15.08.2005 · Die Unternehmen investieren etwas mehr, doch der Konsum geht weiter zurück. Der Ölpreisanstieg und die Euro-Abwertung vergrößern nach Einschätzung der Bundesbank die Inflationsrisiken.
Trotz im Frühjahr gestiegener Ausrüstungsinvestitionen steht eine echte Erholung der deutschen Investitionsnachfrage nach Einschätzung der Bundesbank noch aus.
„Von einer durchgreifenden Belebung der Investitionsnachfrage kann noch nicht die Rede sein“, hieß es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank. Während die Unternehmen im zweiten Quartal zumindest etwas mehr in Ausrüstungen investiert hätten und sich die Baunachfrage von dem wetterbedingten Einbruch zu Jahresbeginn erholt habe, hätten die Bürger erneut weniger konsumiert. Der Impuls vom Außenhandel schwächte sich im Vergleich zum Vorquartal ab: Der negative Außenbeitrag zehrte den Anstieg der Inlandsnachfrage auf. Die Aussichten für die Exporteure seien aber günstig, wenngleich der hohe Ölpreis eine Gefahr für die Weltwirtschaft bleibe.
Inlandsnachfrage stützt das Wachstum
Nach Ansicht der Bundesbank spiegelt die bereits am vergangenen Donnerstag gemeldete Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Vierteljahr (Die deutsche Wirtschaft stagniert) die Konjunkturdynamik ebenso wenig wider wie der starke Anstieg um 0,8 Prozent in den ersten drei Monaten. „Die etwas längerfristige Tendenz kommt aber besser zum Ausdruck, wenn man die ersten beiden Quartale dieses Jahres zusammenfaßt“, hieß es. Das BIP habe im ersten Halbjahr 2005 zur zweiten Jahreshälfte 2004 um rund 0,75 Prozent zugelegt. Analysten gehen davon aus, daß Deutschland im Sommer auf Wachstumskurs zurückgekehrt ist. Details zum BIP im zweiten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt nächste Woche.
Von April bis Juni stützte der Bundesbank zufolge eine etwas stärkere Inlandsnachfrage das Wachstum: „Dahinter standen aber in erster Linie Lageraufstockungen von Vorleistungs- und Konsumgütern.“ Bei den Ausrüstungsinvestitionen habe sich die positive Entwicklung vom Jahresanfang fortgesetzt, die Dynamik habe aber deutlich nachgelassen. Trotz der Erholung vom Einbruch im Winter blieben die Bau-Ausgaben verhalten, die Bau-Aufträge lagen merklich unter dem Vorjahresniveau. „Daran wird deutlich, daß der strukturelle Anpassungsprozeß, der den Hochbau stärker betrifft als den Tiefbau, noch nicht beendet ist.“
Weiterhin gute Exporterwartungen
Erneut rückläufig waren die Konsumausgaben. „Dies hing vor allem mit den schwachen Käufen beim traditionellen Einzelhandel zusammen.“ Die Perspektiven der Haushalte würden weiter durch die hohe Arbeitslosigkeit getrübt. Wegen der schwachen Lage am Arbeitsmarkt habe sich auch die Tendenz zu gemäßigten Lohnerhöhungen, dem Abbau tariflicher Sonderleistungen sowie zur Verlängerung der Arbeitszeit fortgesetzt.
Die Exportwirtschaft profitierte der Bundesbank zufolge auch im Frühjahr vom robusten Wachstum der wichtigsten Absatzmärkte. „Allerdings haben die Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft, die bislang eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit aufwies, aufgrund nochmals steigender Ölpreise zugenommen“, warnten die Volkswirte. Einige Faktoren sprächen aber für weitere Exporterfolge: „Anhaltend zuversichtliche Exporterwartungen sowie die weitere Abwertung des Euro im Berichtszeitraum - verbunden mit einer entsprechenden Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft - deuten auf ein auch künftig günstiges Umfeld für die heimischen Exportunternehmen hin.“
Schwächerer Euro wirkt sich mit Verzögerung aus
Zum saisonbereinigten Ausfuhranstieg von zwei Prozent im Frühjahr habe neben einem breit angelegten Zuwachs der Verkäufe in andere Länder der Euro-Zone besonders ein schwungvoller Handel mit den neuen EU-Mitgliedsländern beigetragen. „Die Warenlieferungen in außereuropäischen Länder und Regionen waren hingegen insgesamt gesehen rückläufig.“
Dies sei zum Teil eine Gegenreaktion auf das starke erste Vierteljahr gewesen. Zudem wirke sich die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit durch den wieder schwächeren Euro erst mit Verzögerung aus.
Öl und Euro vergrößern Inflationsrisiken
Der Ölpreisanstieg und die Euro-Abwertung vergrößern nach Einschätzung der Bundesbank die Inflationsrisiken im Euro-Raum. Bisher habe es trotz der höheren Ölpreise zwar keine Anzeichen für binnenwirtschaftlichen Inflationsdruck gegeben, die eine Abkehr von der zinspolitischen Geradeausfahrt nahe gelegt hätten. „Allerdings sind die Inflationsrisiken mit dem Ölpreisanstieg in den Sommermonaten und der bis zur Jahresmitte zu verzeichnenden Abwertung des Euro eher größer geworden.“ Zudem erfordere die reichliche Geldversorgung der Wirtschaft „hohe geldpolitische Wachsamkeit.“ Die Preisrisiken müßten weiter genau beobachtet werden.
Die Bundesbank äußerte sich damit etwas besorgter als zuletzt die Europäische Zentralbank (EZB) über die Aussichten für die Preisstabilität im Euro-Raum. Die EZB hatte vor mittelfristigen Aufwärtsrisiken durch Ölpreis und Geldmengenwachstum gewarnt, aber etwas milder als die Bundesbank von „unverminderter“ Wachsamkeit gesprochen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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