Home
http://www.faz.net/-gqf-pl5e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Das IfW erwartet nur noch 0,8 Prozent Wachstum

09.12.2004 ·  Das Institut für Weltwirtschaft hat seine Wachstumsprognose für Deutschland 2005 deutlich gesenkt. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Noch wächst die Industrieproduktion.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat als erstes der großen Wirtschaftsforschungsinstitute seine Wachstumsprognose für Deutschland im kommenden Jahr auf unter ein Prozent gesenkt. Nach der neuen Prognose rechnen die Ökonomen nur noch mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent, nach 1,7 Prozent in diesem Jahr. Die merkliche Verlangsamung impliziere ein erhöhtes Risiko einer rezessiven Entwicklung, heißt es. Darunter verstehen Ökonomen einen Rückgang des BIP in mehreren Quartalen nacheinander. Im Jahr 2006 könnte das BIP um 1,3 Prozent zulegen.

Aktuelle Konjunkturindikatoren zeigen demgegenüber an, daß die maßvolle konjunkturelle Erholung zumindest noch einige Zeit andauern dürfte. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator stabilisierte sich im Oktober. Der Index stieg um 0,1 Prozent auf 101,6 und lag um 2,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Produktion im produzierenden Gewerbe legte nach zwei schwachen Monaten im Oktober um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat deutlich stärker zu als Volkswirte erwartet hatten. Das meldete das Bundeswirtschaftsministerium. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist zudem der Export im Oktober um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Dies ist das zweite Plus nacheinander, liegt aber unter den Zuwachsraten des ersten Halbjahres.

F.A.Z.-Indikator unter dem Höchststand

Der Verlauf des F.A.Z.-Konjunkturindikators stellt sich in jüngster Zeit etwas besser dar als zuvor, weil die Auftragseingänge in der Industrie für September deutlich nach oben revidiert wurden. Diese für die Berechnung des Indikators wichtigste Komponente legte auch im Oktober zu. Damit konnten negative andere Faktoren ausgeglichen werden. Alles in allem verläuft die konjunkturelle Erholung voraussichtlich sehr moderat. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator liegt schon einige Monate unter dem Höchststand im Frühjahr.

Das IfW erwartet als Folge der nachlassenden Exportentwicklung eine ausgeprägte Wachstumsdelle in Deutschland. Unter den sechs großen Forschungsinstituten war das Kieler schon seit dem Sommer am pessimistischsten und hatte im September für 2005 ein Wachstum von 1,2 Prozent prognostiziert. Die Revision auf 0,8 Prozent weicht deutlich von den aktuellen Erwartungen des Sachverständigenrates (1,4 Prozent) oder der OECD (1,2 Prozent) ab. Die Bundesregierung erwartet ein Wachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent.

Ölpreis und Euro belasten

Der hohe Ölpreis und die Aufwertung des Euro dürften die deutsche Wirtschaft bis weit in das kommende Jahr hinein belasten, heißt es. Erst gegen Jahresende, wenn die Bremseffekte nachließen, dürfte die Konjunktur langsam wieder Schwung gewinnen. Dabei ist ein Ölpreis von durchschnittlich 38 Dollar je Barrel (159 Liter) und ein Wechselkurs von 1,30 Dollar je Euro unterstellt. Als Folge der konjunkturellen Abkühlung in Amerika und in China werde der Welthandel 2005 deutlich langsamer wachsen als in diesem Jahr. Für Deutschland rechnet das IfW nur noch mit einem Exportplus von 2,4 Prozent, nach 9,3 Prozent in diesem Jahr. Die Binnenwirtschaft bliebe zu schwach, um den Verlust an außenwirtschaftlicher Schubkraft auszugleichen. Das Staatsdefizit veranschlagt das IfW mit 3,1 Prozent.

Dem Euro-Raum sagt das Institut für die beiden kommenden Jahre ein Wachstum von 1,6 und 2 Prozent voraus. Die Inflationsrate dürfte bei 1,9 und 1,7 Prozent liegen, in Deutschland bei 1,3 und 1,1 Prozent. Die Europäische Zentralbank werde erst zur Jahreswende 2005/2006 den Leitzinssatz von 2 Prozent leicht anheben und bliebe bei der expansiven Geldpolitik.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2004, Nr. 289 / Seite 13
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 10 13

30.05.2012 10:10 Uhr
  Vortag
Dax 6.332,87 −1,00%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.380,05 −1,01%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2453 −0,28%
Rohöl Brent Crude 105,70 $ −1,08%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.