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Geldpolitik Ökonomen warnen vor Euro-Panik

30.11.2004 ·  Die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar ist im historischen Vergleich weit davon entfernt, ungewöhnlich zu sein. Die EZB muß noch nicht eingreifen, mahnt die Ökonomengruppe EMU-Monitor.

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Die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar ist im historischen Vergleich weit davon entfernt, ungewöhnlich zu sein. Bei einer andauernden moderaten Aufwertung des Euro besteht für die Europäische Zentralbank (EZB) kein Anlaß, mit Interventionen in die Währungsmärkte einzugreifen. Diese Empfehlung hat die EZB-Beobachtergruppe "EMU Monitor" am Dienstag in Frankfurt ausgesprochen. Die EZB sollte aber einen freien Fall des Dollar stoppen, falls die Märkte in Panik gerieten und die heimische Nachfrage zusammenbreche.

"Eine allmähliche Aufwertung des Euro in den kommenden zwölf Monaten bis etwa 1,40 oder 1,45 Dollar je Euro sollte die EZB nicht beunruhigen", sagte Manfred J.M. Neumann, Ökonom an der Universität Bonn. Casper de Vries von der Universität Rotterdam verwies zudem darauf, daß der handelsgewichtete Wechselkurs des Euro gegenüber den Währungen von 23 Ländern seit Monaten vergleichsweise stabil sei, was die Risiken für den europäischen Export entsprechend vermindere. Nur für den Fall eine rapiden, aber andauernden Euro-Aufwertung innerhalb weniger Wochen sehen die Volkswirte Handlungsbedarf der EZB.

Anstatt geldpolitisch sterilisierter Dollarkäufe an den Währungsmärkten empfehlen sie für diesen Fall eine Zinssenkung. Interventionen wirkten langfristig nur, wenn sie mit einer Änderung des geldpolitischen Kurses verbunden seien. Die Notwendigkeit einer solchen Korrektur könne sich ergeben, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Euro-Raum sich deutlich abschwächen würde. Falls das Wirtschaftswachstum unter 1,8 Prozent im Jahresdurchschnitt fiele, dürfte die EZB die Zinsen senken, sagte Patrick Minford von der Cardiff Business School. In den kommenden Monaten sollte die EZB aber eine abwartende Haltung einnehmen und den Leitzins bei 2 Prozent belassen.

Das erste Jahr von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wertet die Gruppe europäischer Ökonomen zurückhaltend. Trichet äußere sich in den Pressekonferenzen sehr vorsichtig, aber überrasche gelegentlich mit Bemerkungen wie dem Verweis auf "brutale Wechselkursschwankungen", sagte Neumann. Solche "emotionalen" Bemerkungen weckten an den Märkten falsche Erwartungen und seien nicht wünschenswert. "Auf der anderen Seite hat Trichet immer die Preisstabilität hochgehalten", sagte Neumann. Insoweit könne man sich nicht beschweren.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2004, Nr. 281 / Seite 14
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