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Konjunktur China drosselt Wirtschaftswachstum

30.04.2004 ·  Die chinesische Regierung hat einschneidende Maßnahmen ergriffen, um einer Überhitzung der Konjunktur entgegenzutreten. Rohstoffe, asiatische Aktien und Währungen notierten daraufhin schwächer.

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Die chinesische Regierung hat einschneidende Maßnahmen ergriffen, um einer Überhitzung der Konjunktur entgegenzutreten. Nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal um 9,7 Prozent gewachsen war und Investitionen in Produktionsstätten der verarbeitenden Industrie um 43 Prozent hochgeschnellt waren, hatten Fachleute eine Drosselung der Kreditvergabe erwartet.

Dennoch reagierten die Finanzmärkte auf die Maßnahmen der Regierung mit empfindlichen Preiseinbußen vor allem bei Industriemetallen, Gold und Öl. Aus Sorge vor einer Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft und damit geringeren Absatzchancen in China reagierten auch die Währungen im asiatischen Raum und die asiatischen Aktienmärkte mit schwächeren Notierungen.

"Rigorose" Maßnahmen

Während der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao ankündigte, die Regierung werde "rigorose" Maßnahmen erlassen, um das Wachstum zu bremsen, wies die Regierung elf chinesische Banken an, ihre Kredite an Unternehmen bis zu den Feiertagen des 1. Mai zu stoppen. Gleichzeitig wurden Unternehmen, die in die chinesische Stahlindustrie investieren, angeordnet, nicht mehr wie bisher 25, sondern 40 Prozent Eigenkapital in entsprechende Investitionen beizusteuern. Auch bei Investitionen in die Zement-, Aluminium- und Bauindustrie müssen Unternehmen ab sofort mit geringerer Fremdfinanzierung auskommen. Zugleich erhöhte die Zentralbank das dritte Mal in sieben Monaten die Mindestreserve der Banken. Nach Agenturberichten hieß es zudem, daß die Regierung den Bau eines weiteren Stahlwerkes von 1,8 Milliarden Dollar aufgeschoben habe.

Hoffnung auf weniger als 8 Prozent Wachstum

Die stellvertretende Gouverneurin der chinesischen Zentralbank, Wu Xiaoling, betonte, sie hoffe, die Wirtschaft werde dieses Jahr weniger als 8 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr waren es noch 9,1 Prozent gewesen. Vor allem das überschäumende Wachstum in den ersten Monaten diesen Jahres hatte der chinesischen Regierung Sorge bereitet. So hatte sich nach Angaben der Investmentbank Morgan Stanley die Kreditfinanzierung zuletzt mit 21 Prozent ausgeweitet, mehr als mit 16 Prozent für das Jahr 2003 geplant. Die Investitionen kletterten in diesem Jahr bereits um 43 Prozent, in den ersten beiden Monaten des Jahres sogar um 53 Prozent. Die Finanzmärkte warnten seit Monaten bereits, daß China Gefahr laufe, Überkapazitäten zu produzieren, die wiederum zu einem Druck auf Preise, Margen und damit letztlich Investitionsrenditen führen könnten. Dies wiederum könnte das Risiko von Unternehmenskonkursen und Kreditausfällen bei den Banken erhöhen.

"Die Maßnahmen der chinesischen Regierung sind konsequent und waren lange erwartet worden," sagt Hans Schniewind, General Manager der Dresdner Bank in Shanghai. Es sei eine kluge Politik, mit einer Verengung des Kreditmarktes das Wachstum zu einzufangen. Eine in den Finanzmärkten kolportierte Zinserhöhung der chinesischen Zentralbank nächste Woche hält Schniewind jedoch für abwegig. "Steigende Zinsen würden nur noch mehr Anlagekapital nach China ziehen und den Aufwertungsdruck des Renminbi, der chinesischen Währung, erhöhen." Dies will China gerade vermeiden und so hieß es von der Zentralbank auch, die derzeitigen Maßnahmen würden greifen.

Kapitalzufluß von 125 Milliarden Dollar

Nach Angaben von Morgan Stanley verzeichnete China seit Ende Juni 2003 einen Kapitalzufluß von bereits 125 Milliarden Dollar, wovon allerdings nur 37 Milliarden Dollar Direktinvestitionen ausmachten. China sträubt sich seit langem gegen die amerikanischen Forderungen, die Währung aufzuwerten und letztlich sogar von der seit 1995 bestehenden Fixierung des Renminbi an den Dollar abzurücken.

Die Sorge, daß die Phase des rasanten Wirtschaftswachstums in China beendet sein könnte, führte unterdessen zu einer deutlichen Reaktion an den Finanzmärkten, denn China ist einer der größten Käufer an den Rohstoffmärkten. Das Land vereint allein 25 Prozent der Nachfrage am weltweiten Kupfermarkt, etwa 20 Prozent der Nachfrage am Aluminium- und Nickelmarkt und sogar 36 Prozent am Stahlmarkt auf sich. Nachdem die Rohstoff-Preise in den vergangenen Tagen angesichts der Entwicklung in China deutlich gesunken waren, reagierten am Donnerstag vor allem Rohstoff-Aktien in aller Welt mit Preiseinbrüchen. Auch das etwas schwächer als erwartete Wachstum in Amerika im ersten Quartal mit 4,2 und nicht 5 Prozent wie erwartet, lastete auf den Börsen. So notierten nicht nur der chinesische und die ostasiatischen Aktienbörsen schwächer, sondern auch die westlichen Aktienmärkte. Auch viele asiatische Währungen gaben nach.

Quelle: bes., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2004, Nr. 101 / Seite 17
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