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Konjunktur Chinas Wirtschaft läuft auf Hochtouren

25.01.2005 ·  Chinas Wirtschaft ist trotz aller Versuche, die Konjunktur abzukühlen, stärker gewachsen als erwartet. Das BIP legte 2004 um 9,5 Prozent zu. Eine Aufwertung des Yuan scheint unwahrscheinlich.

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China ist trotz aller Versuche, die Konjunktur abzukühlen, im vergangenen Jahr stärker gewachsen als erwartet. Im vierten Quartal lag das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit 9,5 Prozent im Jahresvergleich deutlich über den Erwartungen der Analysten, die von 8,6 Prozent ausgegangen waren.

Im Gesamtjahr wuchs Chinas BIP damit um ebenfalls 9,5 Prozent - das schnellste Tempo in acht Jahren. Im Jahr 2003 war die chinesische Wirtschaft um 9,1 Prozent gewachsen. Von der daraufhin angestrebten "sanften Landung" der Konjunktur ist China weit entfernt. Deshalb gingen Beobachter am Dienstag davon aus, daß Peking seine Schritte zur Abkühlung der Konjunktur zumindest beibehalten werde.

Bremsen, nicht abwürgen

"Peking will die Konjunktur nur ein wenig langsamer wachsen lassen, anstatt sie abzuwürgen, wo sie doch so wichtig ist, um Arbeitsplätze zu schaffen. Vorausgesetzt, die Regierung macht keine Fehler - wie etwa eine plötzliche Zinsanhebung, verbunden mit einer Aufwertung des Yuan -, wird China weiterhin gut vorankommen", sagte Chris Leung von der Singapurer DBS Bank. "Wir werden die makroökonomischen Kontrollen, besonders diejenigen für die Nutzung von Land und die Kreditvergabe, weiter ausbauen", kündigte Li Deshui an, Leiter des Nationalen Statistikbüros. Ende Oktober hatte Peking die Zinsen zum ersten Mal in neun Jahren um 0,27 Prozentpunkte auf 5,58 Prozent für einjährige Ausleihungen und 2,25 Prozent für einjährige Spareinlagen heraufgesetzt.

Chinas Handelsüberschuß wuchs mit umgerechnet 32 Milliarden Dollar auf den höchsten Stand seit sechs Jahren. Der Export zog 2004 um 35,4 Prozent auf 593,4 Milliarden Dollar an. Die Währungsreserven Chinas stiegen auf 609,9 Milliarden Dollar, nach 403,3 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Leung erwartet einen Anstieg auf 750 Milliarden Dollar in diesem Jahr.

Das Ausland investiert über 60 Milliarden Dollar

Trotz der Zinsanhebung und der Abkühlungsmanöver legte das Wachstum im vierten Quartal 2004 gegenüber den vorherigen drei Monaten abermals zu. So scheint es im Rückblick, daß Peking allenfalls Investitionen in einzelnen Branchen bremsen konnte. Insgesamt stiegen die Investitionen in Anlagen im vergangenen Jahr um 26 (28) Prozent auf gut 845 Milliarden Dollar. Mit einem Anteil von 51 Prozent am BIP liegen sie deutlich über dem Wert, den die asiatischen Tigerstaaten vor der Finanzkrise 1997/1998 aufwiesen.

Vor allem zwei Faktoren dürften das Wachstum weiter vorangetrieben haben: die weiterhin hohen Auslandsinvestitionen und das Exportwachstum. Die Investitionen aus dem Ausland stiegen um 13,3 Prozent auf den Rekordwert auf 60,6 Milliarden Dollar. Das Exportwachstum verdankt China nicht zuletzt dem schwachen amerikanischen Dollar: Da der Yuan an den Dollar gebunden ist, wurden mit dem Wertverlust des Dollar auch chinesische Waren auf dem Weltmarkt günstiger.

Keine Änderung des Wechselkurses

"China hat derzeit nicht die Bedingungen, eine Änderung des Währungskurses vorzunehmen", erteilte Li in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters Spekulationen vor dem Treffen der G 7 eine eindeutige Absage. Einige Analysten erwarteten, Peking werde den Yuan nach dem chinesischen Neujahrsfest am 9. Februar aufwerten. "Es wird ein längerer Prozeß notwendig sein. Zudem brauchen wir einen guten und auch realisierbaren Plan, dessen Entwicklung seinerseits wiederum Zeit braucht", sagte Li.

In Peking wurde die Wirtschaftsentwicklung als Erfolg bewertet. Li sprach von einer "schnellen, richtigen und effektiven" Antwort der Regierung auf die Wirtschaftsprobleme. Als Beleg diente ihm unter anderem die Entwicklung der Inflationsrate: Zwar stieg der Index im Gesamtjahr um 3,9 (2003: 1,2) Prozent, doch lag er damit unter dem Acht-Jahres-Hoch, das er im Sommer vergangenen Jahres erreicht hatte.

Quelle: che. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2005, Nr. 21 / Seite 11
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