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Kommentar Spiel mit Inflationserwartungen

 ·  Die Notenbanken kriegen die Konjunktur nicht in Schwung, obwohl sie viel Geld bereitstellen. Jetzt kommt ein Vorschlag: Sie sollen den Bürgern Angst vor Inflation machen. Das ist gefährlich.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (15)
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Reinhold Wuest

Pragmatisch und transparent - auf den ersten Blick

Das Konzept ist vollkommen richtig, weil die Schulden aus den öffentlichen Haushalten irgendwie weg müssen und niemand die Schuld je tilgen wird. Die Gesellschaften definieren ihre Kultur über Konsum und so mancher seine Persönlichkeit und seinen Status. Daneben zwingt es das Geld in die Aktien, wenn man es vor der Inflationierung schützen will. Besonders schön machen sich auch die bilanziellen Scheingewinne. Wie das aber dann steuerlich funktionieren soll, ohne dass dies zu Lasten der Substanz geht? Es müssten also Investitionen her, die möglichst linear über 5-10 Jahre abgeschrieben werden könnten, um die Besteuerung zu vermeiden. Jedenfalls müssen dann auch 5% aufs Eigenkapital dazu kommen, sonst schrumpft das. Die verschuldeten Unternehmen profitieren jedoch von der Inflation. Und wie das mit der Flucht in Sachwerte? Irgendwie doch nicht so toll, denn es bewirkt eine Fehlallokation der Produktionsfaktoren, ist also wachstumsfeindlich.

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Klaus Hessenauer

Ist der Ruf erst ruiniert...

Nun scheint es endgültig klar, die überschuldeten Staatshaushalte sollen über Inflation saniert werden. Das ist für die herrschenden Geldverbrenner auch der einfachste Weg. Dazu braucht es keine unpopulären Sparbeschlüsse, keine Subventionen müssen gestrichen werden, und wenn man díe Inflation herbeiredet muss man dazu noch nicht mal die Löhne erhöhen! Wirklich praktisch.

Dass daran auch ein ehemaliger Goldman Sachs Manager beteiligt ist, wen wunderts?
Wenn es immer schwieriger wird bei den überschuldeten Staaten abzukassieren, dann müssen jetzt die Bürger direkt ran. Also Kredite aufnehmen und drauflos konsumieren, alles zum Wohle von GS und der Banken!

Ach so, zum Ruf der Zentralbanken gilt wohl inzwischen:
Ist der Ruf erst ruiniert...
lebt sichs völlig ungeniert!

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Werner Mueller

Vielleicht hat es bei der FAZ bisher noch keiner gemerkt ...

... aber Inflationsängste werden doch schon seit Jahren geschürt.. übrigens auch von dieser Zeitung. Und viele Menschen sind darauf hereingefallen und haben sich weiter verschuldet (weil die Zinsen ja so schön billig sind). Wie das gehen kann, dass können wir in Griechenland, Spanien und jetzt auch den Niederlanden sehen.

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Rolf Huchthausen

Nix gelernt, Mr. Carney?

Die aktuelle Situation ist direktes Produkt der Verschuldung auf allen Ebenen zur Befeuerung einer Konjunktur, die in immer engeren Zyklen um den Globus läuft. Das soll jetzt noch schneller gehen?

Privatkredite, Schulden der öffentlichen Hand, Schulden der Unternehmen u.a. für Expansionen zum Absurfen der Konjunkturspitzen. Die Wiedersprüchlichkeit von derartigen Aussagen zeigt direkt proportional die Aussichtslosigkeit der Situation auf.

Statt immer mehr, immer schneller, wie wäre es mit Entflechtung globalisierter Strukturen? Neue (alte) Ideen wie Landreform? Die Uni Delfft hat errechnet, daß eine Entflechtung der europäischen subventionenaufgeblasenen Landwirtschaft bis zu 500.000 neue Arbeitsplätze bringen könnte.

Abbau von Subventionen in anderen Bereichen ist nicht betrachtet, durchspielenswert ist dieser Gedanke dennoch. Zur Niveaustabilisierung müssten die Profiteure der "alten Wirtschaft" allerdings enteignet werden, also vielfach Subventionsbetrüger und Politiker!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.12.2012 12:51 Uhr
Sophia Orti
Sophia Orti (rum) - 21.12.2012 12:51 Uhr

Doch, gelernt

Denn alles, was wir erleben, ist absichtlich gewollt.

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Closed via SSO

"Rest von Vertrauen"

Das ist vermutlich zu milde formuliert.

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Michael Drese
Michael Drese (Nico58) - 21.12.2012 10:54 Uhr

Abwrackprämie für Bares...

kommt eben dann, wenn einem nichts mehr einfällt. Nur ist die dann nur noch die Hoffnung auf ein Konjunkturwachstum, das es ermöglicht, das galoppierende Pferd der Verschuldung einigermaßen im Zaum zu halten. Besser wäre es, die kreditgebenden Sparkassen und Banken anzuhalten oder gar zu verpflichten, Gelder deutlich günstiger zu verleihen, als es momentan geschieht - obwohl sie sich das Geld ihrerseits quasi zum Nulltarif leihen können. Genehmigte Kontokorrentkredite sind mit 12-14% abentuerlich hoch, ja sogar Zinswucher, und bremsen damit fundamental die Kaufkraft bei Privaten und Unternehmen.

M. Drese

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Rainer Egold

Zustimmung!

Wenn sich Finanzmarktakteure sich in höchstem Maße irrational verhalten, sich durch Emotionen und Wahrsagerei in ihren Aktivitäten leiten lassen, dann ist es völlig unangemessen, wenn eine Zentralbank auch noch solche Emotionen wie Ängste schürt: Sie gäbe dadurch ihre tendenziell rationale Position auf, ohne das irgendetwas an dem Grundproblem geändert würde. Ängste, die Handeln leiten, führen nur in seltenen Fällen zu einer volkswirtschaftlich sinnvollen Allokation von Resourcen. In Immobilien zu investieren aus Angst vor Inflation kann eine Immobilienblase erzeugen, angefeuert von niedrigen Kreditzinsen. Und wer verfügbare Einnahmeüberschüsse nur verausgabt, weil er Angst vor Inflation hat, wird sich nur selbst schaden. Was ist denn der Grund für rezessive Tendenzen in Europa? Zum einen die niedrigen Einkommen eines großen Teils privater Haushalte. Und diese Einkommen vermehren sich nicht durch Inflationsängste!

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Dr. Oliver Strebel

Der mögliche Minsky-Moment für die Märkte 2013/2014: Die Geldpolitik ist machtlos!

Nach Minsky-Moment kann man googeln ;) .

Eigentlich müssten die Zentralbanken wissen, daß der Geldmultiplikator, wonach geschöpftes Zentralbankgeld die Kreditvergabe der Banken befeuern, nicht existiert. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie von Carpenter und Demiralp, die seit 2010 auf den Seiten der Fed verfügbar ist.

Das viele geschöpfte Zentralbank-Geld bleibt im Finanzsektor und sorgt dort für Unruhe an den Märkten, weil es kurzfristig und verzweifelt sinnvolle Gegenwerte sucht. In der Realwirtschaft und beim Verbraucher kommt es in Form von Bankkrediten nicht an.

Echte Inflation braucht echte Nachfrage. Die wird es in Europa aber angesichts des Sparzwanges nicht geben. Trotz der Versuche der Politik und Zentralbanken, Inflation zu erzeugen (Sogar der FDP-Politiker Brüderle plädierte für Lohnerhöhungen *lol*), ist die Inflation schwach.

Deflation ist unser Schicksal, denn Inflationserwartungen wurden von den Medien schon massiv ohne Erfolg geschürt.

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Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 21.12.2012 13:30 Uhr
Werner Mueller

Sehr richtig erkannt: Deleveraging ist unvermeidlich.

Daran führt kein Weg vorbei. Japan probiert seit 20 Jahren, Inflation zu "erzeugen". Ohne jeden Erfolg. Wenn die FED/ECB mit dem Zentralbankgeld nicht mehr weiterkommen, so fürchte ich, wird es das Imperium und seine Vasallen mit einem großen Krieg versuchen; die Inflation wird quasi herbeigebombt. Dann kann das Ponzispiel vielleicht noch einmal 50-60 Jahre weitergehen und man wird die vielen Arbeitslosen auch günstig "los" (so zynisch wird wohl gedacht). Nicht umsonst versucht man alles, um den Iran zu provozieren ... sobald sich da was muckst wird die Kriegsmaschine in Bewegung gesetzt.

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Dr. Oliver Strebel

@Herr Schulin: In diese Richtung wird es wohl gehen

Jedenfalls meiner bescheidenen Einschätzung nach.

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Sophia Orti
Sophia Orti (rum) - 21.12.2012 11:24 Uhr

Je mehr Geld sich in den Konten von wenigen sammelt, ...

... ohne dass das neue Geld sich in weitere Kreditvergabe wandelt, desto mächtiger werden diese wenigen. Diese Geldpolitik ist nicht wie die frühere, die durch Wechseldiskont direkt eine Wirkung auf die Wirtschaft hatte, sie ist eine Geldpolitik für Menschen wie die Kunden von Goldman Sachs.

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Closed via SSO

Noch schöner?

Wie wäre es denn mit Deflation im Lohnbereich des realen Arbeits- und Dienstleistungssektors bei gleichzeitiger spekulativer Blasenbildung im fundamentalen Bereich von Rohstoffen, Ackerland und Immobilien? Dorthin fliessen zur Zeit viele der exorbitanten Summen aus dem Finanzsektor. Das wäre dann wirklich eine äußerst giftige Mischung, die theoretisch glaube ich ziemlich neu wäre, eine ´Errungenschaft´ globalisierter Märkte. Ist das denkbar?

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Peter Gorski

Inflationsangst schüren?

noch mehr ?
wie abartig ist das denn?
wie wäre es stattdessen, den Menschen wieder ordentlichere Löhne zu zahlen?
und mit der derzeitigen Rentenangst für die Zukunft ist es auch unlauter, die Leute zu Konsum auf Teufel komm raus zu treiben!

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Sophia Orti
Sophia Orti (rum) - 21.12.2012 10:06 Uhr

Der designierte Gouverneur der Bank von England, Mark Carney aus ...

... Goldmann Sachs.

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21.12.2012, 09:06 Uhr

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