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Insolvenzen : 40 Milliarden Euro Ausfall durch Insolvenzen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In diesem Jahr waren mit Walter-Bau, der Drogeriekette „Ihr Platz“ und dem Filmhersteller Agfa traditionsreiche Firmen von der Insolvenz betroffen. Immerhin: Die Zahl der Unternehmens-zusammenbrüche ist gesunken.

          Die Zahl der Konzerninsolvenzen nimmt ab. Immer weniger Großunternehmen müssen zum Amtsgericht gehen und eingestehen, daß sie überschuldet oder zahlungsunfähig sind. Das ist eine positive Nachricht, denn Großunternehmen beschäftigen naturgemäß viele Menschen.

          So waren im Jahr 2004 nach Angaben der Bundesregierung 600.000 Arbeitsplätze durch Insolvenzen verlorengegangen - Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor. Ein Wermutstropfen in der von der Tendenz her positiveren Insolvenzstatistik für 2005 ist aber, daß immer mehr Privatpersonen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können und insolvent werden. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt sogar so dramatisch, daß sie den Rückgang der Unternehmensinsolvenzen überkompensiert. Nicht zu übersehen ist auch, daß die Insolvenzstatistik in Ostdeutschland wesentlich schlechter aussieht als in Westdeutschland.

          Insgesamt nahm nach Angaben des Verbandes der Vereine Creditreform in diesem Jahr die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 3,5 Prozent oder 1370 auf 37.900 ab. Dieser Rückgang war aber nur in Westdeutschland spürbar. In den neuen Bundesländern stagnierte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bei 9200 betroffenen Betrieben.

          Agfa wird abgewickelt, die Produktion ist eingestellt
          Agfa wird abgewickelt, die Produktion ist eingestellt : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Insolvenz in der Baubranche

          Die größte Insolvenz kam mit der Walter-Bau aus dem Baugewerbe, das ansonsten den stärksten Rückgang der Unternehmensinsolvenzen (minus 6 Prozent) zu verzeichnen hatte. Allerdings machen im Bau mit 235 von 10.000 Betrieben so viel Unternehmen pleite wie in kaum einem anderen Wirtschaftszweig. Wie viele Arbeitsplätze der Zusammenbruch des viertgrößten deutschen Baukonzerns gekostet hat, läßt sich kaum ermitteln. Man vermutet, daß zwei Drittel der insgesamt 9.000 betroffenen Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten haben. Schon vier Wochen nach Insolvenzantrag hatte die österreichische Strabag von Walter-Bau Geschäfte mit einer Jahresleistung von 1,2 Milliarden Euro, 3.200 Mitarbeiter (von 4.100) und 50 deutsche Bauprojekte übernommen. Strabag durfte später auch Dywidag sowie im Oktober den Stuttgarter Baukonzern Züblin übernehmen, an dem die insolvente Walter-Bau Anteile hielt.

          Nach der aktuellen Neuordnung der Strabag verbleibt bei der Kölner Strabag im wesentlichen nur noch der Straßenbau. Die Konzernschwester Züblin ist auf den Hoch- und Ingenieurbau fokussiert, beschäftigte 2004 etwa 7.000 Mitarbeiter und erzielte eine Bauleistung von rund 1,5 Milliarden Euro. Die Planleistung der Kölner Kollegen liegt bei 4,3 Milliarden Euro.

          Die zweitgrößte Insolvenz war die des Drogerieunternehmens „Ihr Platz“ mit Sitz in Osnabrück. Auch sie ist ein Beispiel dafür, daß eine Insolvenz nicht das Ende eines Unternehmens bedeuten muß. Zwar ging das Unternehmen durch eine harte Restrukturierung, aber inzwischen schaltet man wieder auf Wachstum. Bis Mitte Januar 2006 würden drei neue Läden eröffnet, teilte die Osnabrücker Firma mit. Filialen sollen im Erfurter und im Aachener Bahnhof entstehen. Darüber hinaus komme ein Standort in Ueckermünde hinzu. Im Vordergrund der neuen Filialen solle das Biosortiment stehen. Im Zuge der Restrukturierung, die unter Führung von Goldman Sachs aus der Insolvenz heraus betrieben wurde, hatte Ihr Platz 80 Läden geschlossen.

          Insolvenz von Agfa: Managementfehler

          Weniger erfolgreich war die Restrukturierung des legendären Fotofilmherstellers Agfa. Kurz nach dem Verkauf des Fotobereichs durch die belgische Agfa Gaevert stellte der Leverkusener Filmhersteller Insolvenzantrag. Für die 1.800 Mitarbeiter kam die Nachricht im Mai völlig überraschend. Von da an ging es dramatisch schnell bergab. Hier kamen offenbar Managementfehler mit der Marktentwicklung (mehr Digitalfotografie) zusammen. Als eine Übernahme durch die britische Photo-Me im Oktober scheiterte, war das Ende nicht mehr aufzuhalten.

          Nur einige kleinere Teile konnten noch verkauft werden, mit denen rund 120 der zuletzt noch etwa 800 Arbeitsplätze des Traditionsunternehmens erhalten bleiben. Die mittelständische A&O-Gruppe hat das von München aus betriebene Service- und Ersatzteilgeschäft für die sogenannten Eine-Stunde-Labors sowie den dazugehörenden Bereich Chemikalienproduktion für Filme und Fotopapier in Vaihingen/Enz übernommen. In diesen Betrieben sind nach Angaben von Agfa-Photo insgesamt 60 Menschen tätig. Der britische Fotoautomatenhersteller Photo-Me International hat über die Tochtergesellschaft Imaging Solutions die Produktion von Großlaborgeräten in Peiting, in der rund 60 Menschen arbeiten, übernommen. Ansonsten soll die Fertigung bis zum Jahresende eingestellt und die produzierte Ware bis zum Sommer 2006 verkauft werden.

          Prognose: Weniger Insolvenzen in 2006

          Mit einem großen Teilerfolg endete auch die Insolvenz der FIP Finger & Pelz GmbH in Essen. Das Unternehmen wird mit 180 von ehemals fast 400 Mitarbeitern fortgeführt von der Elektromontagegesellschaft F & P GmbH, einem Management-Buyout (MBO) aus der alten Firma. Man sei jetzt wettbewerbsfähig, weil die neue Gesellschaft nicht mehr den Tarifen der IG Metall unterworfen sei, heißt es.

          Auch wenn Deutschland von weiteren prominenten Großpleiten verschont geblieben ist, ist der volkswirtschaftliche Schaden durch Insolvenzen immens. Der Verband der Vereine Creditreform schätzt ihn für das laufende Jahr auf 37,5 Milliarden Euro. Das ist das Geld, das Gläubiger von insolventen Partnern nicht mehr bekommen. Für das kommende Jahr gehen alle Beobachter von einer weiter sinkenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen aus. Die Zahl der privaten Zahlungsunfähigkeitserklärungen dürfte weiter steigen, heißt es aus Kreisen der Kreditinstitute.

          Quelle: geg., F.A.Z., 27.12.2005

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