http://www.faz.net/-gqe-90qbo

Konjunktur : Von Japans Wachstum kann die Welt nur träumen

  • Aktualisiert am

Die Japaner sind in Kauflaune. Bild: Reuters

Die japanische Wirtschaft wächst und wächst – mittlerweile seit sechs Quartalen in Folge. Diesmal ist der Zuwachs noch stärker als erwartet.

          Japans Wirtschaft ist im Frühjahr so schnell gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 4,0 Prozent zu, wie die Regierung am Montag mitteilte. Damit wächst die Wirtschaft weit stärker als in den Vereinigten Staaten und kräftiger als von Ökonomen erwartet. Diese hatten lediglich ein Plus von 2,5 Prozent auf dem Zettel. Die Japaner zeigten sich ausgabefreudig und die Unternehmen investierten zugleich kräftig. Anders als zu Jahresbeginn trugen die Exporteure hingegen nicht mehr zum Wachstum bei.

          Die Wirtschaft in dem asiatischen Land wächst seit mittlerweile sechs Quartalen in Folge. Zuletzt hat Japan einen solch langen Aufschwung Mitte des vorigen Jahrzehnts durchlebt. Die Investitionen legten im Frühjahr um 2,4 Prozent zu und damit doppelt so stark wie erwartet. Und die lange zurückhaltenden Verbraucher sprühten vor Kauflaune: Sie legten sich vermehrt langlebige Güter wie Autos und Haushaltsgeräte zu. Auch für Restaurant-Besuche ließen sie mehr Geld springen. All dies deutet laut Fachleuten darauf hin, dass die immer wieder als Achillesferse der Wirtschaft geltende Binnennachfrage zur Stütze des Wachstums wird.

          Tokio : Japans Wirtschaft wächst stärker als erwartet

          Der private Konsum steht für zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Er legte zum Vorquartal um 0,9 Prozent zu. Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea verheißen allerdings schlechte Nachrichten für die Exporteure, da der Yen im Sog der Krise zum Dollar zugelegt hat. Dies verteuert die Ausfuhren. Die Tokioter Börse schloss daher trotz der ungewöhnlich guten BIP-Zahlen im Minus. Dass der Konjunkturmotor auch ohne einen Wachstumsbeitrag der Ausfuhrwirtschaft rund läuft, ist laut dem Ökonomen Hiroshi Miyazaki vom Finanzhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities dennoch ein gutes Omen: „Auch wenn der private Konsum in den kommenden Quartalen wohl etwas langsamer wachsen dürfte, ist die Basis für ein Wiederaufleben der Konsumfreude gelegt.“

          Damit dürfte die Notenbank BoJ, die mit einer Geldflut für mehr Inflation sorgen will, ihrem Ziel ein kleines Stück näherkommen. „Wir sind im Aufschwung. Das wirkt sich positiv auf die Inflation aus“, sagte Notenbank-Beobachter Hidenobu Tokuda vom Mizuho Research Institute. Auf breiter Front fallende Preise hatten die Konjunktur lange gelähmt. Verbraucher halten sich in einer solchen Situation in der Hoffnung auf immer günstigere Angebote zurück, Löhne sinken und Firmen stellen Investitionen zurück.

          Die BoJ geht davon aus, dass sie die Teuerungsrate bis 2020 auf den Zielwert von 2,0 Prozent treiben kann, der als optimal für die Wirtschaft angesehen wird. Der als künftiger Notenbankchef Japans gehandelte Ökonom Kazumasa Iwata hält dies jedoch für zu ambitioniert: „Selbst der Weg zum Ziel einer Inflationsrate von einem Prozent scheint ziemlich steinig, wenn man sich die jüngsten Daten ansieht“, so der Ökonom. Die Verbraucherpreise waren im Juni auf Jahressicht nur um 0,4 Prozent gestiegen.

          Quelle: hade./Reuters

          Weitere Themen

          Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg Video-Seite öffnen

          UN-Sanktionen zum Trotz : Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

          Unbeeindruckt von neuen UN-Sanktionen hat Nordkorea eine weitere Rakete abgefeuert. Das Geschoss sei über Japan geflogen, teilten südkoreanische und japanische Regierungsvertreter am Freitag mit. Anschließend sei es mehrere tausend Kilometer östlich von der japanischen Insel Hokkaido in den Pazifik gestürzt.

          Topmeldungen

          Trumps UN-Rede : Feurige Worte und tödliche Missverständnisse

          Donald Trump hebt die Bedeutung „souveräner Nationalstaaten“ hervor und teilt gegen Nordkorea aus. UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Einigkeit – mit einem Seitenhieb gegen den amerikanischen Präsidenten.
          Polizisten beobachten das Geschehen auf der Wiesn. Auch auf dem diesjährigen Oktoberfest kam es bereits zu sexuellen Übergriffen.

          Anstieg von Sexualstraftaten : Warnungen eines Wahlkämpfers

          Bayerns Innenminister Herrmann rühmt sich mit der hohen Sicherheit in seinem Bundesland. Die Zunahme der Sexualstraftaten – sowohl durch Deutsche als auch Ausländer – ist jedoch alarmierend.

          Schwache Zahlen : Die unsichere Ernte der Grünen

          Vor vier Jahren lehnten die Grünen eine Koalition mit der Union ab. Nun würden sie gerne, doch es sieht schlecht aus. Die aktuellen Prognosen sprechen gegen Jamaika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.