27.11.2007 · Seit Monaten fällt der Geschäftsklimaindex des renommierten Ifo-Instituts. Jetzt hat sich der Trend überraschend umgekehrt. Die Konjunktur kühle sich nur allmählich ab, frohlockt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im November überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 104,2 Punkte nach 103,9 im Vormonat, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte.
„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Konjunktur auf hohem Niveau nur allmählich abkühlt“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 103,3 Zähler gerechnet.
Optimismus der Exporteure hat sich verstärkt
Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten ihre Lage besser als im Vormonat und die Geschäftsaussichten etwas schlechter als im Oktober. Der Lageindex stieg auf 110,4 Punkte von 109,6. Der Index für die Geschäftserwartungen trübte sich auf 98,3 von 98,6 Punkten ein. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten bei der Lage mit 109,1 Punkten und bei den Erwartungen mit 97,8 Punkten gerechnet.
Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Monatlich befragt das Institut rund 7000 Unternehmen aus Industrie und Bauwirtschaft sowie Einzel- und Großhandel nach ihrer gegenwärtigen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate.
„Der Euro ist für die Firmen nicht so gefährlich“
Bei den Exporteuren hat sich der Optimismus den Angaben zufolge sogar etwas verstärkt. Auch die Personalpläne zeigen wieder vermehrt nach oben, hieß es. Und so fürchtet das Ifo-Institut auch trotz des starken Euro keinen Export-Einbruch in der Zukunft. Die Exporterwartungen der Firmen seien weiter positiv, sagte Ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ. Die europäische Gemeinschaftswährung klettert derzeit zum Dollar auf immer neue Höchststände.
„Der Euro ist für die Firmen nicht so gefährlich wie vielfach angenommen.“ Die Exporte würde voraussichtlich viel stärker leiden, wenn in den Abnehmerländern die Konjunktur im nächsten Jahr deutlich an Dynamik verlieren sollte, sagte Russ.
„Unsicherheit wird noch lange hoch bleiben“
EZB-Ratsmitglied John Hurley hat mehr Bedenken: Die Risiken für die Konjunktur im Euro-Raum sind nach seiner Ansicht im Zuge der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten größer geworden. „Die Veränderungen der Risikobewertung und die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen hat die Risikobalance für das Wachstum in der Euro-Zone nach unten gedrückt“, sagte der Chef der irischen
Notenbank am Dienstag in Dublin.
Die Schwankungsanfälligkeit der Weltmärkte werde noch bis Anfang kommenden Jahres bestehen bleiben, sagte Hurley. Die jüngsten Ereignisse, wie die zeitlich befristete Schließung des Pfandbriefmarktes, hätten gezeigt, dass bis zur Rückkehr zu normalen Marktbedingungen noch ein „Stück Wegstrecke zu gehen ist“. Auch die Lage an den Geldmärkten bleibe angespannt.
„Die Unsicherheit wird wahrscheinlich so lange hoch bleiben und das Vertrauen erst dann zurückkehren, wenn klarer wird, wie stark größere Institute von der Krise betroffen sind, und vor allem wie sie darauf reagieren“, sagte Hurley. „Bis wir diesen Punkt erreicht haben werden die Märkte bei schlechten Nachrichten verletzbar bleiben.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2466 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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