05.08.2005 · Für das zweite Quartal vermelden die deutschen Unternehmen einen Anstieg der Aufträge. Womöglich ist dies das erste Zeichen einer Wende. Vor allem in der verarbeitenden Industrie steigt die Produktion stärker als erwartet.
Für die deutsche Wirtschaft ist eine leichte Besserung in Sicht. Nachdem sich der F.A.Z.-Konjunkturindikator seit Jahresbeginn nur sehr wenig verändert hatte, stieg er im Juni deutlich an. Der Index erhöhte sich um 1 Prozent auf 103,6 und lag damit 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juni nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit spürbar um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Volkswirte zeigten sich besonders erfreut darüber, daß sich im Verarbeitenden Gewerbe mit einem Plus von 1,3 Prozent ein Aufwärtstrend zeige.
Ausschlaggebend für die Zunahme des F.A.Z.-Indikators war, daß sich die Auftragslage der Unternehmen im Juni verbesserte. Erstmals in diesem Jahr bewegte sich die Nachfrage nach Industriegütern zwei Monate nacheinander in eine Richtung, und zwar aufwärts. Im Trend zeigt der Auftragseingang, der für den Verlauf des Indikators besonders wichtig ist, nun nach oben. Daneben verschlechterte sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe im Juni nicht weiter, und an den Aktienmärkten stiegen die Kurse weiter.
Von der Abwertung des Euro ging ein deutlicher positiver Impuls aus; die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen legte spürbar zu. Insgesamt bestätigt der F.A.Z.-Konjunkturindikator die gängigen Prognosen, nach denen der deutschen Konjunktur eine leichte Erholung bevorsteht. Für Konjunkturoptimismus gibt es allerdings bislang keinen Anlaß.
Womöglich echter Aufwärtstrend
Analog interpretierten Volkswirte die Produktionsdaten für Juni. Das Plus von 1,4 Prozent, das um saisonale Effekte und um Preissteigerungen bereinigt ist, übertraf die mehrheitlichen Erwartungen von 0,3 Prozent deutlich. Gestützt wurde die gesamte Produktion durch einen kräftigen Schub im Baugewerbe (4,7 Prozent) und durch die Industrie (1,3 Prozent). Innerhalb der Industrie wuchs die Produktion von Kapitalgütern im Juli mit 3,5 Prozent besonders stark. Die Hersteller machten das starke Minus im Juni mehr als wett. Die Energieerzeugung ging um 0,6 Prozent zurück.
Die starke Zunahme der Produktion im Baugewerbe ist wahrscheinlich noch auf Nachholeffekte im Gefolge des schlechten Wetters im Frühjahr zurückzuführen. Dagegen hat sich im Verarbeitenden Gewerbe, das für die konjunkturelle Entwicklung besonders wichtig ist, womöglich ein echter Aufwärtstrend durchgesetzt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), aber auch Volkswirte erkannten eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, die im Frühjahr weltweit beobachtete Schwächephase insbesondere in der Industrie sei offenbar überwunden.
Im gesamten zweiten Quartal lag die Industrieproduktion zwar nur 0,5 Prozent höher als im ersten Vierteljahr. Diese Zahl unterzeichnet aber den Quartalszuwachs, weil im Januar die Produktion außergewöhnlich stark war. Volkswirte sind sich über die Folgen der guten Produktionsentwicklung für das gesamtwirtschaftliche Wachstum im zweiten Quartal uneins. Während die Commerzbank ihre These gestützt sah, daß das Bruttoinlandsprodukt (BIP) leicht gewachsen sei, hält etwa die Hypo-Vereinsbank an ihrer Erwartung einer leichten Schrumpfung fest. Im ersten Quartal war das BIP kräftig um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Das Statistische Bundesamt wird am kommenden Donnerstag eine erste Schätzung des BIP-Wachstums für das zweite Quartal vorlegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,26 | −1,00% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2453 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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