17.10.2007 · In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt noch um 2,6 Prozent zulegen, prognostizieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, das der F.A.Z. vorab vorliegt. Im kommenden Jahr werde es eine weiche Landung auf 2,2 Prozent Wachstum geben.
Von Philip PlickertDer Aufschwung der deutschen Wirtschaft schwächt sich ab, doch die Wachstumskräfte sind weiterhin solide. In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 2,6 Prozent zulegen, im kommenden Jahr werde es eine weiche Landung auf 2,2 Prozent Wachstum geben. Das schreiben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, das am Donnerstag offiziell in Berlin vorgestellt wird und der F.A.Z. vorab vorliegt.
Schon in diesem Jahr könnte der deutsche Staat nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt, sondern wegen der sprudelnden Steuereinnahmen sogar einen Überschuss erzielen, heißt es in dem Gutachten.
2008 nur noch 3,45 Millionen Arbeitslose
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geht offiziell noch von einem Staatsdefizit von 0,1 Prozent vom BIP aus. Die Zahl der Arbeitslosen wird nach der Gemeinschaftsprognose 2007 im Jahresdurchschnitt 3,78 Millionen, 2008 nur noch 3,45 Millionen betragen. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte im kommenden Jahr erstmals knapp die Marke von 40 Millionen überschreiten.
In ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren die Wirtschaftsinstitute, dass sich der kräftige Aufschwung fortsetzt und immer mehr Menschen in Lohn und Brot bringt.
Mit ihrer Gemeinschaftsprognose stärken die Gutachter das Lager der Optimisten unter den Konjunkturforschern. Die Unsicherheit durch die Finanzmarktkrise werde sich auf die deutsche Realwirtschaft kaum negativ auswirken. Auch andere Risiken seien begrenzt, erklären die Wirtschaftsforscher. In ihrem Gutachten heißt es, dass „selbst in einem Szenario, in dem gleichzeitig mehrere Risikofaktoren wirksam werden, zum Beispiel die Immobilienpreise in den USA weiter einbrechen, die Aktienkurse in den Industrieländern kräftig sinken und der Euro erheblich aufwertet, wären die Effekte wohl nicht so groß, dass mit einer Rezession in Deutschland zu rechnen ist“. Auch das neueste Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt eine Beruhigung unter Analysten an, deren konjunkturelle Einschätzungen in den vergangenen drei Monaten der Finanzkrise immer pessimistisch wurden.
Erstmals in offener Ausschreibung vergeben
Die aktuelle Gemeinschaftsdiagnose wurde von einer neuen Kreis von Instituten erstellt. Erstmals hatte das Bundeswirtschaftsministerium den Auftrag in einer offenen Ausschreibung vergeben. Zu den erfolgreichen Teilnehmern gehören das Kieler IfW, Konsortien um das Essener RWI, das Münchner Ifo-Institut sowie das IWH und das gewerkschaftsnahe IMK.
Nicht mehr vertreten im Gutachterkreis ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin. Dieses legte dafür zwei Tage vor der Konkurrenz eine eigene Prognose vor, die das Wachstum in diesem Jahr auf 2,4 Prozent veranschlagt. Der Aufschwung, erwarten die Ökonomen des DIW wie auch die der anderen Institute, werde bis 2009 tragen.