09.05.2007 · Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bessert sich merklich im internationalen Vergleich. Das belegt eine neue Studie. Im Ranking des „World Competitiveness Yearbook 2007“ ist das Land von Platz 25 auf Platz 16 aufgestiegen.
Von Karen HornDie Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bessert sich im internationalen Vergleich. Das geht aus dem "World Competitiveness Yearbook 2007" des International Institute for Management Development (IMD) im schweizerischen Lausanne hervor. In der abermals von den Vereinigten Staaten angeführten Rangliste von 55 Staaten und Regionen hat Deutschland einen deutlichen Satz nach vorn gemacht, von Rang 25 im vergangenen Jahr auf Platz 16. Die Verbesserung um neun Plätze ist die stärkste positive Veränderung, die das IMD in aller Welt verzeichnet. Im Jahr 2005 stand Deutschland noch auf Platz 21, 2004 auf Platz 19 und 2003 auf Platz 20.
Das IMD arbeitet für seinen Index mit ausländischen Partnerinstitutionen zusammen; in Deutschland ist dies der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). In den Index fließen 314 gleichgewichtete Kriterien ein, von denen zwei Drittel aus statistischen Daten und ein Drittel aus einer Umfrage unter rund 4000 Führungskräften gewonnen werden.
Sämtliche Indikatoren verbessert
Sämtliche vier Teilindikatoren, aus denen sich der Gesamtindex des IMD zusammensetzt, haben sich für Deutschland verbessert. Der Teilindikator "wirtschaftliche Leistung", der das makroökonomische Gesamtbild zusammenfasst, hat sich am stärksten erhöht: von Rang 20 auf Platz 8. Damit sind allerdings die besseren Werte aus den Jahren 2003 (Rang 6) und 2004 (Rang 4) noch nicht wieder erreicht. Als besonders solide Säulen der wirtschaftlichen Leistung haben sich die Exportwirtschaft und die Attraktivität Deutschlands für ausländische Portfolioinvestitionen erwiesen. Als Schwachpunkte verbleiben nach Angaben des IMD, dass Deutschland nicht als dauerhafter, von Abwanderung unbedrohter Standort für Produktion, Forschung und Entwicklung gesehen wird, dass das Bruttoinlandsprodukt zwar stärker als zuvor, aber trotzdem verhalten wächst und dass der Zufluss von Direktinvestitionen vergleichsweise schwach ist.
Auch der Teilindikator "Regierungseffizienz", in den der Zustand der öffentlichen Finanzen, die Fiskalpolitik und die allgemeinen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen einfließen, hat sich verbessert. Hier ist Deutschland von Platz 28 auf Platz 23 aufgestiegen. Problematisch sind hier sowohl die Höchstsätze der Unternehmensbesteuerung, die Lohnnebenkosten und der Kündigungsschutz als auch die Staatsverschuldung. Mit Blick allein auf die öffentlichen Finanzen rangiert Deutschland unter 55 Ländern nur auf Rang 43. "Obwohl die Politik ebenfalls zur besseren Performance beigetragen hat, sind viele politische Hausaufgaben noch nicht gemacht", fasste Carsten Kreklau, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, zusammen.
Mittelstand besonders effizient
Im Teilindikator "unternehmerische Effizienz" hat sich Deutschland von Platz 28 auf Platz 25 geschoben. Als Stärken gelten hier die eingedämmte Steigerung der Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe sowie die Einschätzung, dass gerade der Mittelstand besonders effizient wirtschafte. Als Schwächen gelten die recht geringen Wochenarbeitszeiten; hier rangiert Deutschland international auf Platz 52.
Selbst der traditionell hohe Teilindikator "Infrastruktur" hat sich noch verbessert, mit einer Bewegung von Platz 9 auf Platz 7. Dazu haben vor allem die gedrosselten Telekommunikationskosten, die Verbreitung von Computern und die gesundheitliche Versorgung in Deutschland beigetragen. Als Problem werden die Investitionen in das Kommunikationsnetz gesehen, ebenso wie ungünstige Klassengrößen in den Schulen und die ungenügende Verfügbarkeit von Facharbeitern.
Vereinigte Staaten an der Spitze
Im "World Competitiveness Yearbook" belegen die Vereinigten Staaten wie seit Jahren den ersten Platz. Der Wettbewerb um die oberen Ränge der Skala indes hat sich nach Angaben von Stéphane Garelli, dem Leiter des "World Competitiveness Project" im IMD, heftig intensiviert. Von den 55 untersuchten Ländern hätten sich 40 in ihrer Wettbewerbsfähigkeit verbessert, nur 15 seien zurückgefallen. China, Indien, Russland und einige andere Länder Osteuropas hätten kräftig aufgeholt; es verlagere sich die wirtschaftliche Macht. "Daraus könnte sich eine Zunahme des Protektionismus in Europa und in den Vereinigten Staaten ergeben", fürchtet Garelli - eingekleidet in den Deckmantel von "Corporate Governance", Umweltschutz, geistigem Eigentum oder sozialen Rechten.
Als Herausforderungen für Deutschland für 2007 werten die Ökonomen des IMD die Reform des Steuersystems, die Konsolidierung der Staatsfinanzen, die Entwicklung einer umfassenden Innovationsstrategie, die Verbesserung des Ausbildungswesens, die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, die Reform der sozialen Sicherung sowie weniger Regulierung.
Gute Konjunktur zu Reformen nutzen
Diese Forderungen ähneln dem Aufruf der Bertelsmann-Stiftung, deren neuer "Standort-Check" dieser Zeitung vorliegt. Der aktuelle Aufschwung werde nur eine nachhaltige Verbesserung Deutschlands im internationalen Vergleich einleiten können, wenn die gute Konjunktur zu entsprechenden Reformen genutzt wird, heißt es. "Dazu kann insbesondere auch die Lohnpolitik einen Beitrag leisten, indem sie im Aufschwung vorrangig das Beschäftigungsziel und nicht die Einkommensinteressen der bereits Beschäftigten in den Blick nimmt." Schließlich sei Deutschland immer noch sehr weit von der Vollbeschäftigung entfernt, die deutschen Löhne seien noch immer hoch, und die Lohnzurückhaltung sei im Vergleich zu anderen Ländern auch in den vergangenen Jahren noch unspektakulär gewesen. Auch andere Reformen müssten stattfinden: "Verbesserungsbedarf besteht bei der Beschäftigungssituation von Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen, die Reform der Pflegeversicherung erscheint überfällig und die Fortsetzung der Föderalismusreform dringend geboten."
Im Standort-Check, einer halbjährlichen Aktualisierung des seit 2004 erhobenen "Standort-Ranking", vergleicht die Bertelsmann-Stiftung 21 große Industrienationen mit Blick auf Wachstum und Arbeitsmarkt. Untersucht werden das Bruttoinlandsprodukt je Kopf, das Wachstum des Produktionspotentials, die Arbeitslosenquote und die Zunahme der Erwerbstätigkeit.
Toll !!
Peter Sommer (psommer)
- 10.05.2007, 12:20 Uhr
Für dumm verkauft
wolfgang zick (wolfgangzick)
- 13.05.2007, 19:25 Uhr
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