24.06.2005 · Der Ölpreis erreicht neue Rekordwerte. Ein Barrel (159 Liter) kostete zeitweise über 60 Dollar. Die Risiken für die Konjunktur steigen - und zugleich die Inflationsrisiken durch teure Energie und den billigen Euro.
Der Ölpreis erreicht neue Rekordwerte. Am frühen Freitag morgen kostete Öl der Sorte West Texas Intermediate zeitweise 60 Dollar je Barrel (159 Liter). In London stieg der Preis für die Nordseesorte Brent in der Spitze auf 58,51 Dollar und gab danach nur leicht nach. Öl kostet damit fast doppelt so viel wie im Januar. Im Euro-Raum kommt der Preisschub derzeit schneller an als früher. Weil der Euro sich gegenüber dem Dollar verteuert, schlägt der steigende Ölpreis stärker durch. Am Freitag fiel der Euro-Kurs kurzfristig auf 1,1981 Dollar je Euro, stieg dann aber auf über 1,20 Dollar an.
Das Gemisch aus hohem Ölpreis und schwächerem Euro bedroht nach Ansicht von Ökonomen die konjunkturellen Aussichten für das zweite Halbjahr. "Nach einer Faustformel kostet uns ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar in Deutschland rund 0,25 Prozent Wachstum", sagte der Chefvolkswirt der Allianz/Dresdner Bank, Michael Heise, dieser Zeitung. Bleibe der Ölpreis für längere Zeit auf diesem Niveau, mache uns das die Konsumkonjunktur wieder kaputt, sagte Heise.
Mehrheitlich erwarten Volkswirte aber, daß der Ölpreis sich wieder ein wenig abschwächt. Heise rechnet mit einem Preis von 47 Dollar im Jahresdurchschnitt. Im Durchschnitt der ersten sechs Monate 2005 kostete Brent-Öl 51 Dollar.
Nachfrage geht zurück, Preisdruck bleibt
Grund für den Preisanstieg ist die steigende Nachfrage. Im vergangenen Jahr stieg die Ölnachfrage auf der ganzen Welt um 2,7 Prozent, sagte Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Trotz der nachlassenden Weltkonjunktur erwartet das Institut für 2005 immer noch ein Plus von bis zu 2 Prozent. Bei zugleich knappen Reserve- und Raffineriekapazitäten steige so der Preisdruck, sagte Gern. Noch aber ist Öl nicht so teuer, daß die Wachstumsprognosen ernsthaft wackeln. Das Kieler Institut etwa prognostiziert für 2005 ein deutsches Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent und unterstellt dabei einen Ölpreis von jahresdurchschnittlich 47,5 Dollar je Barrel. "Diese Annahme ist optimistisch, aber realistisch", sagte Gern.
Inflationsrisiken durch teure Energie und billigen Euro
Der hohe Ölpreis und der schwächere Euro drohen zudem, ein Sinken der Inflationsrate zu verhindern. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Inflationsrate in Deutschland im Juni von 1,7 auf 1,9 Prozent. Preistreibend wirkten die Energiepreise, sie zeichnen für fast die Hälfte der Inflation verantwortlich. Heizöl und Mineralöl kosteten im Juni so viel wie nie zuvor.
Nach einer Studie der Deutschen Bank vom Freitag könnte die Inflationsrate im Euro-Raum in den verbleibenden Monaten des Jahres über 2 Prozent verharren, blieben Ölpreis und Euro-Wechselkurs auf ihrem jetzigem Niveau. Für Euro-Staaten wie Spanien, Portugal oder Italien schließt Allianz-Ökonom Heise nicht aus, daß die Gewerkschaften einen Ölpreisausgleich erzwängen. Für den Euro-Raum seien so Inflationsrisiken gegeben.
Lufthansa erwägt Kerosin-Aufschläge
Inflationsdruck über Zweitrundeneffekte könnte es auch geben, wenn die Unternehmen ihre höhere Ölrechnung an die Kunden weiterreichen. Die Lufthansa Cargo AG in Frankfurt kündigte an, am Montag über einen möglichen Kerosin-Aufschlag auf die Frachtpreise zu entscheiden. Es sehe ganz nach einer Anhebung aus, sagte ein Sprecher. Im Passagierbereich sei dagegen derzeit nicht an einen Aufschlag gedacht, hieß es.
Als Folge der höheren Ölpreise gibt der Verbraucher Kaufkraft an die Ölförderstaaten ab. 2004 wurde diese Last noch durch den aufwertenden Euro gemildert. Der Ölpreis kletterte in Dollar gerechnet um knapp 36 Prozent, in Euro gerechnet aber nur um 25 Prozent. Diese Spanne hat sich mittlerweile deutlich verringert: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg der Ölpreis in Dollar gerechnet um 33 Prozent und in Euro um 30 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,26 | −1,00% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2453 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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