07.04.2004 · Reibungsfrei waren die Beziehungen zwischen Bundesbank und jeweiliger Bundesregierung selten. Vorzeitige Rücktritte gab es dagegen bisher nur einen.
Reibungsfrei waren die Beziehungen zwischen Bundesbank und jeweiliger Bundesregierung selten. Im Konfliktfall pochten die selbstbewußten Banker, die sich nach ihrer Ernennung nur wenig um ihr eigenes Parteibuch scherten, auf ihre Unabhängigkeit und brachten so manchen Finanzminister und Bundeskanzler in Rage. Vorzeitige Rücktritte gab es dagegen bisher nur einen.
Der erste Präsident der 1957 gebildeten Deutschen Bundesbank, Karl Blessing, hatte noch zu Reichsbankzeiten sein Handwerk erlernt. Der Christdemokrat galt als konservativer Zentralbanker der alten Schule. Nach seinem Amtsantritt 1958 wurde Blessings Vertrag zwei Mal um je zwei Jahre bis 1969 verlängert.
1970 trat Karl Klasen als erster Sozialdemokrat die Nachfolge Blessings an. Bei seiner Amtseinführung in Frankfurt am Main legte der Hamburger ein Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Notenbank ab. Nach seinem Ausscheiden zog es Klasen zurück zur Deutschen Bank.
Der Augsburger Otmar Emminger war ein Urgestein der Notenbank. Bevor er 1977 das Amt des Präsidenten für nur zwei Jahre annahm, war er bereits seit 1953 Mitglied des Direktoriums der Bank deutscher Länder, dann der Bundesbank und ab 1970 deren Vizepräsident gewesen.
Emmingers Ablösung durch den Sozialdemokraten Karl Otto Pöhl war nach Meinung von Historikern der erste Versuch der gezielten politischen Einflußnahme auf die Bundesbank. Der damalige Kanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte jedoch die Rechnung ohne den Geist der Bundesbank gemacht, der aus Pöhl einen allein der Geldstabilität verpflichteten Bundesbankpräsidenten machte. Diese Grundsätze brachten ihn auch mit dem nächsten Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in Konflikt: Mitte 1991 trat Pöhl aus Protest gegen die seiner Ansicht nach verfrühte Währungsunion mit der DDR zurück.
Nachfolger wurde für kurze Zeit sein Stellvertreter Helmut Schlesinger. Seine Amtszeit wurde wegen seines Alters von vornherein auf 26 Monate begrenzt, üblicherweise wird der Bundesbankpräsident für acht Jahre gewählt. Der Wirtschaftswissenschaftler war bereits seit 1952 für die Bundesbank und ihre Vorgängerin tätig.
Schlesinger wurde 1993 durch Hans Tietmeyer ersetzt. Der Christdemokrat galt ebenso wie Pöhl als politisch motivierter Kandidat. Tietmeyer war vom damaligen Kanzler Kohl zwei Jahre zuvor als Verfechter des Euro aus seiner Position als Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums in das Direktorium der Bundesbank entsandt worden. In seiner Zeit als Bundesbankpräsident war er insbesondere mit der Euro-Einführung beschäftigt.
Der Sozialdemokrat Ernst Welteke amtiert seit 1999. Unter seiner Führung wird die einst so mächtige Notenbank verschlankt, nachdem die Macht über die Zinspolitik auf die Europäische Zentralbank (EZB) übergegangen ist.
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