18.07.2005 · Notenbanker und Politiker bereiten darauf vor, daß das Wachstum im zweiten Quartal schlecht ausfallen wird. Sie wollen einen Schock an den Finanzmärkten und bei der Bevölkerung vermieden. Die Bundesbank geht sogar von einer Stagnation aus.
Die Deutsche Bundesbank erwartet, daß die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal stagnierte. Die bisher vorliegenden Daten für den Zeitraum April bis Juni ließen vermuten, daß die gesamtwirtschaftliche Produktion sich im zweiten Quartal etwa auf dem Niveau des ersten Jahresviertels gehalten habe, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank für Juli. Die Europäische Kommission geht davon aus, daß auch die Wirtschaft im Euro-Raum im zweiten Quartal langsamer als zuvor gewachsen ist.
Die Kommission erklärte dies am Montag in ihrem Vierteljahresbericht über den Euro-Raum vor allem mit den unerwartet stark gestiegenen Ölpreisen. Der für Wirtschaft und Finanzen zuständige Generaldirektor in der Kommission, Klaus Regling, sagte bei der Vorstellung des Berichts in Brüssel, im laufenden Quartal werde sich das Wachstum wiederbeleben. Voraussichtlich werde die Euro-Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen sein; ursprünglich hatte die Kommission mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Bis zum Jahresende werde die Potentialwachstumsrate erreicht sein. Diese wird auf 1,8 bis 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschätzt.
In Deutschland stützt die Inlandsnachfrage
Nach Angaben der Bundesbank dürfte in Deutschland zuletzt die Inlandsnachfrage die Konjunktur gestützt haben. Die realen Anlageinvestitionen könnten gestiegen sein, während der private Konsum sich wohl unverändert gehalten habe, hießt es. Die Unternehmen hätten ihre Vorräte kräftig aufgestockt. Dies deckt sich mit dem Importzuwachs, der stärker ausfiel als das Exportplus. Der Außenbeitrag dürfte so das Wachstum belastet haben, vermutet die Bundesbank.
Die erwartete Stagnation in Deutschland im zweiten Quartal ist auch eine Gegenbewegung zu dem außergewöhnlich kräftigen Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um ein Prozent zu Jahresbeginn, das wie im gesamten Euro-Raum nach Ansicht vieler Volkswirte statistisch überzeichnet war. Notenbanker bereiten derzeit die Finanzmärkte und die Bevölkerung darauf vor, daß die Wachstumsdaten für das zweite Quartal auch aus statistischen Gründen enttäuschend ausfallen werden, um eine psychologisch negative Reaktion zu begrenzen. Erste Berechnungen für das Wirtschaftswachstum von April bis Juni werden im August veröffentlicht.
Stukturelle Wachstumsunterschiede machen Sorgen
Im Vierteljahresbericht beschäftigt die EU-Kommission sich ausführlich mit den Wachstumsunterschieden zwischen den einzelnen Euro-Staaten. Sie wiederholt darin aber im wesentlichen die Befunde anderer internationaler Institutionen. Regling sagte, die Wachstumsunterschiede seien weder überraschend noch bedrohlich. Im Ausmaß ähnelten sie den Unterschieden zwischen den amerikanischen Bundesstaaten oder den deutschen Bundesländern. Auch hätten sich die Konjunkturzyklen zwischen den Euro-Staaten weitgehend angeglichen.
Anlaß zur Sorge gebe allein die Tatsache, daß die Unterschiede fast ausschließlich strukturelle Gründe hätten, vor allem die mangelnde Flexibilität von nationalen Güter- und Arbeitsmärkten. Die Unterschiede im Wachstumspotential seien im Euro-Raum noch nie so groß gewesen wie derzeit.
Euro-Inflation steigt auf 2,1 Prozent
Eurostat, das statistische Amt der Kommission, teilte am Montag nach endgültigen Berechnungen mit, daß die Inflationsrate im Euro-Raum im Juni leicht von 2 auf 2,1 Prozent gestiegen ist. Maßgeblich dafür war der starke Energiepreisanstieg um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ohne Energie und ohne die besonders schwankungsanfälligen Preise für unverarbeitete Nahrungsmittel hätte die sogenannte Kerninflationsrate nur 1,4 Prozent betragen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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