27.07.2005 · Die Stimmung im Mittelstand hat sich im Sommer eingetrübt. Weil die Binnenwirtschaft lahmt, beurteilen die überwiegend auf den heimischen Markt konzentrierten Betriebe ihre Lage deutlich schlechter als Großunternehmen.
Die Stimmung im Mittelstand hat sich im Sommer eingetrübt. Weil die Binnenwirtschaft lahmt, beurteilen die überwiegend auf den heimischen Markt konzentrierten Betriebe ihre Lage deutlich schlechter als Großunternehmen. Die Investitionen dürften eher sinken, der Personalabbau wird allenfalls gebremst, aber nicht gestoppt.
Lichtblicke bietet lediglich der Export. Durch Produktionsverlagerungen und die Erschließung neuer Absatzmärkte haben vor allem größere Mittelständler ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert. Ihre Zuversicht ist größer als in den zurückliegenden 5 Jahren. Das geht aus der jüngsten, bisher unveröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei mehr als 20.000 mittelständischen Betrieben und rund 1.000 Großunternehmen hervor, die dieser Zeitung vorliegt.
Auslandsengagement stabilisiert die Stimmung
„Der Mittelstand fällt in diesem Jahr als Wachstumsmotor aus“, kommentiert die Vorsitzende des DIHK-Mittelstandsausschusses, Dagmar Bollin-Flade, den jährlich im Frühsommer als Zusatz zu den drei großen DIHK-Konjunkturumfragen erstellten "Mittelstandsreport 2005". „Vor allem dem verstärkten Auslandsengagement vieler mittelständischer Unternehmen ist es zu verdanken, daß die Stimmung im Mittelstand sich nicht auf steilem Sinkflug befindet.“
Sowohl bei der Lagebeurteilung als auch bei den Geschäftsaussichten seien mittelständische Betriebe verhaltener als noch zu Jahresbeginn. Nur noch 19 Prozent aller Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten beurteilten ihre Geschäftslage als gut, 52 Prozent als befriedigend und 29 Prozent als schlecht. Die Kluft zwischen Mittelstand und Großunternehmen sei weiter gewachsen. Ohne grundlegende Reformen am Standort Deutschland werde der Mittelstand „nicht auf Touren kommen“, mahnt Bollin-Flade. Von der neuen Bundesregierung erwarte der Mittelstand daher „einen klaren und verläßlichen Fahrplan für durchgreifenden Bürokratieabbau, mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und für ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem“.
Kaum einen Beitrag zum BIP-Wachstum
Als Hauptgründe für den Stimmungsknick nennt der DIHK die hohe Arbeitslosigkeit, die zusammen mit den hohen Öl- und Energiepreisen den privaten Konsum dämpften. „Zum Wirtschaftswachstum von real gut einem Prozent im Jahr 2005 wird der Mittelstand kaum etwas beitragen“, erläutert DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Nur dank der zwar leiser brummenden, aber noch immer auf guten Touren laufenden Weltwirtschaft schätze der Mittelstand seine wirtschaftliche Lage nicht schlechter ein als im Frühsommer 2004.
Für den weiteren Jahresverlauf rechnen 21 Prozent der Mittelständler mit besseren Geschäften, 25 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Diesem Negativsaldo von 4 Prozentpunkten steht bei den Großunternehmen ein Positivsaldo von 12 Punkten gegenüber: 25 Prozent rechnen mit besseren, 13 Prozent mit schlechteren Geschäften. Der Antrieb aus dem Exportgeschäft dürfte trotz des zuletzt günstigeren Euro-Kurses in den kommenden Monaten nachlassen, heißt es in dem Bericht. Der Mittelstand spüre immer mehr das nachlassende Tempo der Weltwirtschaft. Auch „Überhitzungstendenzen“ auf den Rohstoffmärkten trübten manche Ausfuhrerwartungen. Dem setze der Mittelstand aber seine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit entgegen. Die Exporterwartungen blieben daher "trotz erster Wolken am Horizont" auf hohem Niveau.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,26 | −1,00% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2453 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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