Die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern hat sich unerwartet kräftig aufgehellt. Die sich abschwächende Talfahrt der deutschen Wirtschaft habe zu einem Anstieg der Konjunkturerwartungen geführt, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag mit. Zudem sorgten der nachlassende Preisdruck und das Konjunkturpaket II für einen Anstieg von Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung.
Vor diesem Hintergrund kletterte der GfK-Konsumklimaindex für August auf 3,5 Punkte, nach einem revidierten Wert von 3,0 im Juli. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten für August einen Anstieg auf plus 3,0 Zähler von vorläufig gemeldeten plus 2,9 im Vormonat prognostiziert. „Damit bleibt der private Konsum derzeit wesentliche Stütze der Konjunktur“, erklärte die GfK.
Härtetest im Herbst
Mit dem vierten Anstieg in Folge erreichte der Index den höchsten Stand seit Juni 2008. Allerdings sei das Niveau des Indikators nach wie vor vergleichsweise niedrig. Der Härtetest für die Konsumstimmung stehe im Spätherbst an, für den ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet wird.
Die Bundesregierung hält angesichts jüngster Konjunkturindikatoren die ungebremste Abwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft für beendet. Es gebe zwar keine Gewissheit, dass die Talsohle bereits erreicht sei. „Es gibt allerdings die breite Auffassung, dass wir die Entwicklung des freien Falles hinter uns haben“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin. Die wirtschaftliche Lage bleibe dennoch schwierig.
Wenig Anreize zum Sparen
Die stabilen Preise erhöhten dem Gfk-Konsumklimaindex zufolge auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. „Bei den Verbrauchern sind derzeit technische Konsumgüter wie Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte beliebt“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Der Absatz von großen Küchengeräten habe von Januar bis Mai um 8,6 Prozent zugelegt. Bei Informations- und Unterhaltungselektronik gab es Zuwächse von 5,5 und 3,3 Prozent. Die Neuzulassungen von Autos stieg wegen der staatlichen Abwrackprämie sogar zweistellig. Befeuert wurde die Ausgabenfreude auch von den niedrigen Zinsen. „Sparen steht deshalb nicht sehr hoch im Kurs“, sagte Bürkl.
Die Konjunkturaussichten bewerteten die Befragten den vierten Monat in Folge optimistischer. „Offenbar gehen die Verbraucher davon aus, dass die steile Talfahrt der Konjunktur zum Stillstand gekommen ist“, sagte Bürkl. Auch das steigerte die Ausgabenfreude. Die Anzeichen für ein Ende der Rezession hatten sich zuletzt gemehrt: Die Industrie erhielt drei Mal in Folge mehr Aufträge, die Produktion legte zu und auch die Exporte stiegen. Ebenso war der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge gestiegen. Reuters befragte Analysten erwarten, dass die Wirtschaft im Sommer erstmals seit Anfang 2008 wieder wächst - wenn auch nur um 0,4 Prozent.
Besser jetzt konsumieren, als später davon leben müssen
Christof Reinholz (Sidartha)
- 27.07.2009, 15:28 Uhr
Dienstmädchenenhausse im Konsum,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 27.07.2009, 15:34 Uhr
