11.11.2004 · Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal des Jahres nur noch um 0,1 Prozent gewachsen. Der Außenhandel dämpfte das Wachstum. Volkswirte senken nun ihre Wachstumsprognosen.
Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal des Jahres in die Stagnation zurückgefallen. In einer ersten Schätzung meldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden für den Zeitraum zwischen Juli und September 0,1 Prozent Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem Vorquartal. Das Amt setzte zudem die Wachstumsrate im zweiten Quartal von 0,5 auf 0,4 Prozent herab. Im Vorjahresvergleich fiel die BIP-Wachstumsrate von 1,9 auf 1,3 Prozent. Auslöser für die Abwärtsentwicklung im dritten Quartal waren geringere Impulse aus dem Außenhandel. Zugleich hat sich die Binnennachfrage nach Angabe des Bundesamts belebt.
Bankvolkswirte wurden von der Entwicklung im dritten Quartal weitgehend negativ überrascht. Sie hatten mehrheitlich eine geringere Abschwächung der Wachstumsrate auf 0,3 Prozent erwartet. Die Wachstumserwartung für dieses und für das kommende Jahr werde man nun wohl zurücknehmen, heißt es überwiegend. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) bezeichnete in Berlin die Schwäche des BIP als vorübergehende "Zwischenphase".
Außenhandel dämpft, mehr Investitionen
Nach den Angaben der Statistiker ist der Export im dritten Quartal gesunken. Zugleich sei der Import relativ stark gestiegen. Beide Entwicklungen führten dazu, daß der Außenbeitrag rechnerisch das Wirtschaftswachstum belastete - im Gegensatz zum ersten Halbjahr. Dagegen wurde die Wirtschaft von der Binnennachfrage gestützt. Als Grund nennen die Statistiker kräftig gestiegene Ausrüstungsinvestitionen und einen starken Vorratsaufbau. Dies sei ein positives Zeichen für die weitere Entwicklung der Inlandsnachfrage, sagte Clement.
„Keine Wende der Binnennachfrage“
Viele Konjunkturbeobachter bezweifeln diese Einschätzung. "Nach dem sehr guten ersten Halbjahr war ein Rückschlag gerade beim Export zu erwarten", sagte Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel dieser Zeitung. Doch dürfte der Außenhandel in den kommenden Monaten weiterhin vom abgeschwächten, aber steigenden Welthandel profitieren. Im Plus der Binnennachfrage erkennt Scheide keine sich belebende Inlandskonjunktur. Nach dem Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen in den ersten sechs Monaten des Jahres sei auch hier eine zeitweise Gegenbewegung zu erwarten gewesen. "Indikatoren wie der Auftragseingang deuten nicht auf eine Wende der Binnenkonjunktur hin. Die inländische Nachfrage zeigt kaum Bewegung nach oben", sagte der IfW-Ökonom.
Clement sagte, die Bundesregierung halte an der Prognose eines Wachstums in diesem Jahr von 1,8 Prozent fest. Dies ist nach Ansicht von Volkswirten mittlerweile zu optimistisch. Das Wachstum 2004 dürfte eher zwischen 1,5 und 1,7 Prozent liegen, heißt es. Auch die Regierungserwartung eines Wachstums von 1,7 Prozent im kommenden Jahr teilen viele Fachleute nicht mehr. "Wir bewegen uns zurück auf Quartalswachstumsraten von 0,2 bis 0,3 Prozent", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Wie die Dekabank rechnet diese mit einem Wachstum 2005 von einem Prozent, das Kieler IfW erwartet 1,2 Prozent. Die Abwärtsrisiken seien abermals gestiegen, heißt es. Die Anlagegesellschaft Invesco nahm ihre Prognose für 2005 schon von einem auf 0,8 Prozent zurück.
Andere Euro-Staaten wachsen stärker
Im Gegensatz zu Deutschland meldeten am Donnerstag andere Staaten im Euro-Raum für das dritte Quartal eine verbesserte wirtschaftliche Lage. In Spanien beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent im zweiten auf 0,6 Prozent im dritten Quartal. In den Niederlanden wuchs das BIP um 0,2 Prozent, nachdem es zuvor um 0,1 Prozent geschrumpft war.
Rätsel löste der starke deutsche Importzuwachs im dritten Quartal aus. Er ist nicht auf den Ölpreisanstieg zurückzuführen, weil in der BIP-Rechnung mit realen, preisbereinigten Größen gerechnet wird. Eher zuversichtliche Bankvolkswirte deuteten das Importplus mit einer anziehenden Nachfrage im Inland, die sich in den Ausrüstungsinvestitionen zeige. Doch "der private Verbrauch dürfte im dritten Quartal stagniert haben", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Auch der Lageraufbau ist nach Angaben der Statistiker im dritten Quartal stark gestiegen. Diese stark schwankende Größe wird freilich als Restgröße berechnet und beruht nicht auf Unternehmensumfragen, so daß Volkswirte ihr skeptisch gegenüberstehen.
Detailangaben zu den Wachstumskomponenten im dritten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 23. November.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |