27.06.2006 · Das Wirtschaftsklima in Deutschland hat sich im Juni überraschend verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg von 105,7 auf 106,8 Punkte. Offensichtlich belebt die Fußball-WM das Geschäft.
Das Wirtschaftsklima in Deutschland hat sich im Juni überraschend verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München stieg von 105,7 auf 106,8 Punkte, nachdem er im Mai leicht gesunken war. Bankenvolkswirte hatten auch für Juni mehrheitlich einen Rückgang erwartet.
Das sich abermals aufhellende Geschäftsklima deutet darauf hin, daß der Aufschwung robuster ist als bislang erwartet. "Das Spiel ist noch nicht aus, der Aufschwung geht weiter", sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb. Ökonomen erwarten, daß die Wirtschaft im zweiten Quartal stark gewachsen ist.
Die rund 7000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen schätzten im Juni ihre aktuelle Geschäftslage zum siebten Mal nacheinander besser ein als zuvor. Der entsprechende Teilindex stieg deutlich von 107,3 auf 109,4 Punkte. Dies signalisiert eine ungebremst gut laufende Konjunkturentwicklung. Für viele Volkswirte überraschend dagegen stieg der Teilindex der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate wieder geringfügig auf 104,2 Punkte an, nachdem er in den vergangenen zwei Monaten gefallen war.
Einzelhandel in besserer Stimmung
Viele Volkswirte hatten wegen der jüngsten Kursverluste an den Aktienmärkten, der Diskussion um weitere Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten und im Euro-Raum und der näher rückenden Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland mit einer weiteren Abkühlung des Konjunkturbarometers gerechnet. Sie erklärten die Aufhellung nun mit besseren Geschäften während der Fußball-Weltmeisterschaft, die vor allem dem Einzelhandel nutze.
Tatsächlich gründet der Anstieg des Geschäftsklimaindex auch in einer deutlich besseren Geschäftslage im Einzelhandel. Aber auch die Unternehmen des Verarbeitenden und des Baugewerbes berichteten über bessere Geschäfte. Der Blick in die Zukunft fiel im Verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel etwas positiver aus als zuvor, während sich die Erwartungen im Bauhauptgewerbe und im Großhandel schon seit Monaten auf hohem Niveau eintrüben.
Lackmustest im Juli
Nach Einschätzung des Ifo-Instituts zeigen die Umfrageergebnisse, daß die Konjunktur nicht mehr allein vom Export getrieben wird. Auch das Inland ziehe nach, hieß es mit Verweis auf die Entwicklung im binnenorientierten Einzelhandel und Bauhauptgewerbe. Für den künftigen Export waren die Industrieunternehmen weniger optimistisch als im Mai. Für die weitere Entwicklung der Konjunktur ist nach Ansicht vieler Fachleute entscheidend, wie sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2007 auswirken wird. Allgemein wird zumindest zum Jahresbeginn 2007 mit einer deutlichen Konsumabschwächung gerechnet, die sich allmählich schon jetzt in den Erwartungen der Unternehmen niederschlagen sollte. "Der Lackmustest für das Geschäftsklima steht im Juli an", hieß es bei der Deka-Bank, weil von da an der Jahresbeginn 2007 in den Erwartungen mit abgefragt wird.
Das steigende Wirtschaftsklima in Deutschland verbessert auch die Aussichten für den Euro-Raum und stützt so die Zinserhöhungstendenzen der Europäischen Zentralbank. Im Juni verbesserte sich auch das Geschäftsklima in der Industrie in Italien und in den Niederlanden. In Belgien, dem wegen seiner starken Außenhandelsverflechtung eine Frühindikatorrolle für den Euro-Raum zugesprochen wird, stieg der Indikator auf ein Rekordhoch. Frankreich hatte dagegen eine Eintrübung des Geschäftsklimas gemeldet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,26 | −1,00% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2453 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 105,70 $ | −1,08% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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