Die deutschen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben im September unerwartet viele Aufträge erhalten. Das ist nach Einschätzung von Bankvolkswirten ein deutliches Signal, daß es mit der Konjunktur allmählich aufwärtsgeht. Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima weisen schon seit Monaten auf eine leichte Besserung der Wirtschaftslage hin.
Die Industrieunternehmen verzeichneten im September in saisonbereinigter Rechnung ein reales Auftragsplus von 0,9 Prozent gegenüber August. Analysten hatten laut Umfragen durchschnittlich nur ein Plus von 0,6 Prozent erwartet. Im August waren die Aufträge nach revidierten Angaben um 0,1 Prozent gesunken, was auch eine Folge der ungewöhnlich spät liegenden Schulferien in diesem Jahr war.
Im gesamten dritten Quartal lag der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ein Prozent höher als im Frühling. „Damit senden jetzt auch die Auftragseingänge ein Aufschwungsignal“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Invesco Asset Management. Ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Vierteljahr werde wahrscheinlicher, wertete Krämer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte vorläufig ein leichtes Plus von 0,1 Prozent zum Vorquartal berechnet. Bankvolkswirte sind zum Teil mit Schätzungen von 0,2 oder 0,3 Prozent optimistischer. Im ersten Halbjahr war das deutsche BIP geschrumpft.
Analysten bezeichneten es als erfreulich, daß die Aufträge aus dem Inland im September um 2,1 Prozent gestiegen sind. Damit wurde das Minus von 1,6 Prozent im August mehr als ausgeglichen. Das zeigt an, daß auch die inländische Konjunktur in Schwung kommt. Die Auslandsaufträge gingen dagegen im September um 0,5 Prozent zurück, nach einem Plus um 1,8 Prozent im August. Krämer bezeichnete Ängste, der starke Euro könne die Erholung abwürgen, als unbegründet. Der Aufwertungseffekt werde durch die Belebung der Weltwirtschaft mehr als ausgeglichen.
