http://www.faz.net/-gqe-746ym
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 07.11.2012, 13:11 Uhr

Herbstgutachten EU korrigiert Prognose für Wachstum nach unten

Die EU-Kommission korrigiert ihre Prognose für das Wachstum in der Eurozone nach unten. Die deutsche Wirtschaft indes hat ihre Durststrecke bald hinter sich. Aber Frankreich und Spanien bekommen ihre Defizite nicht in den Griff.

© dpa Die deutsche Wirtschaft hat ihre Durststrecke nach Einschätzung der EU-Kommission bald hinter sich

Die EU-Kommission hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone für das kommende Jahr deutlich nach unten korrigiert. Die gemeinsame Wirtschaftskraft der 17 Euro-Länder schrumpft dem am Mittwoch in Brüssel vorgelegten Herbstgutachten der EU-Kommission zufolge um 0,4 Prozent in diesem Jahr und legt dann im Jahr 2014 nur um 0,1 Prozent zu.

Im Mai war die EU-Kommission noch von einem Minus von 0,3 Prozent in diesem und einem deutlichen Plus von 1,0 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen. „Der kurzfristige Ausblick für die EU-Wirtschaft bleibt unsicher, doch wird für 2013 eine allmähliche Rückkehr des Wachstums erwartet, das sich 2014 weiter festigen soll“, teilte die EU-Kommission mit.

Infografik / EU-Herbstprognose © dpa Vergrößern Die Prognosen für Wirtschaftswachstum und Staatsdefizit

Für die Eurozone sieht die Prognose im Jahr 2014 wieder ein Wachstum um 1,4 Prozent vor. Die Wirtschaftskraft der gesamten EU soll demnach nach einem Minus von 0,3 Prozent in diesem Jahr in den beiden Folgejahren um 0,4 beziehungsweise 1,6 Prozent wachsen. Die EU-Kommission erwartet zudem, dass die Arbeitslosenquote in Europa im kommenden Jahr einen Höchststand erreicht, bevor sie dann wieder leicht absinkt. „Die Arbeitslosigkeit wird 2013 mit knapp elf Prozent in der EU und zwölf Prozent im Euroraum ihren Höchststand erreichen“, heißt es in der Kommissionsmitteilung.

Im September hatte die Quote in der Eurozone auf dem Rekordhoch von 11,6 Prozent gelegen. Damit waren fast 18,5 Millionen Menschen in den 17 Euro-Ländern ohne Job. Nach einer Arbeitslosenquote von 11,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2012 in der Eurozone soll die Rate den Berechnungen zufolge im kommenden Jahr auf 11,8 Prozent steigen und dann 2014 wieder leicht auf 11,7 Prozent absinken.

Reformen, solides Haushalten und Wachstum

Die durchschnittliche Quote in allen 27 EU-Ländern steigt der Prognose zufolge nach 10,5 Prozent in diesem auf 10,9 Prozent im nächsten Jahr, bevor sie 2014 um 0,2 Prozentpunkte sinkt. Angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit forderte EU-Währungs- und Wirtschaftskommissar Olli Rehn die Mitgliedstaaten auf, weiter an Reformen, soliden Haushalten und Wachstum zu arbeiten. „Europa muss auch in Zukunft eine solide Finanzpolitik mit Strukturreformen verknüpfen, um die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen, das eine Senkung der Arbeitslosigkeit von ihrem derzeit untragbar hohen Stand ermöglicht“, mahnte der finnische Kommissar.

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Durststrecke nach Einschätzung der EU-Kommission bald hinter sich: „Nach einer moderaten Wachstumsrate von 0,8 Prozent 2012 und 2013 wird sich das Bruttoinlandsprodukt 2014 um gesunde 2,0 Prozent steigern“, prognostizierten die Konjunkturexperten der Gemeinschaft am Mittwoch. Vorangetrieben wird die Entwicklung demnach von einer starken Binnennachfrage der Konsumenten und der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen.

European Economic and Monetary Affairs Commissioner Olli Rehn attends a joint news conference at the annual meetings of the IMF and the World Bank Group in Tokyo © REUTERS Vergrößern „Europa muss auch in Zukunft eine solide Finanzpolitik mit Strukturreformen verknüpfen, um die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen, das eine Senkung der Arbeitslosigkeit von ihrem derzeit untragbar hohen Stand ermöglicht“: Olli Rehn

Dies mache die Schwäche wichtiger Handelspartner und die Unsicherheit wegen der Schuldenkrise der Euro-Zone wett. Zuletzt hat sich das Bild in Deutschland deutlich eingetrübt: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion überraschend stark gedrosselt und Volkswirte gehen inzwischen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft Europas im vierten Quartal schrumpfen wird - erstmals seit Ende 2011.

Die Euro-Schwergewichte Frankreich und Spanien bekommen ihre Defizite hingegen nicht in den Griff. Paris wird im kommenden Jahr auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen und es damit nicht - wie verbindlich zugesagt - schaffen, die Maastrichter Defizitgrenze von 3 Prozent einzuhalten. Defizitsünder Spanien soll eigentlich 2014 die Maastrichter Grenze wieder einhalten - laut Kommission dürfte dies „bei einer unveränderten Politik“ aber nicht gelingen. Erwartet werden 6 Prozent Defizit im kommenden Jahr und sogar 6,4 Prozent im übernächsten Jahr. Madrid bekommt bereits Hilfen der Europartner für marode Banken und ist ein potenzieller Kandidat für ein Vollprogramm zur Unterstützung des Gesamtstaates.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurokrise Oettinger droht Portugal und Spanien mit Kürzung von Geldern

Vor ein paar Tagen hatte die EU-Kommission beschlossen, keine Bußgelder gegen Portugal und Spanien zu verhängen, trotz deren Verstößen gegen den Stabilitätspakt. Mehr

30.07.2016, 10:45 Uhr | Wirtschaft
Faule Kredite Italienische Banken zittern vor dem Stress-Test

360 Milliarden Euro an faulen Krediten haben italienische Banken in den Papieren stehen. Das ist fast so viel wie Deutschlands Wirtschaft in einem Jahr erwirtschaften kann. Im Stresstest der EZB im Jahr 2014 sahen die italienischen Banken schlecht aus. Jetzt zittert die Branche noch einmal vor dem Testergebnis. Mehr

29.07.2016, 15:02 Uhr | Wirtschaft
Ökonom Seyfettin Gürsel Wie schlecht geht es der Türkei wirklich?

Einer der führenden türkischen Ökonomen sagt im FAZ.NET-Interview, wie es um die Wirtschaft das Landes steht. Er erklärt, wieso die Türkei von ausländischem Geld abhängt. Und warum eine Finanzkrise unwahrscheinlich ist. Mehr Von Rainer Hermann

27.07.2016, 11:35 Uhr | Wirtschaft
Tanzen in der Luft Fallschirm-Athleten im Wettkampf

Hoch oben am Himmel über der Region um die russische Hauptstadt Moskau waren die 40. Militär-Weltmeisterschaften im Fallschirmspringen. Die nächste Ausgabe soll im kommenden Jahr in Deutschland stattfinden. Mehr

30.07.2016, 10:32 Uhr | Sport
Eurokrise Spaniens Arbeitslosenquote auf tiefstem Stand seit 2010

Im Sommer gibt es in Spanien vor allem dank des Tourismusgeschäfts weniger Menschen ohne Arbeit. Die Quote sei aber noch sehr hoch, sagt der Wirtschaftsminister. Mehr

28.07.2016, 14:37 Uhr | Wirtschaft

Heuchelei in Berlin und Brüssel

Von Werner Mussler, Brüssel

Juncker misstraut dem Stabilitätspakt, seitdem er ihn mit ausgehandelt hat. Und wie steht Wolfgang Schäuble zu dem Abkommen? Mehr 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages iPhone schlägt Lufthansa & Co.

Wie viel Gewinn Apple bisher mit dem iPhone erwirtschaftet hat, ist nicht bekannt. Klar ist hingegen, dass der Konzern damit mehr Umsatz als so mancher Dax-Konzern erzielt hat. Mehr 0