15.10.2008 · Jetzt schlägt auch die amerikanische Notenbank pessimistische Töne an: Die Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco sieht die größte Volkswirtschaft der Welt in einer Rezession. In Folge der Finanzkrise hat sich das Haushaltsdefizit im abgelaufenen Steuerjahr fast verdreifacht.
Die Vereinigten Staaten befinden sich nach Einschätzung der amerikanischen Notenbank (Fed) in einer Rezession. Wie die Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco, Janet Yellen, am Dienstag (Ortszeit) in Palo Alto im Bundesstaat Kalifornien sagte, sei die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal schwächer als erwartet und werde wahrscheinlich gar nicht wachsen. „Tatsächlich, die amerikanische Wirtschaft scheint in einer Rezession zu sein“, sagte sie.
Dreifach so hohes Haushaltsdefizit
Zuvor war bekannt geworden, dass sich in Folge der Finanzkrise das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten im abgelaufenen Steuerjahr fast verdreifacht hatte. Nach 162 Milliarden Dollar im vorangegangen Steuerjahr sei das Defizit bis zum Ende des Steuerjahrs 2007/2008 im September auf 455 Milliarden Dollar (330 Milliarden Euro) angewachsen, wie das Finanzministerium mitteilte. Damit fiel es deutlich höher aus von der amerikanischen Regierung erwartet.
Der Begriff Rezession bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft jene Konjunkturphase, in der eine Stagnation bis hin zum Abschwung der Wirtschaft auftritt. Nach der meistverbreiteten Definition liegt eine Rezession vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorjahresquartalen nicht wächst oder ein Rückgang zu verzeichnen ist. Der Rückgang wird an einem sinkenden Bruttoinlandsprodukt gemessen.
Stagnierende Löhne und höhere Arbeitslosigkeit
Eine Rezession ist dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen und Verbraucher die Wirtschaftslage allgemein schlechter beurteilen, dass die Nachfrage sinkt und dass die Unternehmen Produktionsanlage ganz oder teilweise schließen. Neben stagnierenden Löhnen drohen der Abbau von Überstunden und Kurzarbeit sowie eine steigende Arbeitslosigkeit.
Die Auswirkungen der Kreditkrise werden die amerikanische Wirtschaft nach Einschätzung von Volkswirten stark in Mitleidenschaft ziehen. „Die Wirtschaft geht in eine schmerzhafte Rezession“, sagte Jan Hatzius, Chefvolkswirt Amerika der Bank Goldman Sachs, am Wochenende. Thorsten Slok, ein Ökonom der Deutschen Bank in New York, sieht das ähnlich. In den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa habe sich eine schwere „Kreditklemme“ entwickelt, die das Wirtschaftswachstum hemmen werde, sagt Slok voraus. Auch Roger Kubarych, Ökonom von Unicredit in New York, sieht den Ausblick getrübt. Der Wirtschaft stehe eine Phase der Anpassung bevor, die zwei bis drei Jahre daure.
Abschwung könnte an Fahrt gewinnen
Hatzius geht davon aus, dass der Abschwung der amerikanischen Wirtschaft noch weiter an Fahrt gewinnen wird. Die steigende Arbeitslosigkeit bremse den Konsum, was wiederum zu zusätzlichen Entlassungen führen werde. Als Folge werde die Arbeitslosenquote von ihrem Tief von 4,5 Prozent im April 2007 bis Dezember 2009 auf das zyklische Hoch von 8 Prozent steigen.
Dies wäre der größte Anstieg seit Mitte der siebziger Jahre. Dabei werde die amerikanische Wirtschaft im vierten Quartal 2008 auf Jahresbasis um 2 Prozent schrumpfen, sagt Hatzius voraus. Erst im zweiten Halbjahr 2009 werde die Wirtschaft wieder langsam zu wachsen beginnen. Die Jahreswachstumsraten dürften 2008 plus 1,5 Prozent und 2009 minus 0,2 Prozent betragen - wobei diese Schätzwerte eher optimistisch seien. Die Frage sei, ob die Politik die Krise in den Griff bekomme, sagt Hatzius.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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