Oft sind die Schlagzeilen über den Nachrichten aus der Unternehmenswelt der beste Konjunkturindikator. Als sich die Volkswirte im vergangenen Herbst kaum vorstellen konnten, dass Deutschlands Wirtschaft eine scharfe Bremsung erspart bleiben würde, verkündeten die Unternehmen volle Auftragsbücher, robuste Nachfrage und eine Produktion an der Kapazitätsgrenze.
Dass jemand von heute auf morgen die Stopp-Taste drücken würde, so wie zur Hochphase der Finanz- und Bankenkrise, konnte sich kaum jemand vorstellen. Und so kam es: Die Konjunktur hat sich im ersten Halbjahr als robust erwiesen. Der Bau ist eine kräftige Stütze - und wird es auch bleiben. Stimmt aber die Regel, dass ein Blick in den Unternehmensteil einer Tageszeitung manche Konjunkturprognose spart, trübt sich die Lage weiter Teile der produzierenden Industrie derzeit schneller ein, als noch vor einem guten Monat abzusehen war.
Klagen auf hohem Niveau
Siemens hat angekündigt, dass die für die zweite Hälfte seines Geschäftsjahres 2011/12 angekündigte Aufholjagd so nicht stattfindet. Zwar würden die in Korridoren formulierten Gewinnziele nicht verändert, doch sei die Entwicklung im kurzzyklischen Geschäft schwächer als gedacht. Auch der Halbleiterhersteller Infineon spricht von einer fragilen Situation. Der wegen der Unwägbarkeiten der Weltkonjunktur sinkende Umsatz habe sich auch durch Wechselkurseffekte nicht ausgleichen lassen.
Und der Stahlkonzern Salzgitter hat für 2012 einen Verlust in Aussicht gestellt, nachdem zuvor ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet worden war. Hinzu kommt, dass in Deutschland die Börsengänge des Spezialchemiekonzerns Evonik und der Automobilsparte von Rheinmetall gescheitert sind. Das heißt, auch auf diesem Weg kommt kein neues Kapital in den Wirtschaftskreislauf.
Nun beginnen derartige Klagen auf einem sehr hohen Niveau - und es geht auch nicht darum, dass Deutschland nun doch in eine Rezession stürzt. Sicher ist aber, dass die Diskussion um den Euro zu größerer Unsicherheit führt. Das mag, im Zusammenhang mit den niedrigen Zinsen, zu einer Flucht in Immobilien und dadurch zur guten Baukonjunktur führen. Für Unternehmen, die Autos in Spanien oder Italien verkaufen, stellt sich das Bild aber ganz anders dar. Investitionen werden verschoben, es wird nicht mehr so stürmisch eingestellt: Derzeit werden so wenige Mitarbeiter wie seit fast einem Jahr nicht mehr gesucht. Der Wind dreht sich.
Der Euro und Europa sind für die deutsche Industrie ein immenser
Image Schaden.
Horst Müller (KonzeptionistzuVerlassen)
- 28.06.2012, 12:58 Uhr
Wer soll das erstaunen?
Olivier Paria (Olipa)
- 28.06.2012, 10:20 Uhr
