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Konjunktur Das Konsumklima steigt, der Konsum sinkt

31.03.2005 ·  Die Stimmung unter den Verbrauchern hat sich im März teils verschlechtert und im Ganzen verbessert. Volkswirte läßt diese Nachricht kalt. Sie bezweifeln die Aussagekraft des GfK-Indikators.

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Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im März teils verschlechtert und im Ganzen verbessert. Doch Volkswirte von Geschäftsbanken läßt diese Nachricht kalt. "Für unsere Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung spielt das Konsumklima keine Rolle", sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Der Zusammenhang zwischen dem Index und der tatsächlichen Entwicklung des privaten Verbrauchs sei zu gering, um darauf Erwartungen über den Konsum aufzubauen.

Nach Angaben der GfK vom Mittwoch haben die Verbraucher ihre Erwartungen sowohl mit Blick auf die Entwicklung der persönlichen Einkommen als auch auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung im März abermals deutlich zurückgenommen. Die entsprechenden Indikatoren, die aus der GfK-Befragung von rund 2000 Verbrauchern im Auftrag der EU gewonnen werden, sind gefallen. Dagegen hat sich die Anschaffungsneigung der Verbraucher nach Monaten des Anstiegs zuletzt stabilisiert und liegt nun so hoch wie Ende 2001.

Die GfK nutzt diese Teilindikatoren zusammen mit der Sparneigung, um einen gesamten Konsumklimaindex zu berechnen. Dieser ist im März gestiegen, obwohl sich wichtige Teilindikatoren verschlechtert haben. Für den April prognostiziert die GfK einen weiteren Anstieg des Konsumklimaindex. Das Konsumklima profitiere derzeit ausschließlich von der Anschaffungsneigung und der sinkenden Sparneigung, schreibt die GfK. Die leicht steigende Konsumlust, die der Index in den vergangenen Monaten anzeigte, bleibe anfällig für Störungen gerade am Arbeitsmarkt.

Wichtig ist allein die Entwicklung der Einkommen

Trotz der großen Aufmerksamkeit, die der GfK-Konsumklimaindex in den vergangenen Jahren erhalten hat, bezweifeln viele Volkswirte dessen Aussagekraft. Nach Einschätzung der Ökonomen der Deka-Bank ist der Indikator zur Erklärung des tatsächlichen privaten Verbrauchs "wenig hilfreich". Seit dem Jahr 2002 gebe es schon fast eine gegenläufige Entwicklung, heißt es: Der Konsumklimaindex stieg, während der private Verbrauch fiel - und umgekehrt. Rubisch von der Commerzbank sagt: "Der entscheidende Punkt für die Entwicklung des privaten Konsums ist die Entwicklung der Einkommen." Eine Stimmungskomponente, die von der GfK abgefragt wird, liefere nur wenig zusätzliche Informationen. Am meisten Aussagekraft zur Prognose des privaten Verbrauchs habe noch der GfK-Teilindikator der Anschaffungsneigung.

Die GfK gesteht ein, daß der Konsumklimaindex in den vergangenen Quartalen den privaten Verbrauch nicht gut abgebildet hat. Rolf Bürkl, Volkswirt bei der GfK, führt dies unter anderem auf die lange wirtschaftliche Stagnation zurück. Ungewöhnlich sei, daß die Verbraucher in den Jahren sinkenden Konsums mehr sparten. Dies werde von den Berechnungen nicht erfaßt, sagt Bürkl. Im langen Zeitraum seit 1993 könne der Konsumklimaindex jedoch rund 80 Prozent der tatsächlichen Veränderungen des privaten Verbrauchs erklären. "Ich gehe davon aus, daß der Indikator in diesem Jahr wieder besser mit dem Verbrauch übereinstimmt."

Ein internationales Problem

Das Problem der Prognose des privaten Konsums ist kein Problem der GfK allein, sagt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Der von der Europäischen Kommission berechnete Index des Verbrauchervertrauens für Deutschland sei auch kein besserer Indikator des privaten Konsums. Der EU-Index baut auf den GfK-Daten auf, wird aber anders und umfassender berechnet. Auch in anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten hätten sich Konsumklimaindikatoren für die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung als wenig hilfreich erwiesen, sagt Scheuerle.

Warum aber kommentieren Volkswirte von Geschäftsbanken dann Monat für Monat die Konsumklimaindizes? Rubisch von der Commerzbank sagt: "Wir gucken auf den Konsumklimaindex eigentlich nur deshalb, weil die Finanzmärkte darauf schauen. Warum die Märkte da so sehr darauf achten, ist uns auch ein Rätsel."

Quelle: pwe. / F.A.Z., 31.03.2005, Nr. 74 / Seite 12
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