06.08.2009 · War es das mit der Krise? Die deutsche Industrie hat im Juni wesentlich mehr Aufträge an Land gezogen als erwartet. Viele Volkswirte sehen nun ein Ende der Rezession. Doch es gibt auch Warnungen vor zu viel Euphorie.
Von Philip PlickertDie deutsche Industrie ist auf dem Weg der Erholung. Im Juni hat sie preis- und saisonbereinigt 4,5 Prozent mehr Aufträge als im Vormonat erhalten. Dieser Anstieg hat die Erwartungen der Analysten bei weitem übertroffen, die nur ein leichtes Plus prognostiziert hatten. Schon im Mai war der Auftragseingang um 4,4 Prozent gestiegen. Trotz der jüngsten Belebung ist er aber immer noch niedrig: Im Juni lagen die Bestellungen fast 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg äußerte sich am Donnerstag nach Vorlage der neuen Zahlen verhalten optimistisch: „Der wiederholte und stärker werdende Anstieg der Auftragseingänge ist ein breiter werdender Hoffnungsschimmer.“
Viele Bankenvolkswirte teilen diese Einschätzung. Deutschland werde ein starkes drittes Quartal mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung von bis zu 0,8 Prozent erleben, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Die Rezession ist zu Ende.“ Allerdings bleiben die Analysten der Commerzbank bei ihrer Einschätzung, dass die mittelfristigen Wachstumsaussichten nur moderat sind.
Der Ökonom Stefan Bielmeyer von der Deutschen Bank wertete die neuen Auftragszahlen als Zeichen für eine Stabilisierung der Industrie. „Von einem sich selbst tragenden Aufschwung sind wir aber noch weit entfernt.“ Auch der Volkswirt Mario Gruppe von der Nord LB warnte davor, vorschnell einen Aufschwung auszurufen. „Nach wie vor sehen wir das Wirtschaftswachstum in Deutschland für das Gesamtjahr bei etwa minus 6 Prozent.“ Das ist auch die Prognose der großen Wirtschaftsforschungsinstitute.
Tiefpunkt durchschritten
Immerhin lassen die neuen Auftragszahlen für die Industrie insgesamt die Hoffnung wachsen, dass die Konjunktur nun wirklich ihren Tiefpunkt durchschritten hat. Das zeigt sich insbesondere an den kräftig gestiegenen Aufträgen für Investitionsgüter (plus 5 Prozent) und für Vorleistungsgüter (plus 4,6 Prozent). Darin sind auch Sondereffekte wie die staatliche Abwrackprämie enthalten, die den Fahrzeugbauern schon im Mai einen kräftigen Schub bescherten. Die Nachfrage nach Konsumgütern verringerte sich hingegen um 0,5 Prozent.
„Treiber des Auftragseingangs ist die Wiederbelebung der Weltwirtschaft“, sagte Andreas Koch, Volkswirt bei der Bank Unicredit. „Schon in den jüngsten Frühindikatoren haben wir gesehen, dass es nicht nur in China aufwärtsgeht, sondern auch in den Industrieländern.“ Das helfe der stark auf den Export ausgerichteten deutschen Wirtschaft. Tatsächlich hat der Auftragseingang im Juni vor allem wegen der deutlich stärkeren Nachfrage aus dem Ausland zugelegt. Sie nahm um 8,3 Prozent zu, wobei die Bestellungen aus dem Euro-Raum sogar um gut 13 Prozent ansprangen, die von außerhalb des Euro-Raums um knapp 5 Prozent.
Deutschland profitiert von Konjunkturprogrammen
Deutschland profitiere von den Konjunkturprogrammen auf der Welt, die jedoch irgendwann auslaufen werden, warnte Bielmeyer von der Deutschen Bank. Die Binnennachfrage sei weiterhin sehr schwach. So stagnierten die Inlandsaufträge für die Industrie mit einem geringen Plus von 0,2 Prozent. „Das dürfte auch so bleiben angesichts des erwarteten Anstiegs der Arbeitslosigkeit.“ Der Unicredit-Volkswirt Koch sagte aber, je stärker die Nachfrage nun steige, desto wahrscheinlicher sei es, dass Deutschland 2010 nicht in die Nähe der Marke von 5 Millionen Arbeitslosen komme. Allerdings werde die Erholung von der Rezession lange dauern. Erst 2013 werde die deutsche Wirtschaft wieder den hohen Stand an Produktion und Auslastung erreichen, den sie vor der Krise hatte.
Steinmeiers Arbeitsplatzversprechen wirkt schon
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 06.08.2009, 16:55 Uhr
Zu irgendetwas müssen die Keynes`schen Programme
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 06.08.2009, 20:00 Uhr
Na, dann warten wir einmal ab,
Hans-P. Vosseler (ZORRO_1)
- 06.08.2009, 20:44 Uhr
positiv denken!
Hans Jensen (gent1)
- 06.08.2009, 21:03 Uhr
und 2020 haben wir Vollbeschäftigung ;-)
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 06.08.2009, 22:08 Uhr
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