pwe. Schwungvoll hat Frankreichs Wirtschaft den Wachstumseinbruch im dritten Quartal 2004 überwunden. Deutschland gelang das nicht. Schätzungen sehen für das Jahresschlußquartal ein Wachstum von 0,2 Prozent zum Vorquartal - gegenüber 0,7 Prozent in Frankreich. Die wirtschaftliche Dynamik spielt - wie schon in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre - jenseits des Rheins. Frankreich hängt weit weniger als Deutschland am Export und schöpft seine Wachstumskraft aus dem Inland. Seine Beschäftigung entwickelt sich trotz höherer Arbeitslosenquote besser als die deutsche. Die Konsumenten sind ausgabefreudiger. All das sind Fakten, keine Erklärungen für den Wachstumsvorsprung. Auch Ökonomen rätseln. Ein gewichtiger Grund für Frankreichs Führung ist die deutsche Bauwirtschaft, die seit Jahren am Abbau von Überkapazitäten laboriert. Zudem hat Paris früher als Berlin den Stabilitätspakt mißachtet und mit defizitfinanzierten Steuersenkungen die Wirtschaft kurzfristig angeschoben. Eine jahrelange Stagnation wurde so vermieden; der Preis für die schneller wachsende Staatsschuld aber ist noch zu entrichten. Nicht zuletzt wuchs Frankreichs Bevölkerung seit 1995 um 3,7 Prozent, gegenüber 1,2 Prozent hierzulande. Ein Teil der Wachstumsdifferenz gründet darin - und verweist auf die künftigen Probleme Deutschlands.
