pwe. Ein hoher Ölpreis ist ein zweischneidiges Schwert. Er treibt die Inflation nach oben, und zugleich drückt er das Wirtschaftswachstum. Auf den ersten Blick stellt dies die Geldpolitik vor ein Dilemma: Höhere Inflationsaussichten legen eine Zinserhöhung nahe, gedämpfte Wachstumsperspektiven eine Zinssenkung. Doch dieses Bild trügt. Tatsächlich haben Notenbanken nur eine einzige sinnvolle Möglichkeit, auf hohe Ölpreise zu reagieren. Sie müssen dafür Sorge tragen, daß der zeitweise Preisschub sich nicht zu einem dauerhaften Inflationsanstieg auswächst. Zweitrundeneffekte etwa in Form von kompensierenden Lohnsteigerungen müssen vermieden werden, steigende Inflationserwartungen dürfen sich nicht verfestigen. Sie würden den Preisdruck erhöhen und das Wirtschaftswachstum noch zusätzlich belasten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hofft, daß die Ölpreise in absehbarer Zeit wieder sinken werden. Dafür spricht einiges, doch Gewißheit gibt es nicht. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat erklärt, daß die europäischen Geldpolitiker Zweitrundeneffekte verhindern werden. Das ist die Ansage einer Zinserhöhung - noch unter der Nebenbedingung eines dauerhaft hohen Ölpreises. Die absehbare Erholung der europäischen Wirtschaft und der hohe Geldüberhang erlauben und erfordern, einen solchen Zinsschritt rechtzeitig und vorbeugend zu gehen.
