal um 0,4 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag in einer Schnellschätzung mit.

„Die Reanimation ist geglückt“

„Weltweit holen die Unternehmen jetzt einen Teil der Ausgaben nach, die sie nach dem Schock der Lehmann-Pleite abrupt zurückgestellt hatten“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Die Reanimation ist geglückt“, kommentierte Deka-Bbank-Experte Sebastian Wanke die Zahlen. „Der deutsche Patient atmet nicht nur wieder, er steht sogar wieder aufrecht - allerdings an zwei Krücken der Geld- und Fiskalpolitik.“ Die Bundesregierung hatte mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen die Wirtschaft angeschoben, während die Notenbank frisches Geld zu niedrigen Zinsen in den Markt pumpte. Allerdings wird auch vor übertriebenem Optimismus gewarnt. „Wir sind noch nicht über dem Berg“, sagte West-LB-Experte Jörg Lüschow. Die Arbeitslosigkeit werde ebenso steigen wie die Zahl der Firmenpleiten. „Es wäre auch ungewöhnlich, wenn nach einer solch starken Rezession und einer Finanzmarktkrise alles wieder so schnell ausgestanden wäre.“

An diesem Freitag, übergeben die „Wirtschaftsweisen“ der Regierung ihr kritisches Gutachten. Mit der Haushaltspolitik der schwarz-gelben Koalition sind sie nicht einverstanden (Sachverständigenrat rügt Haushaltspolitik), doch die konjunkturelle Entwicklung fürs kommende Jahr sehen sie relativ optimistisch.

Exporte schieben die Konjunktur an

Angekurbelt wurde die Konjunktur im Sommer von den Exporten. Außerdem investierten die Unternehmen wieder mehr in Ausrüstungen und Bauten. „Die privaten Konsumausgaben gingen dagegen zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum“, hieß es. Die deutlich gestiegenen Importe sorgten dafür, dass die Unternehmen ihre Lagerbestände aufbauten. Details wollen die Statistiker am 24. November nennen.

Wie stark die Wirtschaft aber immer noch unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise leidet, zeigt der Vergleich mit dem dritten Quartal 2008: Hier brach das Bruttoinlandsprodukt - die Summe aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen - um 4,7 Prozent ein.

Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen ebenso wie die Bundesregierung für das Gesamtjahr mit einem Minus von 5,0 Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch in der Geschichte der Bundesrepublik. Für 2010 sagen die Weisen ein Wachstum von 1,6 Prozent voraus und sind damit etwas optimistischer als die Regierungsprognose von 1,2 Prozent (F.A.Z.-Konjunkturbericht: Auf einem flachen Wachstumspfad).

Die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wurde von 40,4 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 81.000 Personen oder 0,2 Prozent
weniger als ein Jahr zuvor.

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Von Heike Göbel

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