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Geldpolitik Stark warnt vor Dramatisierung der Euro-Aufwertung

11.07.2007 ·  Trotz Rekordhoch des Euro zum Dollar warnt der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, davor, die Euro-Stärke zu dramatisieren. Er kündigt zugleich an, dass die Zentralbank ihre monetäre Analyse verfeinern werde.

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Vor dem Hintergrund des Rekordhochs des Euro-Wechselkurses gegenüber dem Dollar hat der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, davor gewarnt, die Euro-Stärke zu dramatisieren. "Der Euro-Kurs reflektiert die Stärke der wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum", sagte Stark am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Auf effektiver Basis, also im Vergleich mit den Währungen der wichtigsten Handelspartner, liege der Wechselkurs nicht außergewöhnlich hoch, erklärte Stark. Solange der Wechselkurs sich graduell entwickele, "dürfen wir ihn nicht überbewerten".

Gleichmäßige Aufwärtsbewegung

Der EZB-Chefvolkswirt spielte damit darauf an, dass der Wechselkurs zuletzt vergleichsweise gleichmäßig und moderat gestiegen ist. So legte der reale effektive Wechselkurs des Euro in den 21 Monaten seit dem Tief im November 2005 gerade mal um rund 7 Prozent zu. Dagegen stieg der Wechselkurs in den 21 Monaten nach März 2002 um 18 Prozent. Stark wies ferner darauf hin, dass Wechselkursänderungen seit einigen Jahren weniger stark auf Inflation und Wachstum wirkten als früher. Zudem gleiche der stärkere Euro den Anstieg der überwiegend in Dollar abgerechneten Rohöl- und Rohstoffpreise teilweise aus.

„Kein Dissens über geldpolitische Strategie“

"Niemand im Rat stellt die Zwei-Säulen-Strategie in Frage", bestritt Stark einen Dissens in der EZB über die geldpolitische Strategie und die herausragende Rolle, welche die EZB der monetären Analyse beimisst. Globalisierung, Finanzinnovationen, Strukturreformen und demographischer Wandel veränderten den monetären Transmissionsmechanismus, erklärte Stark. Mit diesem Fachterminus beschreiben Notenbanker, wie die Geldpolitik auf die Inflation und die Realwirtschaft wirkt. Auch der "global sehr lange Zeitraum sehr niedriger Zinsen" hat nach Starks Ansicht dazu geführt, dass die Transmission sich verändert habe. Diese Unsicherheiten beträfen indes nicht nur die vielfach kritisierte monetäre Analyse der EZB, sondern auch die von anderen Notenbanken vorrangig verfolgte realwirtschaftlich fundierte Geldpolitik.

Stark kündigte an, dass die EZB an einer Verfeinerung der monetären Geldmengen- und Kreditanalyse arbeite. So teste man neue Geldnachfragefunktionen, in denen Hauspreise und andere Wohlstandsindikatoren einbezogen würden. Die EZB kontert damit Kritik auch aus der französischen und der italienischen Notenbank, dass die Geldnachfrage im Euro-Raum instabil geworden sei. Die bislang gelegentlich veröffentlichten monetären Inflationsprognosen will Stark zu "Risikoindikatoren" für die Inflation weiterentwickeln.

„Inflationsrisiken weisen klar nach oben“

Stark ist seit gut einem Jahr als Chefvolkswirt im Amt. Er sei "positiv überrascht" über die Zusammenarbeit mit Präsident Jean-Claude Trichet und mit Vizepräsident Lucas Papademos, sagte Stark, der sich mit Papademos die Aufgaben des früheren Chefvolkswirts Otmar Issing teilt. In Starks bisheriger Amtszeit hat die EZB den Leitzins sechsmal auf zuletzt 4 Prozent angehoben. Ohne ihn hätte sich "das Muster der Zinsschritte vielleicht ein wenig anders dargestellt", sagte Stark. "Mehr oder weniger" würde der Zins aber auch ohne ihn auf demselben Niveau liegen.

Stark bestätigte die Neigung der EZB zu weiteren Zinserhöhungen. "Die Inflationsrisiken weisen klar nach oben", verwies er auf Knappheiten in der wachsenden Euro-Wirtschaft, die steigenden Rohstoffpreise und die große Liquidität.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 12.07.2007, Nr. 159 / Seite 9
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