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Konjunktur : Deutsche Wirtschaft steuert auf die Flaute zu

  • Aktualisiert am

Die Konjunkturaussichten werden zunehmend düster. Bild: dapd

Deutschlands wichtigster Konjunkturtacho zeigt kaum noch Tempo: Der Ifo-Index sinkt zum dritten Mal in Folge. Keine guten Aussichten für Firmen und Arbeitsplätze - zumal auch viele aktuelle Geschäftszahlen schlecht ausfallen.

          Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli stärker gesunken als erwartet. Das wichtigste Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft ging von 105,3 Punkten im Juni auf nun 103,3 Punkte zurück, teilte das Münchner Institut am Mittwoch mit. Das ist der dritte Rückgang in Folge. „Die Eurokrise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland“, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

          Ein dritter Abstieg des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers wird von Volkwirten oft als Zeichen für eine Trendwende betrachtet. Das Ifo-Institut ist aber zurückhaltend: Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe betonte, dass sich Deutschland im Vergleich mit dem Rest Europas gut schlage. "Es könnte noch schlimmer laufen." Mit einer Rezession sei zunächst nicht zu rechnen. Deutschland werde im zweiten und dritten Quartal 2012 vermutlich um jeweils 0,1 Prozent wachsen. Der zuletzt zum Dollar deutlich gesunkene Euro -Wechselkurs führe dazu, dass sich die Exporterwartungen stabilisierten.

          Bild: F.A.Z.

          In der Industrie trübte sich das Geschäftsklima allerdings stark ein. Besonders die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen erheblich ungünstiger eingeschätzt. „Die Kapazitäten werden von den Unternehmen klar weniger ausgelastet“, sagte Sinn. Auch im Großhandel und auf dem Bau trübte sich die Stimmung ein. Einziger Lichtblick im Juli war der Einzelhandel. Hier stieg das Geschäftsklima weiter - die Kaufleute beurteilten sowohl ihre Lage als auch die Aussichten besser als im Vormonat.

          Die Erhebung des Instituts passt zur Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zwar sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Juni leicht. Allerdings fiel der Rückgang abermals nicht so stark aus, wie für die Jahreszeit üblich. Konkret sank die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 46.000 auf 2,809 Millionen. Saisonbereinigt stieg die Kennziffer aber um 7000 auf 2,882 Millionen. BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte daher vor vier Wochen: „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es im Juni Anzeichen einer schwächeren Entwicklung.“

          Relativ schwache Quartalszahlen

          Die Zahlen des Instituts korrespondieren im Großen und Ganzen auch gut mit den ersten Quartalsmeldungen, die an diesem Mittwoch vorgestellt wurden. Sowohl der amerikanische Elektronikgigant Apple als auch der Chemiekonzern Wacker und der französische Autobauer Peugeot enttäuschten. Der Autohersteller Daimler hingegen präsentierte bessere Ergebnisse als erwartet.

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          So richtig startet die Quartalssaison aber erst am Donnerstag. Dann veröffentlichen Schwergewichte wie BASF, Siemens und die Deutsche Bahn ihre Zahlen für das vergangene Quartal. Außerdem veröffentlicht die Gesellschaft für Konsumforschung die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie zum Konsumklima.

          Für Schlagzeilen hatten die Forscher des Ifo-Instituts an diesem Mittwochvormittag bereits mit neuen Zahlen zur Schuldenkrise gesorgt. Sie haben ausgerechnet, dass Deutschland rund 89 Milliarden Euro verlieren würde, sollte Griechenland zahlungsunfähig werden und dennoch im Euroraum verbleiben.

          Sollte Griechenland insolvent werden und aus dem Eurosystem ausscheiden, wäre dies für die Bundesrepublik etwas billiger. In diesem Fall müsse Deutschland bis zu 82 Milliarden Euro abschreiben, teilten die Münchner Wirtschaftsforscher mit. In diesen Summen seien die ausgezahlten Beträge aus den beiden Rettungspaketen für Griechenland, die Käufe von griechischen Staatsanleihen durch die Zentralbanken der Euroländer, die Target-Verbindlichkeiten der griechischen Zentralbank, die Verbindlichkeiten Griechenlands aus der überproportionalen Ausgabe von Banknoten und die Forderungen der griechischen Notenbank gegenüber den griechischen Banken enthalten. Nicht berücksichtigt sind Abschreibungsverluste deutscher Banken, Versicherungen und anderer Privatgläubiger, erläuterte das Institut.

          Quelle: schä./tine.

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