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Ifo-Index steigt : Überwindet Europa die Rezession endlich?

  • Aktualisiert am

Ein Schiff legt ab vom Container Terminal Burchardkai im Hamburger Hafen. Bild: dpa

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen verbessert sich zusehends. Frankreichs Wirtschaft wächst wieder. Und die Italiener schauen optimistischer in die Zukunft.

          Endet die Dauerrezession in der Europäischen Währungsunion endlich? Einige Hoffnungszeichen gibt es. Der zumindest unter Anlegern viel beachtetet Einkaufsmanagerindex (PMI) des Forschungsinstituts Markit hat gerade die Wachstumsschwelle von 50 Punkten überwunden - zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. Angetrieben ist die Besserung wesentlich von der größten europäischen Volkswirtschaft Deutschland.

          Den Trend bestätigt nun auch der an diesem Donnerstag herausgekommene Ifo-Index. Er zeigt: Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellt sich weiter auf. Der Index, das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, legte weiter zu auf nunmehr 106,2 Punkte. Dabei schätzten die befragten Entscheider ihre aktuelle Geschäftslage besser ein als zuvor, die Geschäftsaussichten beurteilen sie ungefähr genauso wie zuvor: Die entsprechende Komponente des Ifo-Index stagnierte mit 102,4 Zählern minimal unterhalb des Vormonatswertes. Für den gesamten Index ist es der dritte Anstieg in Folge. Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass die wirtschaftliche Schwächephase in der ersten Jahreshälfte vorüber sein könnte. Der deutsche Aktienmarkt tendierte dennoch etwas schwächer.

          Bereits am gestrigen Mittwoch gab es gute Nachrichten über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hierzulande. Der Einkaufsmanagerindex kletterte auf 52,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Der Indexwert für die Industrie erhöhte sich auf 53,8 Punkte - damit verband sich der stärkste Anstieg seit 17 Monaten. Werte oberhalb der 50-Punkte-Marke signalisieren eine zunehmende gesamtwirtschaftliche Aktivität, Werte darunter eine zurückgehende.

          Frankreichs Wirtschaft fängt sich

          Ökonomen kommentierten den weiteren Ifo-Anstieg unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen allerdings eher verhalten. „Der Anstieg des Ifo-Index ist ein Zwischenhoch. Wie die zuletzt guten Wirtschaftszahlen enthält er Nachholeffekte vom schwachen Jahresanfang“, äußerte Alexander Schumann, Chefvolkswirt der DIHK: „Auch wenn die Wirtschaft hierzulande immerhin um 0,3 Prozent wachsen dürfte, sind Rückschläge nicht ausgeschlossen. Die Hoffnungsschimmer in einigen Ländern der Euro-Zone werden deutlicher, aber der Abbau der Schuldenberge und der Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit bleiben beschwerlich.“ Andreas Scheuerle, Ökonom der Dekabank, ergänzte: „Enttäuschend waren die Geschäftserwartungen, die nicht zulegen konnten. Möglicherweise machen sich hier Sorgen um den chinesischen Absatzmarkt bemerkbar.“

          Neben Deutschland belebt sich offenbar auch die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion, Frankreich. Um 0,2 Prozent sei das französische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Jahresviertel gewachsen, teilte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici ebenfalls schon gestern mit. Die Anzeichen für eine Konjunkturerholung in der Währungsunion in den kommenden sechs Monaten mehrten sich, schreiben die Ökonomen des deutschen Versicherers Allianz.

          Italiener optimistischer

          Weiterer Beleg: In Italien hat sich das Verbrauchervertrauen im Juli stärker verbessert als erwartet. Der Index kletterte auf 97,3 von revidiert 95,8 im Juni, wie die Statistikbehörde Istat an diesem Donnerstag mitteilte. Grund für die bessere Stimmung war eine positivere Einschätzung der persönlichen Finanzen sowie zum Zustand der Wirtschaft. Bankanalysten hatten
          im Schnitt mit einem Stand von lediglich 96 Punkten gerechnet.

          Gleichwohl ist die Arbeitslosigkeit in vielen Mitgliedsländern der Währungsunion immer noch hoch. In den von der Krise besonders betroffenen Staaten liegt sie merklich oberhalb des Niveaus von vor Ausbruch der Euro-Krise.

          Quelle: FAZ.NET

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