29.10.2009 · Nach einem Jahr in der Rezession ist die amerikanische Wirtschaft erstmals wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent zu, wie das Handelsministerium unter Berufung auf eine erste Schätzung mitteilte.
Die amerikanische Wirtschaft wächst nach einjähriger Unterbrechung wieder. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,5 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag nach ersten Berechnungen mitteilte. Das ist das erste Wachstum nach vier Minus-Quartalen in Folge.
Noch im zweiten Vierteljahr hatte es einen Rückgang um 0,7 Prozent gegeben. Die von Reuters befragten 77 Analysten hatten im Schnitt ein Wachstum von 3,3 Prozent vorhergesagt. Der Aufschwung wird vor allem den gigantischen Anti-Krisen-Programmen von Regierung und Notenbank zugeschrieben. Besonders der Erfolg der Abwrackprämie „Cash for Clunkers“ nach deutschem Vorbild trug Fachleuten zufolge deutlich zum Plus bei. In den zwölf Monaten bis Juni schrumpfte die amerikanische Wirtschaft als Folge der verheerenden Finanzkrise um 3,8 Prozent - nach Angaben der Fachagentur Bloomberg der schlimmste Absturz seit sieben Jahrzehnten.
Auch der private Wohnungsbau, der um 23,4 Prozent nach oben schnellte, profitierte von staatlicher Unterstützung. Käufer erhalten noch bis Ende November einen Steuernachlass von 8000 Dollar, wenn sie zum ersten Mal eine eigene Immobilie erwerben. Kreisen zufolge haben sich führende Vertreter beider Parteien im Senat auf eine Verlängerung des Programms bis April geeinigt.
Wohnungsbau trägt zum Wachstum bei
Mit der kräftigen Erholung trug der Wohnbau erstmals seit 2005 zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft bei. Dennoch ist damit gerade einmal der scharfe Einbruch um 23,3 Prozent vom Vorquartal ausgeglichen. Der Lagerabbau trug einen Prozentpunkt zum Wachstum bei.
Düster sieht es dagegen noch bei den Investitionen aus. Allein der Bau gewerblicher Immobilien gab um neun Prozent nach, was andauernde Probleme in diesem Markt andeutet. Zuletzt warnten hier auch Vertreter der Notenbank Fed vor Schwierigkeiten. „Wir arbeiten uns durch ein tiefes Loch, und es wird noch lange dauern, bis wir uns daraus befreit haben“, sagte Nigel Gault von IHS Global Insight.
„Zum jetzigen Zeitpunkt sagen die Zahlen nur, dass die Rezession vorbei ist, nun wird es um die Geschwindigkeit der Erholung gehen“, sagte der Chef-Finanzökonom der Bank of Tokyo-Mitsubishi in New York, Chris Rupkey, zu Bloomberg. „Es wird eine Menge Skeptiker geben, weil die Abwrackprämie solch eine prominente Rolle spielt.“ IHS-Experte Gault bezweifelt, dass die Erholung in diesem Tempo weitergeht. „Ich schätze, wir werden noch einmal so etwas im vierten Quartal sehen, aber dann wird es schwächer.“
Leitzins dürfe niedrig bleiben
Das Konjunkturprogramm der amerikanischen Regierung umfasst 787 Milliarden Dollar (532 Milliarden Euro). Neben Milliarden-Spitzen für die Finanzbranche senkte zudem die Notenbank ihren Leitzins auf ein historisches Tief von beinahe Null Prozent und versuchte auch mit anderen Maßnahmen, den Kreditmarkt in Schwung zu bringen. Mit einer Erhöhung des Leitzinses wird nicht vor der zweiten Hälfte 2010 gerechnet.
Trotz des neuen Aufwärtstrends bei Wachstum verharrt die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau. Im September betrug die Quote 9,8 Prozent. Ökonomen rechnen damit, dass sie bis ins nächste Jahr hinein weiter steigt und danach nur allmählich abnimmt. Die Deutsche Bank erwartet Ende nächsten Jahres immer noch eine Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent.
Es wird befürchtet, dass ein allmähliches Zurückfahren der staatlichen Hilfen in den nächsten Quartalen dem wiedergefundenen Aufschwung einen deutlichen Dämpfer versetzen könnte. Während die Investmentbank Goldman Sachs mit drei Prozent Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2009 rechnet, erwartet sie im Schnitt für 2010 nur ein Plus von 1,75 Prozent. Der Internationale Währungsfonds liegt mit seiner Schätzung von 1,5 Prozent sogar noch darunter.
Die Vereinigten Staaten befinden sich seit Dezember 2007 offiziell in der Rezession. Die Rückkehr zum Wachstum bedeutet aber noch nicht automatisch deren offizielles Ende: In den Vereinigten Staaten entscheidet das Nationale Wirtschaftsforschungsinstitut NBER darüber, wann eine Rezession vorüber ist. Mit einer genauen Bestimmung des Endpunkts wird erst in den nächsten Monaten gerechnet.
Was ist dieses Wachstum wert?
Horst Henn (glufa)
- 29.10.2009, 16:35 Uhr
Amerikanisches Konjunkturpaket
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 29.10.2009, 16:58 Uhr
Amerikas Wirtschaft
wolfgang lotz (faircrestangus)
- 29.10.2009, 19:27 Uhr
Die US Wirtschaft wächt NICHT
Carolus Doomdey (Domday)
- 29.10.2009, 20:37 Uhr
Was machen wir eigentlich bei der nächsten Krise?
Andreas Eichel (killboy)
- 29.10.2009, 21:25 Uhr
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