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Geldpolitik Trichet warnt vor verlorenem Jahrzehnt

29.08.2010 ·  Der Begriff „verlorenes Jahrzehnt“ wird üblicherweise in Verbindung mit Japan verwendet, das nach dem Platzen einer Blase Anfang der neunziger Jahre in ein schwaches Wachstum und letztlich in die Deflation rutschte. Jetzt benutzt EZB-Chef Trichet dieselbe Bezeichnung in Bezug auf die aktuelle Krise.

Von Patrick Welter
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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, warnt davor, dass sich die Wirtschaftskrise zu einem verlorenen Jahrzehnt entwickeln könnte. „Die oberste gesamtwirtschaftliche Herausforderung in den nächsten zehn Jahre ist sicherzustellen, dass diese nicht zu einem weiteren verlorenen Jahrzehnt werden“, sagte Trichet auf der Konferenz der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve in Jackson Hole in Wyoming.

Mit dem Begriff „verlorenes Jahrzehnt“ zog Trichet den Vergleich zu Japan, das nach dem Platzen einer Immobilien- und Aktienpreisblase Anfang der neunziger Jahre in eine Zeit sehr schwachen Wachstums und letztlich der Deflation hineingerutscht war. Seine Mahnung bezog er nicht auf einzelne Länder. Vor allem in den Vereinigten Staaten wird angesichts der Wachstumsabschwächung und des Disinflationsdrucks aber immer wieder warnend der Vergleich mit Japan bemüht. Wie Bundesbankpräsident Axel Weber forderte Trichet die Regierungen zum Defizitabbau auf.

Krise als Ergebnis von Übertreibungen

Der EZB-Präsident beschrieb die Finanz- und Wirtschaftskrise als das Ergebnis von Übertreibungen und Ungleichgewichten, die sich als Folge der Deregulierung der Finanzmärkte in den achtziger und neunziger Jahren aufgebaut hätten. Trichet nannte die Ausweitung der Kreditfinanzierung von privaten Haushalten und Unternehmen sowie das steigende Risiko und den größer werdenden Fremdkapitalhebel von Finanzinstituten.

Durch die Konjunkturpakete und die Finanzhilfen seien in der Finanzkrise nun auch die Fiskaldefizite auf Rekordhöhen in Friedenszeiten gestiegen und die Bilanzen der Zentralbanken beträchtlich gewachsen. Der Abbau dieser aufgestauten Ungleichgewichte sei eine wichtige Voraussetzung, um einen dauerhaften Aufschwung zu erlangen, erklärte Trichet. Der Schuldenüberhang bremse die wirtschaftliche Erholung.

Aufforderung zum Defizitabbau

Trichet forderte die Regierungen zu einem glaubwürdigen Abbau der Staatsdefizite auf. „Die Konsolidierung muss ambitioniert sein“, sagte der EZB-Präsident. Im Euro-Raum müsse die Staatsschuld gemessen an der Wirtschaftsleistung um fast 30 Prozent zurückgeführt werden, um den Referenzwert von 60 Prozent zu erreichen. Trichet zeigte sich überzeugt, das eine vor allem rechtzeitige fiskalische Konsolidierung das Wachstum nicht bremse, sondern im Gegenteil das Vertrauen und die Erwartungen der Haushalte und Unternehmen stärke. Die ökonomische Forschung lege nahe, dass Defizitabbau durch weniger Staatsausgaben und geringere öffentliche Lohnkosten erfolgreicher sei als durch Steuererhöhungen.

„Es ist Zeit, die fiskalische Konsolidierung in den meisten Ländern an die Spitze der politischen Agenda zu stellen“, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber am Rande der Konferenz dem Fernsehsender CNBC. „Europa steht am Rand eines sich selbst tragenden Aufschwungs und es gibt kaum Sorgen über eine erneute Rezession.“ Das Wachstum werde im dritten und vierten Quartal etwas schwächer ausfallen, aber die Erholung bleibe intakt. Das zuletzt starke Wachstum in Deutschland sei nicht nur dem Export zu verdanken, sondern mehr noch der Binnenwirtschaft und dem einsetzenden Konsum. Weber betonte, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland sich besser entwickele als im Rest der Welt. Die Arbeitslosenquote werde auf 7 Prozent fallen, sagte er, ohne einen Zeitrahmen zu nennen.

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